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Interview / Archiv | Beitrag vom 12.11.2015

Sterbehilfe, Palliativmedizin, HospizeDer Tod als letztes Lebensprojekt

Werner Schneider im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Ein Stationsarzt und eine Krankenschwester während einer Visite auf einer Palliativstation. (Imago / EPD)
Einer der Orte, an denen das Leben oft zu Ende geht: Ein Stationsarzt und eine Krankenschwester während der Visite auf einer Palliativstation (Imago / EPD)

Wie wollen wir sterben? Ein Thema, über das zuletzt im politischen Raum immer wieder gestritten wurde. Der Soziologe Werner Schneider zieht dennoch ein rundum positives Fazit über unsere Bemühungen, dem Tod so weit wie möglich seinen Schrecken zu nehmen.

Lange war das Ende des Lebens den Menschen vertraut und rituell gezähmt – bis es zur Entfremdung des durchrationalisierten Menschen vom Tod kam. Der war natürlich trotz allen Ignorierens noch da, und entfaltete seinen Schrecken umso gewaltiger.

Doch diese Diagnose aus den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts trifft nach Ansicht des Augsburger Soziologen Werner Schneider nicht mehr auf die Jetzt-Zeit zu.

Die Gesellschaft hat sich wie in einem Labor mit dem Tod beschäftigt

Im Gegenteil: Die Gesellschaft habe sich in den letzten 30, 40 Jahren wie in einem Labor mit dem Tod beschäftigt, sagte Schneider im Deutschlandradio Kultur. "Wir sind dabei ein komplexes Organisationsfeld zu etablieren, wo es um die gesellschaftliche Bearbeitung des Sterbens geht", erläuterte er.

Unser Ziel ist, bis zur letzten Sekunde selbstbestimmt zu sein

Die Entwicklung der Hospizarbeit, Palliativmedizin, Sterbehilfe, ärztlich assistierter Suizid: "Wir sind momentan dabei, das Sterben als letztes großes Lebensprojekt der letzten Lebensphase des Menschen zu organisieren, zu institutionalisieren", so Schneider. Hierfür gebe es klare Vorstellungen, die um Würde und Selbstbestimmung kreisten.

Bundestagsabgeordnete werfen am 06.11.2015 im Bundestag in Berlin bei der ersten Abstimmung über die Anträge zur Sterbehilfe ihre Stimmzettel in eine Urne. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)Der Tod im Bundestag hebt den Fraktionszwang auf: Bei der Abstimmung über die Sterbehilfe durfte jeder Abgeordnete nach seinem Gewissen entscheiden (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Im Grunde habe die gesellschaftliche Debatte um das Sterben zum Ziel, die Selbstbestimmung bis zur letzten Sekunde des Lebens aufrecht zu erhalten, sagte er. Am Ende sei dann aber der Tod der radikale Verlust eben jener Selbstbestimmung.

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