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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.09.2018

Sprachwissenschaftler über die Kanzlerin"Merkels Selbstkritik war authentisch"

Ekkehard Felder im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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18.06.2018, Berlin: Angela Merkel, Bundeskanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende, spricht bei einer Pressekonferenz nach der Sitzung des CDU-Bundesvorstands im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Foto: Kay Nietfeld/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Bei Merkel fand der Sprachwissenschaftler Ekkehard Felder alle Elemente, die zu einer authentischen Selbstkritik gehören. (dpa)

Merkels Bedauern in der Causa Maaßen sei glaubwürdig, sagt Sprachwissenschaftler Ekkehard Felder. Im Gespräch erklärt er seine Kriterien und warum ihn die Äußerungen von SPD-Chefin Nahles und Verteidigungsministerin von der Leyen weniger überzeugen.

"Bei der Kanzlerin war ich überrascht, aber ich dachte sofort: 'Sehr gut gemacht'". So beschreibt der Heidelberger Germanistikprofessor Ekkehard Felder seinen ersten Eindruck nach Merkels Erklärung. An ihr fand Felder vor allem die persönliche Komponente gut: Sich selbst kritisch zu hinterfragen, wünschten wir uns alle von uns selbst und von Politikern, so Felder. Auch dass Merkel zunächst die falsche Entscheidung benannte und einräumte, diese sehr zu bedauern, findet Felder überzeugend. Das seien "mustergültige Sprachbausteine für eine authentische Selbstkritik" gewesen.

Nahles klang zu bemüht

Das Statement der SPD-Vorsitzenden zum Fall Maaßen beurteilt der Sprachwissenschaftler hingegen als "bemüht, aber nicht so überzeugend wie bei der Kanzlerin".

Felder kritisiert vor allem, dass Andrea Nahles ihre Erklärung mit der Formulierung "Die drei Parteivorsitzenden" begann: "Das ist jetzt nun mal keine besonders harmonische Einheit, diese drei, wie wir wissen. Wie soll eine authentische Selbstkritik funktionieren, wenn wir für andere mitsprechen und nicht erst mal bei uns selbst beginnen?"

Nahbarkeit und Bodenständigkeit

Auch bei der Entschuldigung Ursula von der Leyens für den Moorbrand in Niedersachsen "im Namen der Bundeswehr" fehlte Felder zufolge die persönliche Komponente. Entscheidend für Selbstkritik sei zudem, dass diese spontan komme und "nicht zu intentional" wirke.

Man müsse Nahbarkeit und Bodenständigkeit signalisieren. Echtheit und Glaubwürdigkeit dürften nicht überstrapaziert werden. (bth)

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