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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.08.2019

Sprachassistenten und DatenschutzMithören beim Sex von Fremden

Marcus Richter im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Die Sprachsteuerung von Apple, "Siri", soll im Alltag bei Recherchen helfen. (imago/MiS)
Apple hat nach Kritik von Datenschützern die Auswertung der Aufzeichnungen von "Siri" gestoppt. (imago/MiS)

Ein "Guardian"-Bericht über das Auswerten sensibler Gespräche von "Siri"-Nutzern befeuerte die Kritik von Datenschützern am Sprachassistenten. Nun hat Apple die Auswertungen gestoppt. Der Journalist Marcus Richter erklärt die Zusammenhänge.

Apple habe einen sehr kleinen Prozentsatz der mitgeschnittenen "Siri"-Gespräche oder Befehle an eine externe Firma weitergeleitet, damit diese die Aufnahmen transkribiert, sagt der Journalist und Moderator Marcus Richter.

"Was die Computer eigentlich machen, damit sie 'verstehen', was wir sagen, das nennt man 'maschinelles Lernen'. Eine Software, die aus dem Befehl 'Hey Siri' ein Signal macht, dass dem Computer befiehlt 'aufzuwachen'. Das geht aber nicht über eine starre Regel, sondern über wiederholtes Lernen, eine Art Training. Dieses Training wird auch fortgesetzt, nachdem das Produkt auf dem Markt ist, um sie immer besser zu machen und Missverständnisse zu vermeiden. Deswegen, so die Idee von Apple, sei die Transkription notwendig gewesen, um die Qualität des Verstandenen mit dem tatsächlich Gesagten vergleichen zu können. Dafür werden dann Noten vergeben, das nennt man 'Grading'."

Sprachassistent kann unbeabsichtigt aktiviert werden

Problematisch sei vor allem das 'Aufwachwort" für den Sprachassistenten, das man selbst definieren kann, wenn man ihn nicht immer per Knopfdruck aktivieren will. "Da kann vom Computer etwas missverstanden werden und dann beginnt die Aufnahme, egal ob man vielleicht gerade beim Arzt ist oder Sex hat. Da bekommen dann Dritte Aufnahmen aus den intimsten Lebensbereichen zu hören." 

Google hat die Auswertungspraxis seines Sprachassistenten Alexa in Europa auf Druck des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar vorerst ausgesetzt. Da sei das letzte Wort aber noch nicht gesprochen, sagt Richter.

"Bei Apple ist es so, dass die das Auswerten jetzt weltweit gestoppt haben und ein neues Verfahren an den Start bringen wollen, bei dem der User immer frei entscheiden kann, ob er da mitmachen will oder nicht."

Eine Alternative zu Alexa und Siri

Es gebe aber auch Alternativen zu den Auswertungen und Transkriptionen, erklärt Richter:

"Unsere Computer und Smartphones sind mittlerweile so mächtig, dass das im Prinzip auch vor Ort ginge. Die gesamte Spracherkennung könnte im Gerät stattfinden, also nicht in der Cloud oder bei einem Anbieter. Da gibt es auch eine Software dafür, namens Snips. Der Technikjournalist Volker Weber hat zudem die Idee gehabt, den Nutzern zu ermöglichen das 'Grading' selbst zu machen. Dann trainiert jeder seine eigene Siri. Technisch ginge das."

(rja)

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