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Interview | Beitrag vom 22.10.2020

Spieleentwickler Klaus TeuberLob des Gesellschaftsspiels

Klaus Teuber im Gespräch mit Dieter Kassel

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Detailaufnahme einer Person, die eine schwarze Spielfigur auf das Spielbrett von "Siedler von Catan" positioniert.  (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Auch im digitalen Zeitalter beliebt: das gute alte Brettspiel. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

Vor 25 Jahren kam "Die Siedler von Catan" heraus, eines der erfolgreichsten Brettspiele. Sein Erfinder Klaus Teuber erklärt, was den Reiz des Gesellschaftsspiels ausmacht - und zwar ganz grundsätzlich.

"Ich habe immer gedacht, Spiele werden in Verlagen gemacht. Da sitzen Leute zusammen, die überlegen sich was und dann kommt’s raus. Damals standen die Autoren nicht auf den Boxen."

So erinnert sich Klaus Teuber an seine Anfangszeit. Mittlerweile gehört er zu den ganz Großen Autoren der Branche. Zum Spieleerfinder wurde er erst spät, ursprünglich ist er Zahntechniker von Beruf und wollte Medizin studieren. Seit den 80ern entwickelt er Gesellschaftsspiele - und das mit sehr großem Erfolg. 1995 kam "Die Siedler von Catan" heraus, sein größter Wurf, den er seitdem zu einem Universum erweitert hat.

Klaus Teuber sitzt vor dem Bild seines Spiels "Die Siedler von Catan". (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)Klaus Teuber, Erfinder des Brettspiels "Die Siedler von Catan", wurde mehrfach für seine Schöpfungen ausgezeichnet. (picture alliance / dpa / Jörg Carstensen)

Auf die Frage, wie er sich den Erfolg des Millionen-Bestsellers erklärt, fallen Teuber viele Gründe ein: "Der wichtigste Grund ist, dass es sehr interaktiv ist. Man ist ständig eingebunden, dadurch wird es jederzeit spannend. Es ist variabel, man muss sich immer wieder auf neue Situationen einstellen und es ist nicht destruktiv. Es hat eine gewisse Glückskomponente, aber die kann man ausgleichen mit dem sozialen Engagement im Spiel."

"Spielen setzt Emotionen frei"

Die analoge Spielebranche freut sich auch im digitalen Zeitalter über wachsende Umsätze, rund 600 Millionen Euro allein im Jahr 2019. Teuber erklärt sich diese "Liebe zum Brettspiel" als eine Reaktion auf die "hektische Zeit". Sie sei verbunden mit einer Nostalgie und das haptische Erlebnis von Holz und Pappe, motiviere viele Menschen, wieder zu spielen. Aber es zähle auch die soziale Komponente: "Man lernt beim Spielen den Menschen ganz anders kennen als man es im normalen Gespräch tut", sagt er. "Spielen setzt Emotionen frei."

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Dieses Erlebnis macht seiner Meinung ein gutes Spiel aus: "Man sitzt zusammen und plötzlich verstummen alle privaten Gespräche, weil eine Art Geist aus der Schachtel steigt und alle Köpfe bannt."

(leg)

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