"Speer und Er"

Nach einem Gespräch mit Rainer Braun |
Anlässlich des 60. Jahrestages des Kriegsendes präsentierte die ARD einen Dreiteiler über das Leben von Hitlers Architekten und Rüstungsminister Albert Speer. Vier Millionen Zuschauer blieben bei der Fernsehdokumentation von Regisseur Heinrich Breloer dran. Eine Bilanz nach Ausstrahlung des letzten Teils.
Deutschlandradio Kultur sprach mit dem Medienkritiker Rainer Braun. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Gespräch.

Vladimir Balzer: Hat das filmische Produkt gehalten, was die vielfache Ankündigung in den Medien versprochen hatte?

Rainer Braun: Nur bedingt. Wer ein Psychogramm von Speer erwartet hatte, der wurde in enttäuscht, weil man über seine frühen Jahre gar nichts erfährt. Der Film setzt mit dem Nürnberger Prozess ein, blickt ein Stück zurück, wie Speer in den Kreis von Hitler gekommen ist, aber es wird eigentlich nicht greifbar, wie eigentlich seine frühere Karriere zum Beispiel an der Universität aussah. Auch seine Ehe wird nicht gezeigt oder wie es sonst lief in Speers Leben, weil die Zeitzeugen, die uns vorgeführt wurden, waren im wesentlichen seine Kinder, die heute zwar schon sehr betagt sind, aber nur sehr rudimentäre Erinnerungen an ihren Vater haben, der auf Grund seiner zahlreichen Verpflichtungen im NS-Regime einfach kaum präsent in der Familie war. Das hat es schwierig gemacht, diesen Menschen für die Zuschauer komplett fassbar zu machen.

Vladimir Balzer: Was ist denn dann eigentlich geklärt worden über Speer?

Rainer Braun: Auf der einen Seite, was man natürlich wusste, dass, wenn Hitler einen Freund gehabt hätte, dann wäre er wahrscheinlich die Figur, die ihm am nächsten stand. (…) Darüber hinaus erfahren wir, dass dieser Mann ein glänzender Selbstinszinator war, das spielt Sebastian Koch auch sehr eindrucksvoll. Und wir erfahren, wie er schon strategisch weit vorausplant - auch in der Zeit nach dem Gefängnis -, und das wusste man, wenn man sich mit neuerer historischer Literatur beschäftigt, auch.

Sie können das vollständige Gespräch in der rechten Spalte als Audio hören.

Interner Link:

Interview mit Heinrich Breloer über "Speer und Er"
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