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Fazit | Beitrag vom 12.07.2019

SPD-Mitglied Klaus Staeck zum "Fall Sarrazin""Rassismus ist keine Kleinigkeit"

Klaus Staeck im Gespräch mit Britta Bürger

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Porträt von Thilo Sarrazin bei einer Lesung in Erfurt. Er wirkt nachdenklich. (imago images / Karina Hessland)
Immer wieder verbreitet Thilo Sarrazin seine extremen Ansichten - unter anderem in Büchern. Die SPD versucht ihn deshalb aus der Partei auszuschließen. (imago images / Karina Hessland)

Im dritten Anlauf hat die Schiedskommission des Parteigericht den Weg für einen Ausschluss von Thilo Sarrazin aus der SPD freigemacht. Dieser kündigte an, in Berufung zu gehen. Die SPD müsse ihre Grundsätze verteidigen, meint Klaus Staeck.

"Wir wären eine arme Partei, wenn wir uns alles bieten ließen", erklärt Klaus Staeck, ehemaliger Präsident der Akademie der Künste, Grafikdesigner, Jurist und SPD-Mitglied seit 1960, zum möglichen Ausschluss von Thilo Sarrazin. Es sei richtig, dass das Verfahren zumindest eröffnet wird - dabei sei es egal, ob es der Partei nützt oder schadet: "Eine Partei ist nun mal so, wie sie sich selbst definiert: eine Wertegemeinschaft. Und dagegen hat Sarrazin schon in erheblichem Maße verstoßen."

Klaus Staeck, SPD-Mitglied, Grafikdesigner und JuristKlaus Staeck sagt, die SPD sei kein "Briefmarkensammlerverein" und dürfe sich nicht alles bieten lassen.

"Rassismus ist keine Kleinigkeit in dieser Gesellschaft. Und in all seinen Büchern und Ausführungen - Interview im Spiegel, etc. - wiederholt er immer dieselben Thesen, dass also nun die Überfremdung des deutschen Volkes stattfinde, dass die Ausländer mit ihren vielen Kindern daran Schuld seien, dass wir uns nicht mehr im eigenen Land wohlfühlen und all diesen Unsinn." Damit verletze Sarrazin Werte, für die auch Staeck seit vielen Jahren stehe.

Ein ehrenwerter Kampf für Solidarität

Ein möglicher Ausschluss Sarrazins habe dabei nichts mit mangelnder Toleranz für andere Meinungen innerhalb der SPD zu tun. Vielmehr müsse es einen Zusammenhang geben mit den anderen Mitgliedern der Partei. Es gebe eine Art von Feigheit, die sich als Toleranz tarne. "Nicht alles ist in einer Gruppe möglich, was man privat sagen kann. Ihm bestreitet doch niemand, dass er diese Thesen, die er nun im Übermaß verbreitet, dass er das machen kann. Aber er muss es dann künftig eben als Privatmann tun. Warum will er das unbedingt als SPD-Mitglied verbreiten?"

Auch wenn Sarrazin, der angekündigt hat, in Berufung zu gehen, dadurch mit seinen Thesen weiterhin im Rampenlicht der Medien stehen würde, gebe es nun mal Grundsätze, die man verteidigen müsse. "Sonst ist man keine Gemeinschaft mehr, die sich auf Solidarität geeinigt hat. Das ist schon, meine ich, ein ehrenwerter Kampf."

(kpa)

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