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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.07.2015

Spanien Wachsende Skepsis gegenüber linker Oppositionspartei "Podemos"

Daniel Sulzmann im Gespräch mit Axel Flemming

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Alexis Tsipras (l), Chef der griechischen Partei Syriza, und Pablo Iglesias (r), Parteichef der spanischen Podemos, stehen bei einer Wahlveranstaltung am 25.1.2015 in Athen gemeinsam auf der Bühne. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)
Die Nähe zur griechischen Partei Syriza könnte inzwischen spanische Wähler der Linkspartei "Podemos" abschrecken. Bei einer Wahlveranstaltung in Athen hatten die Parteiführer Alexis Tsipras und Pablo Iglesias noch gemeinsam auf der Bühne gestanden. (picture-alliance / dpa / Michael Kappeler)

Den Pragmatismus der Spanier könne man angesichts der hohen Arbeitslosigkeit nur bewundern, sagt ARD-Korrespondent Daniel Sulzmann. Was bei den Parlamentswahlen im Herbst herauskommen wird, sei aber noch nicht absehbar.

Die Wirtschaft in Spanien entwickele sich den Zahlen nach derzeit sehr gut, sagte ARD-Korrespondent Daniel Sulzmann im Deutschlandradio Kultur. "Die Regierung spricht von über drei Prozent Wachstum, das ist ja sehr viel."

Wenn das so weiterginge, könnte das bedeuten, dass viele neue Arbeitsplätze entstünden. "Man muss dann nochmal darüber sprechen, was das für Jobs sind." Deshalb stehe die linke Oppositionspartei "Podemos" vor der Schwierigkeit bis zu den Wahlen die Spannung zu halten.

Parlamentswahl erst im Dezember?

Es gebe Spekulationen, dass die Parlamentswahl vielleicht erst Mitte Dezember stattfinden könne. "Bis dahin passiert natürlich noch sehr viel." Hinzu komme, dass viele Spanier beobachtet hätten, dass die Verhandlungen der EU mit der griechischen Linkspartei Syriza sehr schwierig gewesen seien. "Das wird den einen oder anderen doch zur Umkehr bewogen haben und auch zu einem eher skeptischeren Blick auf diese neue, junge Partei."

Fünf Millionen arbeitslose Spanier

Dass die Unterstützung der traditionellen Parteien durch junge Leute nachlässt, erläutert Sulzmann so: "Die jungen Leute hier in Spanien sind natürlich die, die am meisten unter der Krise leiden."

Viele müssten bei ihren Eltern und Großeltern wohnen, weil es kein soziales Netz gebe wie in Deutschland. Bei der Arbeitslosenhilfe sei nach zwei Jahren Schluss und Sozialhilfe gebe es nicht. Es fehle an Arbeitsplätzen und es seien nach offiziellen Angaben rund 5 Millionen Spanier arbeitslos. "Ich kann den Pragmatismus vieler Menschen mit dieser wirklich sehr profunden Krise umzugehen, nur bewundern", sagte Sulzmann. Man könne da fast stolz auf die Spanier sein.

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