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Interview | Beitrag vom 15.08.2019

Soziologe über höhere Bußgelder für AutofahrerSymbolpolitik des Verkehrsministers

Andreas Knie im Gespräch mit Julius Stucke

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Ein Fahrradfahrerin fährt auf einem Fahrradweg auf einer Kreuzung zwischen zwei Autos entlang.  (dpa / picture-alliance / Monika Skolimowska)
"Wir haben zu viele Autos", sagt Mobilitätsforscher Andreas Knie. (dpa / picture-alliance / Monika Skolimowska)

Verstöße von Autofahrern sollen härter bestraft werden. Doch das eigentliche Problem sei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nicht angegangen, kritisiert der Soziologe Andreas Knie.

Mal eben in der zweiten Reihe oder auf dem Fahrradweg parken? Das kann in Zukunft teuer werden. Dabei seien härtere Strafen für Autofahrer im Ausland schon längst Standard, erklärt Soziologe und Mobilitätsforscher Andreas Knie im Deutschlandfunk Kultur. Doch das eigentliche Problem – zu wenig Platz – löse der Bußgeldkatalog nicht. "Das ist das Kernproblem: Wir haben zu viele Autos und dafür zu wenig Parkraum. Also müssen wir dafür eine Lösung finden."

"Eine Stadt der Zukunft braucht keine parkenden Autos"

90 Prozent der Zeit würden diese Autos als geparkte "Mobilitätsreserven" in der Stadt stehen. Das müsse geändert werden, sagt Knie. Zumal sich die Zahl der Radfahrenden in Deutschland innerhalb der letzten zehn Jahre verdoppelt habe und noch mehr Menschen fahren würden, wenn es sichere Wege gebe. "Eine Stadt der Zukunft, die braucht keine parkenden Autos. Das, was man an Autos braucht, kann man über Sharing prima nutzen und dann hätten wir Platz ohne Ende."

"Keine überintelligente Maßnahme"

Scheuers Maßnahmen seien keine wirkliche "Fahrradoffensive", erklärt Knie, sondern Symbolpolitik und gewissermaßen Ausdruck eines schlechten Gewissens. Dass zukünftig Autos mit mindestens drei Passagieren die Busspur nutzen dürfen, hält Knie für keine sehr gut Idee:

"Wir müssen die Busspuren erst einmal freikriegen. Wir müssen sie dazu kriegen, dass sie den Bus endlich zu einem attraktiven Verkehrsmittel in der Stadt macht. Da können wir nichts anderes auf den Busspuren gebrauchen – außer Radfahrer und andere nichtmotorisierte Verkehrsmittel. Aber um Gottes willen nicht noch Autos! Das ist keine überintelligente Maßnahme gewesen."

(mwl)

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