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Studio 9 | Beitrag vom 23.01.2019

Sozialunternehmer beim WEF in Davos"Mein Ziel: Eine Million Jobs für Menschen mit Behinderung"

Von Arne Schulz

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Thorkil Sonne in Toronto, Kanada. (imago/ZUMA Press)
Thorkil Sonne: Arbeitsplätze für Autisten in der australischen Schweinezucht (imago/ZUMA Press)

Der Däne Thorkil Sonne vermittelt Menschen mit Behinderung in Arbeit. Er ist zum dritten Mal beim Weltwirtschaftsforum in Davos und freut sich: Behinderung sei diesmal ein großes Thema - und er hat das Ohr der Bosse und Entscheider.

Thorkil Sonne zieht seinen Rollkoffer über den gefrorenen Schnee, der den Bürgersteig an der Hauptstraße tief unter sich begraben hat. Die Sonne scheint, die Bergluft ist kühl und frisch – und Thorkil Sonne ist bestens gelaunt:

Das Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos sei ganz anders als etwa die Sommer-Konferenzen in China, erzählt er. Hier sei es gemütlicher und viel leichter, Leute zu treffen.

Sonne berät die dänische Regierung zur sozialen Verantwortung von Unternehmen. Anfang des Jahrtausends hat er außerdem die Organisation Specialisterne gegründet, die mittlerweile in zwölf Ländern Autisten in Arbeit vermittelt.

Behinderung erstmals ein großes Thema

Er sei damals IT-Direktor in einem großen Unternehmen gewesen, als sein jüngerer Sohn die Diagnose Autismus bekam. Bald sei ihm klar geworden, dass die meisten Autisten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben.

So viele Menschen passten nicht in den tradionellen Arbeitsmarkt, sagt Sonne. Dabei gehe es ihm nicht nur um hochbegabte Menschen mit Asperger-Syndrom, für die es natürlich die größten Chancen gebe. Für die Höchstleister gebe es viele Chancen, "aber wir widmen uns dem ganzen Spektrum!". So habe er zum Beispiel schon Arbeitsplätze bei australischen Schweinehöfen vermittelt. 

Die Berliner Firma Auticon beschäftigt ausschliesslich Menschen mit Autismus als Consultants im IT-Bereich. (imago/photothek)Bei der Firma Auticon arbeite nur Autisten als IT-Consultants. (imago/photothek)

Zum dritten Mal ist Thorkil Sonne nun schon in Davos, auch um Kontakte zu neuen Arbeitgebern zu knüpfen. Doch zum ersten Mal sei das Thema Behinderung in Davos richtig groß auf der Tagesordnung.

Das Ohr der großen Organisationen

Die großen Organisationen hörten ihm und seinen Kollegen jetzt zu. Das gelte es zu nutzen. 

Tatsächlich beschäftigt sich das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr in vielen Veranstaltungen mit den Chancen von Menschen mit Behinderung und das Forum hat rund zwanzig Sozialunternehmer eingeladen. Sogar die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, sagt, sie wolle in diesem Jahr die sozialen Fragen in den Vordergrund stellen:

"Wenn wir alle das Versprechen der digitalen Revolution einlösen wollen – was Produktivität, Arbeitsplätze und langfristiges Wachstum angeht – dann müssen wir sicherstellen, dass dieses Versprechen für alle gilt."

Zweifel an der Umsetzung

Sich um die Gleichberechtigung von Frauen kümmern, um Arbeitslose oder eben um Menschen mit Behinderung – das klingt gut. Doch Kritiker bezweifeln, dass es den Teilnehmern des Weltwirtschaftsforums damit ernst ist. Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung sagt:

"Wir werden in Davos auch dieses Jahr wieder viele wohlklingende Worte zu Klimaschutz, zu Globalisierung, zu Ungleichheit hören – aber dass das eine andere Politik nach sich zieht, das können Sie vergessen: Das wird genauso weiter durchgezogen wie in den letzten Jahren."

Andererseits: Kommt es nicht wenigstens auf einen Versuch an? Thorkil Sonne, der Sozialunternehmer aus Dänemark, sagt, er sei optimistisch: Auch die Führer dieser Welt hätten inzwischen verstanden, dass der Abbau von Ungleichheiten wichtig sei für eine stabile Weltordnung. 

Etwa 10.000 Menschen könnten durch die Arbeit seiner Organisation nun am Arbeitsleben teilhaben. Doch das sei nur der Anfang, sagt Sonne, der Optimist. Sein persönliches Ziel seien eine Million Jobs für Menschen mit Behinderung.

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