Seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Sonntag, 20.10.2019
 
Seit 13:05 Uhr Sein und Streit

Nachspiel | Beitrag vom 28.04.2019

SommersaisonEin neues Fahrrad muss her

Von Bettina Ritter

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein am Baumstamm abgestelltes gelbes Hollandrad mit einem über den Sattel gestülpten lila Damenhut, aufgenommen 2013 in Bonn (picture alliance/JOKER/Hartwig Lohmeyer)
Oder soll sie doch bei ihrem alten, zuverlässigen Hollandfahrrad bleiben? Das fragt sich unsere Autorin Bettina Ritter. (picture alliance/JOKER/Hartwig Lohmeyer)

Es quietscht und klappert auf den Straßen - kaum ist die Sonne draußen, werden auch alte Fahrräder aus den Kellern geholt. Vielleicht ist es Zeit für ein neues? Das fragen sich sicher einige. Aber die Fahrradsuche ist gar nicht so leicht.

Der erste Gang geht ins Internet. Ich bin auf der Seite des größten Radladens Deutschlands. Hier gibt es Trekking- und Crossräder, City- und Hollandräder, Urban Bikes, Cruiser, Falt-, Klapp-, und Lastenräder, und alles nochmal mit E-Bike-Funktion. Kostenpunkt: Ab 25 Euro für ein Kinderrad bis 9300 Euro für ein Rennrad. Irgendwo dazwischen werde ich bestimmt etwas finden.

Ein riesiger Fahrrad-Markt am S-Bahn-Ring in Berlin. In einer hohen, lichtdurchfluteten Halle unzählige Räder auf Podesten. In der Mitte: eine Fahrbahn mit aufgemalten Pfeilen zum Probefahren. Mein Fachverkäufer heißt Alexander Baumgärtel.

Autorin: "Ich möchte fast täglich fünf bis acht Kilometer zur Arbeit fahren. Ich habe jetzt so ein altes Citybike, das wahnsinnig schwergängig ist und schwer, und ich möchte ein bisschen flotter unterwegs sein und ab und zu mal den Usedom-Radweg fahren, aber kein Gebirge. Was wäre das Richtige für mich?"

Verkäufer: "Wie wollen sie überhaupt sitzen.? Wollen Sie eine Kettenschaltung haben, wollen Sie eine Nabenschaltung haben? Wollen Sie was Sportliches haben, denn ich kann auch ein Mountainbike oder auch ein Fitness-Rad dort so aufstocken, dass man mit Licht und Gepäckträger schnell und gut unterwegs ist, und dann kommt es noch drauf an, wieviel Geld Sie ausgeben wollen, das sind so die Kriterien."

Da ich bisher sehr aufrecht gesessen habe, möchte ich auch jetzt nicht im Bauch abgeknickt in Rennrad-Position fahren müssen – aber trotzdem schnell unterwegs sein. Der Preis ist erst einmal egal. 

Sieben, acht oder achtzehn Gänge?

Verkäufer: "Okay, Dann bleibt ja bloß irgendwas mit Trekking-Rad oder City-Fahrrad - je nachdem, was die Schaltung ist."

Autorin: "Aber ich glaube, so acht Gänge würden reichen? Oder was meinen Sie?"

Verkäufer: "Für den Berliner Bereich, da reichen sieben oder acht Gänge, das ist völlig okay. Für Fahrradtouren, da bin ich eigentlich immer ein Verfechter von der Kettenschaltung. Eine Kettenschaltung hat eine größere Bandbreite und man kann unter Last schalten. Das ist der Vorteil am Berg, am Anstieg, dass ich mir in der Bewegung den Gang zurechtlegen kann."

Schnell sind wir bei den Trekking-Rädern gelandet. Kettenschaltung, sportlicher Herren-Rahmen, leichte zwöl Kilo, matt grau-grün lackiert. Kostenpunkt: Knapp 1000 Euro.

Autorin: "Das finde ich schon mal gar nicht schlecht. Ich glaube, so einen Rennrad-Lenker brauche ich nicht. Aber so von der Optik. Und, wie viele Gänge hatte das jetzt?"

Verkäufer: "18."

Autorin: "Das würde mir auch reichen."

Eine Probefahrt in der sportplatz-großen Halle auf dem vorgezeichneten Parcours: Fährt sich gut, ich fühle mich sportlich.

Autorin: "Und, wie sieht es aus? Wie sehe ich aus?"

Verkäufer: "Spitze!"

Eigenmarke – mit jeder Menge Farben

Das hellgrüne Rad fand ich schon ziemlich gut, allerdings will ich noch weiter gucken. Ein bisschen individueller wäre schön. Ich verabschiede mich von meinem Verkäufer und folge dem Rat einer Freundin, die sich ihr Fahrrad bei einem kleinen Laden in Kreuzberg hat zusammenbauen lassen. 

Verkäufer: "Und zwar haben wir vor sieben Jahren eine Eigenmarke kreiert, PaRiPa, das ist die Radspannerei-Eigenmarke, das heißt, die Rahmen haben wir selber gezeichnet, designt. Im Prinzip eine klassische Rennrad-Form."

Der Laden-Mitbesitzer Jörg Fischer zeigt auf die Modelle: Es gibt den klassischen Herrenrad-Rahmen und einen mit einem Knick in der oberen Stange, sodass man bequemer aufsteigen kann. Die Stahlrahmen werden in Tschechien produziert. Jedes Rad lässt sich aufrüsten, wie der Kunde will, vom schlanken, leichten Rennrad bis hin zum vollausgestatteten Tourenrad. Von einem Gang bis über 20, Naben- oder Kettengangschaltung. Und: jede Menge Farben!

Individuelle Anpassung hat ihren Preis

Für mich ist das durchaus ein Argument. Zum Probefahren schickt mich Jörg Fischer auf ein hellgraues Rad mit silber-glänzenden Schutzblechen mit Hammerschlag-Optik. Sehr schick.

Autorin: "So, der große Moment. Was mir nur gerade auffällt: Es gibt ja gar keine Gangschaltung!"

Fischer: "Genau. Bei diesem Modell, das ist das puristische Modell, mit Eingang Freilauf. Das heißt, man hat tatsächlich nur einen Gang, da kann nix kaputt gehen so einfach, es kann sich nix verstellen. Und da das Rad sehr sportlich ist, ist es natürlich trotzdem gut zu fahren. Für den Innenstadtverkehr kann das durchaus funktionieren."

Autorin: "Ok, ich probiers mal, ich fahre bis da vorne hin und Sie können gucken, wie ich drauf sitze. Also, es fährt sich super. Allerdings bin ich ein bisschen zu weit nach vorne gebeugt."

Fischer: "Das sah jetzt erst mal nicht schlecht aus, die Rückenlage war jetzt so etwa 30 Grad, aber wenn es dann doch zu weit nach vorne geneigt ist, kann man noch eine andere Länge Vorbau wählen, also der Lenkerhalter, den gibt es in verschiedenen Längen." 

Die individuelle Anpassung je nach Bedürfnissen und Geschmack hat allerdings auch ihren Preis: Zwischen etwa 1300 und 2000 Euro. Dann hat man aber wohl auch sein absolutes Traum-Rad.

Ich muss noch ein bisschen drüber nachdenken. Am besten beim Radfahren. Und wer weiß, vielleicht bleibe ich ja doch meinem zuverlässigen, 20 Jahre alten Holland-Rad treu.

Nachspiel

Surfen in AfghanistanDie Suche nach der perfekten Welle
Surfer stehen am Ufer eines Flusses und schütteln einem Afghanen die Hand. (Wave Riders Association of Afghanistan)

Was sind das für Männer in komischen Anzügen, denken sich viele Afghanen, wenn sie Afridun Amu und seine Freunde beim Surfen beobachten. Schnell sind sie begeistert. Aus der Reise des Deutsch-Afghanen ist ein Film geworden: "Unsurfed Afghanistan".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur