Solidarität mit der Ukraine

Wie Theater helfen kann

07:55 Minuten
Die blau-gelbe Flagge der Ukraine mit der Aufschrift "We stay united" hängt am Deutschen Theater Berlin.
"Kunst hat die Pflicht, vor der Wirklichkeit zu bestehen", sagt DT-Intendant Ulrich Khuon. © Imago/Steinach
Eberhard Spreng im Gespräch mit Marietta Schwarz · 27.03.2022
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Viele Bühnen in Deutschland wollen sich solidarisch mit der Ukraine zeigen. Das Deutsche Theater in Berlin lässt Künstler per Videoschalte über den Krieg berichten, die Kammerspiele München haben geflüchtete Theatermacher aufgenommen.
Vor dem Theater in Mariupol prangte groß das Wort "Kinder" in kyrillscher Schrift, um es vor russischen Bomben zu schützen. Genutzt hat es nichts: Über 300 Menschen sind bei dem Angriff auf die Bühne in der Stadt am Asowschen Meer gestorben.
Auch vor dem Deutschen Theater Berlin war der Schriftzug am Welttheatertag bei der Veranstaltung "Ukrainische Stimmen für Mariupol" zu sehen. "Die Kunst hat die Pflicht, von der Wirklichkeit auszugehen und vor der Wirklichkeit zu bestehen", sagte Intendant Ulrich Khuon zur Eröffnung.

Per Videoschalte im Kriegsalltag

Natürlich wisse auch Khuon, dass Kunst nicht die Welt retten könne, sagt der Theaterkritiker Eberhard Spreng. Der Abend sollte die Aufmerksamkeit auf die Situation ukrainischer Künstlerinnen und Künstler lenken. Die werden per Video zugeschaltet und erzählen von ihrem Alltag im Krieg.

Die Schauspielerin Anastasia Renard ist über Rumänien und Italien aus Kiew geflüchtet. In München angekommen, will sie sich als Erstes ein Theaterstück anschauen. "Nenne es Therapie durch Kunst", sagt sie. Aufgenommen haben sie die Kammerspiele München .

An Theatermachen sei nicht zu denken, sagt die Schauspielerin Marie. In Mariupol fehle es an allem: an Essen, an Wasser und zunehmend an Hoffnung. Pavlo Arie, aus Kiew geflohener Dramaturg des Left Bank Theatre, berichtet, dass Sprache seine Strategie sei, mit der Angst umzugehen. Das Schreiben sei sein Rettungsring.

Bewaffnete suchen nach Saboteuren

In einem Kriegstagebuch beschreibt Arie seine chaotische Flucht aus der Hauptstadt der Ukraine: Die Webseite der Bahn ist permanent überlastet, sein blutdrucksenkendes Mittel, das er unbedingt braucht, nicht zu bekommen, und kurz vor seiner Abfahrt stehen auf einmal drei Bewaffnete in seiner Wohnung, auf der Suche nach russischen Saboteuren.
Die Bombardierung des Theaters in Mariupol habe auch eine symbolische Bedeutung gehabt, sagt Theaterkritiker Spreng: "Aus all den Berichten der Theater-Künstlerinnen und Künstler ist deutlich geworden, dass Mariupol im Oblast Donezk, einer Region, die Russland für sich kulturell vereinnahmen will, in den letzten Jahren eine unglaubliche kulturelle Blüte erlebt hat, einen kulturellen Frühling. Ich glaube, der sollte mit diesem Angriff auch symbolisch beendet werden."
(beb)

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