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Nachspiel | Beitrag vom 11.10.2020

Skispringen in Reit im WinklMut kann man lernen

Von Heinz Schindler

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Romantische Nachtansicht des Alpendorfs Reit im Winkl in Abendstimmung (imago/Westend61)
Malerisches Reit im Winkl. Hier übt sich der Nachwuchs im Skispringen. (imago/Westend61)

Das oberbayerische Reit im Winkl zählt zu den bekannteren Skigebieten des Landes. An den Skisprungschanzen übt sich der lokale Nachwuchs für den Sport. An Ambitionen mangelt es nicht.

In der einzigen Grundschule des Ortes trifft sich einmal pro Woche eine Gruppe zukünftiger Skispringerinnen und Skispringer zum Trockentraining in der Turnhalle. So üben sie zum Beispiel den Absprung über Kästen und die Landung auf großen Matten. Hier kommt der Nachwuchs für den Wintersportverein her, sagt Trainerin Caroline Göpfert.

"Die besten Erfahrungen haben wir gemacht, indem wir in die Grundschule gehen und die Kinder dort direkt ansprechen, begeistern und zum Grundschulwettbewerb mitnehmen. Der wird organisiert vom Bayerischen und vom Deutschen Skiverband. Da geht’s einfach drum, Kinder auszusuchen, die sich gern im Schnee bewegen, die gern Ski fahren, die auch gern einmal über Schanzen springen. Die haben einen tollen Tag und bleiben ganz gern bei uns im Skispringen dabei."

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Eine von denen, die über die Schule zum Skispringen kamen, ist die achtjährige Franziska:

"Ich habe mit sechs angefangen. Da gab es ein Ferienprogramm, da wollte ich mal hin. Dann hat die Caro gesagt, ich sollte nochmal wiederkommen. Und dann bin ich immer immer wieder gekommen. Und dann bin ich irgendwann immer ins Training gekommen und irgendwann Skispringer gewesen."

"Angst hat man immer ein bisschen"

Zweimal in der Woche wird trainiert – einmal in der Turnhalle und einmal auf der kleinen Kinderschanze, wo der achtjährige Leopold erste Erfahrungen sammelt:

"Angst hat man immer ein bisschen, finde ich, aber es geht dann schon. Dann freut man sich ja immer wieder, wenn man's geschafft hat."

Anblick einer Skischanze im Sommer (Deutschlandradio / Heinz Schindler)Früher war in dem Ort die ganze Welt zu Gast: Heute nutzt vor allem die Bevölkerung des Dorfes die Skisprungschanze. (Deutschlandradio / Heinz Schindler)

Im Winter wird er seine ersten Wettkämpfe haben, darauf übt er hin in einer Atmosphäre, die viel Spaß vermittelt und dennoch zielgerichtet ist. Die Anfangshocke geht bereits. Am richtigen Abspringen übt er noch, "dass man es am richtigen Zeitpunkt macht".

Am besten trainiere er "eigentlich immer auf der Schanze. Daheim dann so Übungen. Die Anfahrtshocke so richtig tief, dann übt man halt daheim ein bisschen und auf der Wackelscheibe das Gleichgewicht."

Auch vorsichtige Kinder können Skispringen

Eine Dreiviertelstunde Anfahrt nimmt er für das Training auf sich, zu dem auch die Überwindung gehört, wenn man denn auf dem Balken sitzt und springen soll. Den Mut aber könne man lernen, so Trainerin Göpfert:

"Ja, zum gewissen Teil schon. Die Kinder sind auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so extrem mutig. Es sind auch viele sehr vorsichtige Kinder dabei. Das kann man sich gar nicht vorstellen bei dem, was die da machen. Die tasten sich ran. Wir fangen ja mit den ganz ganz kleinen Schanzen an. Die Kinder springen zwei, drei Meter. Die steigern sich dann von zwei, drei Meter auf zehn Meter und dann gibt es die nächste Schanzengröße. Diese Schritte muss man sich zutrauen und die Geduld muss man haben."

An Ehrgeiz mangelt es nicht

Überzeugt werden müssen mitunter die Eltern der kleinen Skispringer. Nicht immer liegt dieser Sport in der Familie:

"Mein Papa hat früher gesprungen und mir macht es einfach mega Spaß", erzählt die achtjährige Franziska. Sie schwärmt von den Flügen: "Wenn du so fliegst – und umso größer die Schanze, umso weiter oben fliegst du. Und wenn du gerade richtig von der Schanze springst, dann fliegst du richtig, richtig hoch."

Seit sieben Jahren besteht die Trainingsgruppe. Einige der anfänglichen Teilnehmer sind inzwischen im Sportinternat und nehmen an internationalen Wettkämpfen teil. Franziska will da auch hin. Irgendwann.

"Ich möchte später mal ins Fernsehen kommen und richtig Skispringen. Meine Oma sagt auch, dass ich später mal ins Fernsehen komme. Die wartet schon immer auf mich im Fernsehen."

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