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Interview / Archiv | Beitrag vom 08.01.2018

Skandalbuch "Fire and Fury" über TrumpDas Weiße Haus als Käfig voller Narren

Nana Brink im Gespräch mit Ute Welty

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Ein Stapel mit Ausgaben von "Fire and Fury"-Büchern. (AP / Steve Helber)
US-Präsident Donald Trump steht im Mittelpunkt des Skandalbuches "Fire and Fury", das in den USA gerade zum Verkaufsschlager wird. (AP / Steve Helber)

In den USA ist das Skandalwerk des US-Journalisten Michael Wolff über Präsident Donald Trump in vielen Buchläden bereits ausverkauft. Auch unsere Kritikerin Nana Brink hat das Buch mit Interesse an süffigen Details gelesen, aber vermisst darin an entscheidenden Stellen die harten Fakten.

Das Enthüllungsbuch "Fire and Fury" (Feuer und Wut) über Präsident Donald Trump ist in den USA in aller Munde und beschert dem Autor Michael Wolff einen Riesenerfolg. Auch unsere Kritikerin Nana Brink hat es jetzt gelesen und fällt ein zwiespältiges Urteil. Das Buch sei ein Enthüllungsbuch, weil es die Zustände im Weißen Haus im Detail beschreibe, die man als Leser alle begierig aufnehme. "Wir wollen natürlich wissen, wie Ivanka beschreibt, wie ihr Vater zu dieser Haarfarbe gekommen ist", sagte Brink im Deutschlandfunk Kultur.

"Just for men" (Nur für Männer) heiße dieses Orange und wenn man es lange genug einwirken lasse, bekomme es diesen Ton. "Wir amüsieren uns natürlich über diese Details, die wir gerne hören wollen."

Trump als Idiot  

In dem Buch falle neun Mal das Wort "Idiot", sagte Brink. Der Trump-Stab schildere den Präsidenten überwiegend als inkompetent, infantil und beratungsresistent. Das Buch zeichne ein Bild vom Weißen Haus wie im "Käfig voller Narren".

Meistens auf Einladung von Bannon    

Andererseits vermisste Brink in dem Buch die harten Fakten, was es dann wieder nicht zu einem echten Enthüllungsbuch mache, sagte Brink. Gerade bei der angeblichen Russland-Beziehung der Trump-Administration gebe es in dem Buch nicht Neues zu erfahren. Der Autor zitiere vor allem den früheren Chefstrategen von Trump, Stephen Bannon. In 95 Prozent der Fälle sei Wolff auf Einladung von Bannon im Weißen Haus gewesen. "Ich würde sagen, er hat ganz geschickt dieses Chaos ausgenutzt", urteilte Brink. Heute spiele Bannon nicht mehr diese Rolle und der Bruch mit Trump sei nicht mehr zu kitten.

Zweifel an der Sorgfaltspflicht  

Von Wolff sei wenig anderes zu erwarten gewesen, sagte Brink. Er sei eine schillernde Figur der New Yorker High Society, der sich immer sehr gerühmt habe, an Prominente heranzukommen. Wolf habe eine bekannte Biographie über den Medien-Mogul Rupert Murdoch geschrieben, bei der das Strickmuster bereits zu erkennen sei. Wolff suche Zugang zu den Mächtigen, damit der Schein auch auf ihn falle, und es werde ihm nachgesagt, dass er es mit der journalistischen Sorgfaltspflicht nicht ganz so genau nehme. Trump und seine Frau bestritten, sich je mit ihm getroffen zu haben. Wolff behaupte dagegen, er habe drei Stunden mit ihnen gesprochen. "Er weicht auch immer in den Interviews aus, sehr bezeichnend", sagte Brink.

Wikileaks verstößt gegen Urheberrecht

Die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte am Sonntag einen Link zum gesamten Text von "Fire and Fury".  über das Weiße Haus unter US-Präsident Donald Trump online veröffentlicht. Die Verbreitung des Buchs ohne Erlaubnis verletzt allerdings Urheberrechte.

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