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Fazit | Beitrag vom 11.01.2021

Sir Simon Rattle wechselt nach MünchenFrischer Wind für das BR-Symphonieorchester

Jörn Florian Fuchs im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Sir Simon Rattle, Chefdirigent des London Symphony Orchestras, bei einem Konzert auf dem Londoner Trafalgar Square am 30. Juni 2018. (picture alliance / PA Wire / Doug Peters)
Sir Simon Rattle gilt als Improvisationstalent. Auch als neuer Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters werde er viel "aus dem Moment heraus" entstehen lassen, sagt Musikkritiker Jörn F. Fuchs. (picture alliance / PA Wire / Doug Peters)

Ein Coup für München: Sir Simon Rattle tritt die Nachfolge von Mariss Jansons als Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters an. Der Musikkritiker Jörn Florian Fuchs hält den Briten für einen würdigen Nachfolger und verspricht sich neue Akzente.

Als Dirigent ist Sir Simon Rattle weltweit gefragt, hochgeschätzt und beliebt. Die Berliner Philharmoniker leitete er 16 Jahre. Seit 2017 ist er Chefdirigent des London Symphony Orchestras. Nun kehrt er bald wieder nach Deutschland zurück: Ab Herbst 2023 wechselt er zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und folgt damit dem vor gut einem Jahr verstorbenen Mariss Jansons.

Jansons, so das Gerücht, soll sich selbst in einer Art inoffiziellem, künstlerischem Testament den Briten als Nachfolger gewünscht haben, berichtet der Musikkritiker Jörn Florian Fuchs.

Zurück zu seinen Wurzeln

Ein wenig ist es für Sir Simon wie eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Denn, so berichtete er selbst, seine ersten tiefen musikalischen Erfahrungen machte er mit 15 Jahren, als er in Liverpool Beethovens Neunte Sinfonie hörte, gespielt von den BR-Symphonikern. Die symbiotische Beziehung zwischen Dirigent und Orchester habe ihn sehr beeindruckt.

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Die Startvoraussetzungen sind nach Fuchs‘ Einschätzung sehr gut: Simon Rattle sei jemand, "der gerne aus dem Moment heraus Musik inszeniert und dirigiert, der also nicht völlig analytisch vorgeht, sich das alles im Voraus ausdenkt und dann ein Konzept entwirft, dem man sklavisch zu folgen hat." Er habe großes Improvisationstalent, dabei aber so viel Erfahrung, dass klar sei, dass dabei nichts schiefgehe.

Rattle habe ebenso großes Talent, ein Orchester in eine Symbiose zu führen – jeder wisse dann, was er vom anderen zu erwarten habe. Sein Vorgänger Jansons sei zwar "einige Ticks analytischer" gewesen, habe jedoch ebenso wie der Brite "den kreativen Moment fokussiert", sagt Fuchs.

Gute Chancen für neuen Konzertsaal

In den letzten Jahren sei das BR-Symphonieorchester "ein wenig träge" geworden – deshalb biete Simon Rattle eine echte Chance für einen frischen Neuanfang, zumal er auch Neuer Musik gegenüber sehr aufgeschlossen sei, ohne jedoch eine Vorliebe für experimentelle Musik zu haben, betont Fuchs.

Auch der von Rattle gewünschte neue Konzertsaal werde seiner Beobachtung nach sicherlich realisiert werden. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder habe den Bau zur "Herzensangelegenheit" erklärt.

(mkn)

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