Seit 05:05 Uhr Studio 9
Donnerstag, 26.11.2020
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 21.10.2020

Sicherheit von Kunstwerken in Museen"Wir erleben täglich Vandalismus"

Eckart Köhne im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt Medienvertretern Spuren der Sachbeschädigungen im Neuen Museum, aufgenommen am 21.10.2020 in Berlin.  (picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa)
Auch Artefakte im Neuen Museum in Berlin wurden mit einer öligen Flüssigkeit bespritzt. Der oder die Täter sind noch unbekannt. (picture alliance/Bernd von Jutrczenka/dpa)

Der Schock ist groß nach der Beschädigung von rund 70 Objekten auf der Berliner Museumsinsel. Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes, fordert mehr Unterstützung von Politik und Gesellschaft. Museen müssten den Schutz der Allgemeinheit genießen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat sich kritisch zu den Sicherheitsvorkehrungen der Staatlichen Museen zu Berlin geäußert, nachdem auf der Museumsinsel zahlreiche Artefakte mutwillig beschädigt wurden: Die Ausstellungshäuser müssten sich nun "Fragen stellen lassen", so Grütters. Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes und Direktor des Badischen Landesmuseums, spielt den Ball zurück an die Politik. "Man würde sich wünschen, dass ein Politiker auf uns zugeht und sagt: 'So kann es nicht weitergehen, wie können wir euch helfen?'"

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Museen müssten den Schutz der Allgemeinheit genießen, betont der gelernte Archäologe. Bei einem Fußballspiel schicke man ja auch Tausende Polizisten ins Rennen: "Das zeigt, dass die Gesellschaft durchaus in der Lage ist, viel zu investieren, um Dinge zu schützen, die sie für wichtig hält."

Eckart Köhne, Präsident des deutschen Museumsbundes, steht mit verschränkten Armen im Schloss Karlsruhe. (picture alliance / dpa / Uli Deck)Bewaffnete Aufsichten sind ein Tabubruch, sagt Eckart Köhne. (picture alliance / dpa / Uli Deck)

Dass Museumsaufseherinnen und -seher bewaffnet werden, hält Köhne nicht für zielführend: "Das ist ein Tabubruch, den wir bestimmt nicht begehen wollen." Wenn Museen wehrhaft seien, seien sie kein Ort unbeschwerten Kunstgenusses mehr. 

Herumgekritzel mit dem Kugelschreiber

Der Fall auf der Museumsinsel sei besonders durch die hohe Anzahl von beschädigten Kunstwerken, sagt Köhne. Aber: "Wir erleben täglich Vandalismus." Da werde mit dem Kugelschreiber auf Objekten herumgekritzelt, es würden Ausstellungsstücke angefasst und beschädigt.

Politisch motivierte Angriffe auf Kunst habe es im Dritten Reich gegeben, sagt Köhne, wie die Bücherverbrennungen oder Säuberungen von Museen: "Aber das haben wir in der Bundesrepublik Deutschland Gott sei Dank nicht."

(beb)

Hören Sie auch das "Studio 9"-Interview mit dem Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich zur Frage, welche Schlussfolgerungen für die Museumswelt aus den jüngsten Angriffen auf Artefakte gezogen werden sollten:

 

Mehr zum Thema

Berliner Museumsinsel - Anschlag auf die Weltkultur
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 21.10.2020)

Sicherheit im Museum - Taschenkontrolle ja, bewaffnete Aufseher nein
(Deutschlandfunk Kultur, Diskurs, 02.08.2020)

Jüdisches Museum Frankfurt - Ein offenes Haus für jüdische Tradition und Gegenwart
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 21.10.2020)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsStillose Stilkritik
Annalena Baerbock, die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, und Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sitzen beim digitalen Bundesparteitag der Grünen gemeinsam im sogenannten Wohnzimmer.  (picture alliance/ dpa/ Kay Nietfeld)

Die "FAZ" hat am digitalen Parteitag der Grünen etwas auszusetzen: Sie stört die "unruhig wirkende Wischtechnik der Wände in Kotbraun". Was das Bühnenbild des Parteitags aber mit "Ostberliner WGs" zu tun haben soll, lässt sie leider unbeantwortet.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur