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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.03.2019

"Sex" von Anne Imhof in der Tate ModernVerlorene Generation zwischen Drogen und Smartphone

Marten Hahn im Gespräch mit Britta Bürger

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Still aus der Performance "Sex" von Anne Imhof (Marten Hahn)
Still aus der Performance "Sex" von Anne Imhof (Marten Hahn)

Bei der letzten Kunst Biennale in Venedig wurde Anne Imhof für ihre vielstündige "Faust"-Performance mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Nun performt Imhof unter dem Titel "Sex" in der Tate Modern in London, aber von Erotik keine Spur.

Anne Imhof malt und zeichnet auch. Bekannt geworden ist sie aber durch ihre Performances. Die tragen Namen wie "Angst" oder "Faust" und muten oft dystopisch an. So auch das neuste Werk "Sex", das in den ehemaligen Öltanks der Tate Modern in London aufgeführt wird.

Es riecht nach Öl im Kunst-Bunker

Schon das Eintreten ist beeindruckend, erzählt unser Kunstkritiker Marten Hahn. Das Öl "riecht man stellenweise noch ein wenig, aber prinzipiell ist das alles eine Betonlandschaft", so Hahn. 30 Meter Durchmesser, sieben Meter hoch, "das hat eine Bunker-Atmosphäre".

Mehrere Öltanks werden bespielt. Manchmal gucken die Zuschauer von oben auf die Performer herab, manchmal laufen die Darsteller auf Holzstegen über den Köpfen des Publikums. Auch hinter Glaswänden spielt sich das Geschehen ab - "Da spielen Machtverhältnisse eine Rolle", berichtet Hahn.

Still aus der Performance "Sex" von Anne Imhof (Marten Hahn)Still aus der Performance "Sex" von Anne Imhof (Marten Hahn)

Musik spielt in Imhoffs Werken immer eine große Rolle. "Hämmernde Elektromusik gab es da und Streicher und Gesang. Das hatte etwas sehr Schicksalschwangeres und Schweres", so Hahn. Mittendrin Anne Imhof, die die Szenerie mit Tablet und Smartphone dirigiert.

Eine ziellose Generation

Da die Performance in mehreren Räumen gleichzeitig stattfindet, kann das Publikum nie alles sehen. "Ich hatte Angst, immer etwas zu verpassen, weil man nie genau weiß, was wann wie passiert" erzählt der Kritiker.

Wie ein postapokalyptischer Jugendkult wirkt die Szenerie. "Eine verlorene Generation zwischen Drogen und Smartphone", beschreibt Hahn, "ein bißchen ziellos und ohne Sinn. Das hat so eine Mischung aus Beklemmung und Ehrfurcht ausgelöst bei mir".

Nackt ist niemand

Der Titel "Sex" führe ein bißchen in die Irre, meint Marten Hahn: "Man rechnet damit, dass man Erotik findet oder auch Nacktheit, aber das fand da überhaupt nicht statt. Sie interessiert sich eher für gewaltätige Aspekte." Thematisiert werde das Ineinanderübergehen von Gegensätzen und Machtverhältnissen.

(beb)

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