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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.03.2018

Serie: Wiederauferstehung (1)Pete Wolf - ein Comeback, das keines ist

Von Martin Böttcher

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Imagewechsel: Wolfgang Petry nennt sich jetzt Pete Wolf. (Na Klar! Records)
Kein Schnauzer, keine Freundschaftsarmbänder: Wolfgang Petry nennt sich jetzt Pete Wolf. (Na Klar! Records)

In unserer Fazit-Osterserie "Wiederauferstehung" stellen wir Personen und Begriffe vor, die nach einer längeren Zeit in der Versenkung plötzlich eine Renaissance erleben. Den Anfang macht Pete Wolf, bis vor kurzem bekannt als der Schlagersänger Wolfgang Petry.

Man musste ihn nicht gleich als den Jesus der Schlagermusik ansehen, aber ein paar Gemeinsamkeiten fanden sich schon: Lange braune Haare schmückten seinen Kopf, in seinen Texten fand er klare Worte, er war ein Mann des Volkes und nie wäre es ihm eingefallen, Schwächere niederzumachen. Und dann noch diese Lieder!

Wolfgang Petry, na klar. Der Mann mit den Freundschaftsbändern am Unterarm. Seit 1976 mischte Schlager-Wolle die Szene auf, am Anfang mit eher mäßigem Erfolg, in den 80ern und 90ern so erfolgreich wie kein zweiter. 2006 dann das: "Ich hab für mein Leben einfach festgelegt, in Würde abzutreten. Und die Zeit ist für mich gekommen, nach 30 Jahren, mein Weg ist hier beendet, egal, wie weh mir das tut. Ein Zurück gibt es nicht, das liegt nicht in mir drin."

Petry hört auf - aber Warum?

Eine Botschaft, die wie eine Bombe einschlug: Wolfgang Petry hört auf! "In Würde abzutreten" – das klang nicht nur nach Tod, das war es auch, zumindest für die Fans. Und wer Wolfgang Petry ein bisschen kannte, der wusste, der meint das ernst, auch das mit dem "kein zurück"!

Aber warum eigentlich? Krankheit? Burn-out? Der Wunsch nach etwas Neuem? Auf Wolfgang Petrys Youtube-Kanal steht ein jahrzehntealtes Interview. Schon damals, noch auf der Höhe seines Erfolgs, sagte er: "Ich mag das nicht. Ich kann das nicht ertragen. Diese Ehrung. Einer schlägt mir auf die Schulter. Der will mir ja nichts Böses. Aber ich kann das nicht ertragen."

Aber was macht so einer, der mal Feinmechaniker gelernt hatte, dank glücklicher Umstände zum Schlagerstar wurde und dann für viele überraschend plötzlich von der Bühne abtritt? Er macht sich rar! Keine Interviews, keine öffentlichen Auftritte, acht Jahre lang nichts zu hören und zu sehen, nicht vom Sänger Wolfgang Petry und auch nicht von der Privatperson namens Franz Hubert Wolfgang Remling.

Wiederauferstehung dauert acht Jahre

Um es noch einmal zu sagen: Wolfgang Petry ist nicht Jesus. Deshalb dauerte es bei ihm auch nicht einige Tage bis zur Wiederauferstehung, sondern acht Jahre. Da sitzt er auf einmal, genau so plötzlich, wie er verschwunden war, in einem Musikvideo am Steuer eines Pick-up-Trucks und singt gemeinsam mit seinem Sohn Achim.

Ein Comeback, mit dem keiner gerechnet hat. Ein Comeback, auf das vielleicht auch gar keiner gewartet hat. Das unterscheidet Wolle Petry nicht nur von Jesus, sondern auch von anderen berühmten Musikern, die auf einmal wieder da waren. Elvis Presley etwa, der 1968 mit seinem Comeback-Special im amerikanischen Fernsehen Rekorde brach und damit wieder auf die Bühne zurückkehrte, statt in schlechten Filmen zu spielen.

Comebacks sind natürlich nicht immer eine gute Idee. Auf jeden David Bowie, der auch mal für zehn Jahre verschwunden war und erst kurz vor seinem Tod wieder auftauchte, kommt ein Axl Rose. Über Bowies Comeback freuten sich viele, über Axl Rose und die Wiedergeburt seiner Guns N’Roses lachten die meisten – nicht nur hatte er 2008 bei der Präsentation eines neuen Albums die alten Bandmitglieder irgendwie verloren, die Musik war auch unhörbar. Zu viel Ego, zu wenig Können.

Wolfgang Petry ist tot, es lebe Pete Wolf

An Ego hat es auch Wolfgang Petry nie gemangelt. Drei Jahre nach dem Duett mit seinem Sohn hält es ihn wahrscheinlich auch deshalb nicht mehr in der Versenkung. Er kommt so richtig zurück beziehungsweise, wie es bei ernstzunehmenden Künstlern immer heißt: "er erfindet sich neu". Wolfgang Petry war jetzt wirklich tot, es lebe Pete Wolf. Ein Comeback, das keines ist.

In englischer Sprache, mit Trucker-Mütze, verblichenem Hemd, natürlich ohne Freundschaftsbänder und auch ohne Schnauzer, macht Pete Wolf auf einmal einen auf melancholischen Bluesrocker. Kein ...Wahnsinn ("Hölle, Hölle, Hölle ...")... dafür eigene Songs und Coverversionen, in denen es um das Leben und das Alt-Werden geht. Und wieder die Frage: Warum?

Vielleicht liegt es an den Millionen, die er mit seiner Schlager-Musik verdient hat und die ihm erlauben, zu machen, was er will.

Vielleicht aber geht diese Wieder- und Neugeburt viel tiefer! Pete Wolf ist eben nicht Jesus, sondern ein 66 Jahre alter Mann, dessen Zeit endlich ist. Das trubelhafte Schlagerleben mag ihm zu viel gewesen sein, aber so ganz ohne Aufmerksamkeit ist es im letzten Lebensdrittel auch nicht so schön.

So richtig viele Menschen haben sich übrigens nicht für das "Happy Man" betitelte Album von Pete Wolf interessiert, es hat sich nicht gut verkauft. Aber beim Comeback geht es ja auch nur bedingt um Erfolg. Comebacks sind meist eine Ego-Sache, hier kann sich jemand nicht mit der Bedeutungslosigkeit abfinden. Jesus natürlich ausgenommen.

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