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Lesart / Archiv | Beitrag vom 30.07.2018

Serie "Unterwegs mit Wladimir Kaminer"Russendisko mit Birkensaft

Wladimir Kaminer im Gespräch mit Kolja Unger

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer (dpa/picture alliance/Markus Scholz)
Über die Begegnung zwischen Syrern und Brandenburgern hat Wladimir Kaminer in seinem neuen Buch geschrieben. (dpa/picture alliance/Markus Scholz)

"Privat ein Russe, beruflich ein deutscher Schriftsteller": So sieht sich Wladimir Kaminer. Kolja Unger ist mit dem Bestseller-Autor durch seine Wahlheimat, den Prenzlauer Berg in Berlin, spaziert und hat über Bücher, Birkensaft und Grenzen in den Köpfen gesprochen.

Vom Mauerpark über die Schönhauser Allee bis in das Studio eines Trickfilmemachers führen die Spaziergänge, die Kolja Unger für die "Lesart" mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer in Berlin unternommen hat. Der 1967 in Moskau geborene Autor sinniert dabei über Nationalklischees anhand von russischem Birkensaft und international beliebtem Bier, singt für einen befreundeten Trickfilmemacher eine Stimme in einem Partisanenchor ein und erklärt, wie im Kultlokal "Kaffee Burger" die berühmte "Russendisko" entstehen konnte.

Alltagsbeobachtungen und unsere neuen Nachbarn

Wie in seinen Büchern zeigt sich Wladimir Kaminer auch in den Spaziergängen mit Kolja Unger als Ethnologe des Alltags, der mit viel Witz seine Zeitgenossen beobachtet. In seinem aktuellen Buch "Ausgerechnet Deutschland: Geschichten unserer neuen Nachbarn" beschäftigen ihn Flüchtlinge: "Die Begegnung zwischen Syrern und Brandenburgern – das war schon ein super Stoff für ein Buch", sagt er. Für das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen hat sich der Autor schon immer interessiert, denn in seiner Familie haben fast alle eine Fluchtgeschichte.

Kaminer selbst kam im Juli 1990 mit dem Zug nach Ostberlin – dank eines "Flüchtlingskontingentgesetzes" der DDR für Juden aus der UdSSR. Die Welt heute vergleicht der Schriftsteller mit einem Aquarium: "Sie hat keine Grenzen mehr und die globale Menschheit schwimmt darin. Aber es gibt noch jede Menge Grenzen, nicht mehr geografisch, sondern kulturell – in den Köpfen der Menschen."

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