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Fazit | Beitrag vom 04.01.2019

Serie: Frauen im Bauhaus - Gunta StölzlStreng und kreativ

Christoph Stölzl im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Gunta Stölzls Affinität für die Weberei brachten sie so weit, dass sie erst als Werkmeisterin und schließlich als Leiterin die Weberei am Bauhaus in Dessau übernahm. (imago/United Archives International)
Gunta Stölzls Affinität für die Weberei brachten sie so weit, dass sie erst als Werkmeisterin und schließlich als Leiterin die Weberei am Bauhaus in Dessau übernahm. (imago/United Archives International)

Gunta Stölzl machte für eine Frau eine erstaunliche Karriere am Bauhaus Dessau. Dann wurde sie vertrieben, floh in die Schweiz und wurde dort Unternehmerin. Ihr Neffe Christoph Stölzl erinnert sich an eine Frau mit großer Autorität.

"Die Tante war eindrucksvoll. Sie war eine große Autorität. Sie hatte eine ziemlich tiefe Stimme und konnte ironisch lachen und war sehr dahinter her, dass wir Kinder auch brav sind und etwas aus unserem Leben machen", beschreibt Christoph Stölzl, Präsident der Musikhochschule Weimar und Vorsitzender des Kreises der Freunde des Bauhauses, seine Tante Gunta Stölzl.

"Sie wäre eine große Malerin geworden"

Gunta Stölzl arbeitete zwischen 1916 und 1918 als Rotkreuzschwester. Nach einem kurzen Studienaufenthalt 1919 an der Kunstgewerbeschule München, begann sie im selben Jahr ein Studium am Staatlichen Bauhaus in Weimar. Wahrscheinlich wäre sie eine große abstrakte Malerien geworden, hätte man sie an der Akademie studieren lassen. "Sie war ein großes Talent im Umgang mit Geometrie, Farben, mit Farbdissonanzen. Sie hat das allerdings nur in den Textilien ausleben können", erklärt Stölzl.

Die Studentinnen am Bauhaus wurden fast alle in die Textilgestaltung geschickt. Dennoch habe sich Gunta Stölzl nicht nur notgedrungen mit Stoffen beschäftigt. "Es gibt Webermeister in der Familie, also irgendwie scheint es doch so ein Gen zu sein. Aber Gunta war sehr tüchtig und organisatorisch. Da wo sie hingestellt wurde, machte sie was. Sie hat ein paarmal durchgeatmet und dann gesagt: 'So jetzt nehmen wir die Sache in die Hand'", so Stölzl.

Und das tat sie durchaus erfolgreich. "Sie hat eigentlich alles selber erfunden und gebaut. Und hat etwas tolles gemacht: Sie hat gesagt 'Wenn die Männer noch so schrecklich sind, machen wir eben Frauensolidarität", so Christoph Stölzl.

Selbst ist die Frau

Gunta Stölzl baute eine Frauenklasse auf, wurde Werkmeisterin und schließlich Leiterin der Weberei am Bauhaus Dessau. Und sie war damit sehr erfolgreich: "Sie hat das gemacht, was das Bauhaus wollte. Industrielle Formgebung und Reproduktion, unzählige Sachen für die Industrie. Das hat sie alles sehr schnell geschafft", sagt Stölzl, "Sie hat ganz tolle Stoffe erfunden, die wurden erfolgreich und brachten dem Bauhaus Geld."

Geärgert hat sich Gunta Stölzl sehr über das Verdrängt werden am Bauhaus. Nachdem sie einen jüdischen Mann geheiratet hat, wurde sie in den 1930er Jahren massiv angefeindet. "Sie wurde rausgemobbt. Das war der Umschwung des Klimas, auch in Dessau. Und die Meister waren feige", so Stölzl.

In der Schweiz führte Gunta Stölzl ein Unternehmen für Teppiche und Polsterstoffe. Nach Deutschland wollte sie auch dem Krieg nicht mehr zurück.

(nh)

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