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Fazit | Beitrag vom 08.01.2019

Serie: Frauen im Bauhaus - Anni AlbersKünstlerische Selbstverwirklichung war für Frauen nicht vorgesehen

Von Claudia Wheeler

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Anni Albers in New York im Jahr 1933. (picture alliance/AP Images/uncredited)
Anni Albers in New York im Jahr 1933. (picture alliance/AP Images/uncredited)

Ursprünglich wollte Anni Albers Malerin werden. Nach anfänglicher Ablehnung entdeckte sie dann in der Webkunst ihre künstlerische Freiheit und wurde zu einer der innovativsten Textilkünstlerinnen ihrer Zeit. Erst spät bekam sie Anerkennung in Deutschland.

"Anni Albers ist sicherlich eine der berühmtesten Frauen am Bauhaus.", sagt Kunsthistorikerin und Bauhausforscherin Adriana Kapsreiter. Sie war Künstlerin und sie entwarf Muster für die Industrie. Sie war Kunstsammlerin und Hochschullehrerin. Sie hielt Vorträge und schrieb Bücher. Wenn man von einer Bauhaus-Frau sagen kann, dass sie Karriere gemacht hat, dann ist es Anni Albers.

Zuerst fühlte sie sich fehl am Platz

Kapsreiter: "Anni Albers kam eigentlich schon als halb ausgebildete Malerin ans Bauhaus. Was besonders war, weil Frauen offiziell ja nicht Malerei studieren durften. Und Anni Albers kam aus einer großbürgerlichen Familie und konnte dann Privatstunden nehmen und kam auch ans Bauhaus weil sie eigentlich malen wollte." Und so begann sie im Frühjahr 1922 mit dem Studium am Bauhaus Weimar. Kapsreiter: "Sehr viele Frauen kamen ans Bauhaus, weil sie sich dachten: Endlich 'ne Schule, die uns nicht verbietet, wirklich die großen Künste zu erlernen."

Doch wie für viele Frauen lief es auch für Anni Albers am Bauhaus anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Denn schon im dritten Semester landete sie in der "Frauenabteilung" - in der Weberei. Künstlerische Selbstverwirklichung war für Frauen nicht vorgesehen und Oskar Schlemmer soll gespottet haben: "Wo Wolle ist, ist auch ein Weib, das webt, und sei es nur zum Zeitvertreib."

Anni Albers fühlte sich am Webstuhl erstmal fehl am Platz. Sie sagte einmal: "Weben hielt ich für zu weibisch. Ich war auf der Suche nach einem richtigen Beruf. Und so fing ich ohne große Begeisterung mit dem Weben an, da ich mit dieser Wahl nun einmal am wenigsten Anstoß erregte."

October 9, 2018 - London, UK - LONDON, UK. A visitor views Rug , 1959, executed by Gloria Finn Dale. Preview of the UK s first exhibition of works by German artist Anni Albers at Tate Modern who used the ancient art of hand-weaving to produce works of modern art. Over 350 of her artworks from major collections from Europe and the US are on show 11 October to 27 January 2019. London UK PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAl94_ 20181009_zaf_l94_050 Copyright: xStephenxChungx (imago stock&people)Museumsbesucherin vor dem Werk "Rug" (Design Anni Albers; Herstellung Gloria Finn Dale) in der Tate Modern in London. (imago stock&people)

Und auch die Arbeitsbedingungen in der Frauenabteilung waren alles andere als ideal. Albers: "Es gab keinen richtigen Lehrer für Textilarbeit. Zu Beginn lernten wir überhaupt nichts. Wir saßen einfach da und haben probiert. Nach und nach begannen die Fäden meine Fantasie zu wecken."

Am Bauhaus entstanden ihre ersten typischen Arbeiten

Anni Albers nutzte diese Freiräume und integrierte ihr Können als Malerin in die Textilkunst. Am Bauhaus Weimar entstanden die ersten für sie typischen Arbeiten: großformatige Wandbehänge in strahlenden Farben, mit abstrakten Motiven, streng auf geometrische Grundformen reduziert.

"Anni Albers war sicher eine, die mit Abstand das Beste draus gemacht hat und dann es auch geschafft hat, ihre künstlerischen Ansprüche in die Weberei zu übersetzen", sagt Adriana Kapsreiter. Im Frühjahr 1925 zog das Bauhaus nach Dessau um. Mit diesem Ortswechsel änderte sich auch die Arbeitsphilosophie in der Weberei. Ging es in Weimar um reine Handwerkskunst, arbeitet man in Dessau mit der Industrie zusammen.

Kapsreiter: "Anni Albers war da total dabei und hat dann auch, es war sogar ihre Abschlussarbeit, einen Stoff entworfen, der war lichtreflektierend und schalldämmend und das war natürlich eine ganz tolle Idee von dem, was das Bauhaus wollte, die Idee von einem Multifunktionsstoff. Ein Stoff, der wirklich all diese Möglichkeiten bietet und dann aber im Muster sehr zurückhaltend ist. Während die Weimarer Teppiche sehr aufwendig waren, eben wie Bilder, waren dann die Dessauer Entwürfe auch von Annie Albers sehr zurückhaltend. Also sie waren dann wirklich Teil eines modernen Innenraums und nicht mehr so ein original Kunststück das man sich an die Wand hängen kann wie ein Bild."

Nach Bauhaus-Schließung kam die Emigration in die USA

Als das Bauhaus 1933 auf Druck der Nationalsozialisten geschlossen wurde, emigrierte Anni Albers mit ihrem Mann Josef, den sie am Bauhaus kennengelernt hatte, in die USA. Josef Albers wurde Lehrer am avantgardistischen Black Mountain College. Anni baute dort eine Werkstatt für Weberei auf und entwarf Stoffe für große Firmen. Das Ehepaar Albers importierte einen bedeutenden Teil der Bauhausidee in die USA.

Kapsreiter: "Das Black Mountain College war eine sehr erfolgreiche Institution in Amerika und Albers hat viele Textilkünstlerinnen geprägt, also ich denke, dass im gesamten Rückblick wahrscheinlich ihre Zeit im Black Mountain College bedeutender war, gerade was so Nachfolgerinnen angeht, als die Zeit im Bauhaus. Albers hatte im Black Mountain College viel mehr Möglichkeiten, dem Ganzen ihren eigenen Stempel und ihren eigenen Stil aufzuprägen als im Bauhaus, wo ja die Grundidee schon von den Männern gemacht worden war."

1949 kam dann der große Durchbruch: Anni Albers bekam als erste Textilkünstlerin überhaupt eine Einzelausstellung im MOMA. In Amerika wurde Anni Albers gefeiert. 1965 bekam sie sogar vom Jüdischen Museum New York den Auftrag, ein Denkmal für die im Holocaust ermordeten Juden zu weben. Erst 30 Jahre nach der großen MOMA-Schau bekam sie auch in Deutschland eine Einzelausstellung.

Die Ausstellung "Anni Albers" ist bis zum 27. Januar in der Londoner Tate Modern zu sehen.

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