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Breitband | Beitrag vom 06.01.2018

SendungsüberblickDas menschliche Plug-in

Außerdem: Meltdown, Spectre und die Proteste im Iran

Moderation: Vera Linß und Martin Böttcher

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Ein Schild, dass bei Feuer oder anderen Gefahren, Arbeiter auf einen Sammelpunkt hinweist. (Tom Anderson auf Flickr.com)
Die Roboter sind wir. (Tom Anderson auf Flickr.com)

Digitalisierung der Arbeitswelt heißt meist, Maschinen werden unsere Arbeit übernehmen: Roboter in Fabriken und Algorithmen das Denken. Doch tatsächlich finden sich immer mehr Menschen als Erweiterung von Software wieder.

Ein übergeordnetes Programm bestimmt die Arbeitsabläufe, der Mensch führt im Niedriglohnbereich aus. Die sogenannte Gig-Economy spielt dabei eine große Rolle. Sei es bei Essenslieferungen wie Foodora oder Deliveroo, bei denen Algorithmen die Fahrer steuern und pro zugestellter Bestellung bezahlen oder wie auf Plattformen wie Fiverr, wo Menschen für extrem wenig Lohn kreative Arbeiten anbieten. Der Auftraggeber nutzt die Arbeiter wie Software, nicht als Menschen. Man nimmt sie sich, wenn sie gebraucht werden und stößt sie genau so schnell wieder ab.

Menschen als Software-Erweiterung

Sebastian Schmieg ist bildender Künstler und hat sich mit dem Thema "humans as software extensions" beschäftigt. Auf dem Chaos Computer Kongress in Leipzig hielt er einen vielbeachteten Vortrag dazu und wird uns seine Theorie im Interview erklären. Was genau bedeutet es, wenn man Menschen als Erweiterung von Software versteht? Welche Effekte ergeben sich durch diesen Perspektivwechsel? Damit wir uns dies genauer vorstellen können, erklärt uns Matthias Finger die verschiedenen Arbeitsmodelle und Plattformen, wo Menschen zu Software-Erweiterung werden, als Plugin für ein übergeordnetes System arbeiten.

"Meltdown" und "Spectre"

Wenn Sicherheitslücken nach James Bond-Filmen klingen, dann sind sie vermutlich ziemlich ernst. Die jetzt veröffentlichten Probleme bei Computer-Prozessoren, die in fast jedem Gerät eingebaut sind, sind sogar so gravierend, dass Experten von einem der größten Lücken überhaupt sprechen. Über die Angriffsszenarien "Meltdown" und "Spectre", können sensible Daten ausgelesen werden, die im Speicher des Prozessors abgelegt werden. Es soll zwar jetzt einen Patch geben, doch dieser bremst dann wohl die Rechengeschwindigkeit der Geräte aus. Peter Welchering klärt über die Sicherheitslücken auf.

Proteste im Iran und die sozialen Netzwerke

Der Iran wird in den letzten Tagen von Protesten und Unruhen geprägt. Erst galten diese den massiv erhöhten Preisen von Lebensmitteln, doch längst richten sie sich auch gegen die Regierung. Stark erinnern die Bilder und Meldungen an den arabischen Frühling im Jahr 2010, der auch in Iran zu großen Demonstrationen und der Niederschlagung dieser durch das Regime führte.

Die damaligen Aufstände, die von Tunesien aus über ganz Nordafrika bis nach Syrien zu Umstürzen und Kriegen führten, sind zumindest in der Erzählung unweigerlich mit sozialen Medien verknüpft. Die Facebook-Revolution wurden sie auch immer wieder genannt. Wir sprechen mit der Oxford-Wissenschaftlerin Mahsa Alimardani darüber, welche Rolle die sozialen Medien und Messenger bei den jetzigen Proteste spielen und wie es überhaupt um freien, unkontrollierten Internetzugang in Iran steht.

NetzDG, Times Up und Schmidt-Glasfaser

In den Medien und Meinungen beschäftigt sich Tim Wiese mit der Diskussion um Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das bereits zu einer Speerung eines satirischen Tweets führte. Außerdem berichtet er über eine Initiative von Hollywood-Frauen als Reaktion auf #metoo und die Meldung, dass Kanzler Helmut Schmidt die Bundesrepublik schon in Glasfaser-Zeitalter führen wollte.

Redaktion: Marcus Richter und Jana Wuttke
Moderation: Vera Linß und Martin Böttcher
Nachrichten: Tim Wiese
Netzmusik: Mike Herbstreuth
Webredaktion: Jochen Dreier

Weitere Audiobeiträge:

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