Seit 17:05 Uhr Studio 9

Mittwoch, 17.07.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Studio 9 | Beitrag vom 01.04.2018

Selbstdarstellungen im WandelEin Museum für das Selfie

Von Katharina Wilhelm

Podcast abonnieren
Eine Besucherin des Ryazan Kunst Museums macht ein Selfie. (Alexander Ryumin / TASS / dpa)
Selfie mit Kunstwerk: Auch im Museum wird das Handy gezückt, wie hier, im Ryazan Kunst Museum. (Alexander Ryumin / TASS / dpa)

Ist das Selfie nur Ausdruck unserer modernen, oberflächlichen und selbstbezogenen Gesellschaft? Nein, meint Tommy Honton, Gründer des neuen Selfie-Museums in Los Angeles. Schließlich finden sich schon in der Höhlenmalerei erste Selbstbildnisse.

Handy raus, Frontkamera an und das Selfie ist geschossen. Ohne geht es fast nicht mehr. Selbstdarstellung, Ausdruck eines hemmungslosen Hedonismus oder Narzissmus? Das Selfie mache zwar irgendwie jeder. Gleichzeitig finden es viele oberflächlich. Auch dem Gründer des Selfie-Museums, Tommy Honton, ging es so. Er wollte wissen, was hinter dem Phänomen steckt.

Die Antwort, die er und sein Co-Gründer gefunden haben, ist auch eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Selbstporträt. "Wir fangen hier bei den Höhlenmalereien an, denn die sind der erste Beweis von einem Selbstbildnis. Da liegen die Wurzeln des Selfies. In der Kunst gab es dann das Selbstporträt. Von Dürer beispielsweise, Rembrandt oder Vincent van Gogh, der Dutzende gemacht hat."

An einem Zeitstrahl können Museumsbesucher und Selfie-Fans nachvollziehen, wie sich das Selbstporträt von der Malerei bis zur Fotografie weiterentwickelte. 1839 gab es das erste bekannte Foto-Selbstporträt. Das Handy steht vorerst am Ende dieser Entwicklung. "Handys haben alles geändert", sagt Museumsgründer Tommy Honton. "Auf einmal hatte man eine Kamera immer in der Tasche. " Als das erste Handy mit einer Frontkamera auf den Markt kam, sei es mit den Selfies dann richtig losgegangen.

Der Ausflug in die Selfie-Geschichte ist ein Teil des Museums. Die Macher haben auch dafür gesorgt, dass man in den Ausstellungsräumen selbst viele Selfies machen kann - und soll. Einen Selfiestick dürfe man ausdrücklich mitbringen. Für das perfekte Selfie wurden gebogene Spiegel oder schwarz-weiß Tapeten installiert. Ein Teppich mit dem Bild einer Straßenschlucht in Los Angeles kann bei geschicktem Einsatz mit dem Selfiestick ein Bild erzeugen, bei dem man glaubt, über den Wolkenkratzern zu schweben. Als besonderes Highlight wird außerdem der längste Selfiestick der Welt präsentiert.

Honton ist es wichtig, dass man Bildung mit Spaß kombiniere, eine Erfahrung schafft. Trotzdem: Das Museum wirkt eher wie ein kleiner Spaßpark für Selfie-Künstler, nicht wie eine Bildungseinrichtung.

Bleibt also nur noch die Frage: Wie schießt man das perfekte Selfie? Der Betreiber des ersten kalifornischen Selfie-Museums weiß da natürlich Bescheid: "Ganz wichtig ist der Ort - nach einem Marathonlauf oder neben einem coolen Kunstwerk zum Beispiel." Außerdem: Sorge für gutes Licht. Und Drittens: fotografiere dich von oben. "Das sieht besser aus als von unten." Na dann kann ja beim nächsten Selfie-Schießen nichts mehr schief gehen.

Mehr zum Thema

Polaroid-Ausstellung in Hamburg - Mythos Instant-Fotografie
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 16.03.2018)

Fotografin Cindy Sherman auf Instagram - Die große Sherman Selfie Show
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 09.08.2017)

Selfie von hinten - "Schau mal, wie schön mein Po ist"
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 05.05.2017)

Interview

50 Jahre MondlandungMehr Frauen ins All!
Das Foto zeigt Insa Thiele-Eich und Nicola Baumann, die auf einen Flug ins All zur ISS vorbereitet werden. Zusammen mit der Diplom-Ingenieurin Claudia Kessler stehen sie vor dem Brandenburger Tor. (dpa / picture alliance / Michael Kappeler)

Die Ingenieurin Claudia Kessler will die erste deutsche Astronautin zur ISS bringen. Die Initiative soll unter anderem bei Mädchen und jungen Frauen mehr Begeisterung für die Raumfahrt und die technischen Berufe wecken.Mehr

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur