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Studio 9 | Beitrag vom 27.07.2020

Sechs Monate Corona in DeutschlandEin halbes Jahr, das alles verändert hat

Martin Mair im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Eine junge Frau mit Schutzmaske steht am Fenster in einem Zimmer und blickt hinaus. (imago / Sven Simon)
Vor sechs Monaten wurde in Deutschland der erste Coronafall gemeldet. Was dann folgte, hat wohl kaum jemand vorausgesehen. (imago / Sven Simon)

Sechs Monate lebt Deutschland jetzt mit dem Coronavirus. Was haben wir gut gemacht? Was nicht? Was wissen wir inzwischen über das Virus und wo sind noch Fragen offen? Wissenschaftsredakteur Martin Mair zieht Bilanz.

Genau vor einem halben Jahr wurde der erste Coronafall in Deutschland bekannt. In diesem halben Jahr haben sich die Welt und unser Alltag grundlegend verändert – auch wenn Deutschland bisher vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen ist. 

Das hat für unseren Wissenschaftsredakteur Martin Mair zum einen mit dem Handeln der Politik zu tun, der er ein gutes Zeugnis ausstellt. Zum anderen aber schlicht mit Glück. Denn die tragischen Bilder aus Italien von verzweifelten Helfern und überfüllten Krankenhäusern seien für Deutschland ein "Weckruf" gewesen, das öffentliche Leben herunterzufahren. 

Ansonsten betrachtet Mair die letzten sechs Monate vor allem als eine Zeit, in der wir alle viel gelernt haben. So wurde uns zum Beispiel noch einmal vor Augen geführt, "wie globalisiert unsere Welt ist und dass das einen Preis hat", betont Mair mit Blick auf die anfänglichen Kapazitätsprobleme bei Schutzausrüstung. "Wenn wir uns daran erinnern, was das für ein Gezerre war, diese Schutzausrüstung aufzutreiben, weil wir plötzlich gemerkt haben, die wird irgendwo weit weg produziert, es gibt auch keine Vorräte in Deutschland, und plötzlich fehlt das." 

Zweifel gehören zur Wissenschaft

Auch über Wissenschaft haben wir einiges gelernt. Etwa dass auch sie nicht unbedingt Patentlösungen anzubieten hat, sondern dass zur Wissenschaft auch Zweifel und Dazulernen gehören. Offen ist zum Beispiel die Frage der Immunität: Da sehe es zwar im Moment so aus, als ob sie halte, sagt Mair. "Aber man weiß eben nicht sicher, wie lange, weil das Virus erst seit wenigen Monaten die Menschen infiziert."

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Bei der Therapie von schweren Krankheitsverläufen gebe es zwar Ansätze mit zwei, drei Wirkstoffen. Aber: "Die Studien sind nicht ganz so ermutigend, wie man sich das wünscht."

Ebenfalls eher skeptisch sieht unser Wissenschaftsredakteur die Impfstoff-Frage. Da sei noch kein Kandidat auf der Zielgeraden, und er rechne auch in diesem Jahr nicht damit.

Insofern werde uns das Coronavirus sicher auch in den nächsten Monaten beschäftigen, sagt Mair, genauso wie die Frage, wie die Gesellschaft gegen eine eventuelle zweite Infektionswelle gerüstet sei. Bedenklich findet er in diesem Zusammenhang, dass die Politik zwar "dürre Rahmenpläne" für Schulen und Kitas erarbeitet habe, aber vor Ort viele Fragen offen seien. 

Und dann stellte sich im Fall einer zweiten Welle auch die Frage, ob die Gesellschaft bereit wäre, einen erneuten Shutdown mitzutragen. "Darauf ist eine Antwort aus meiner Sicht auch offen."

(uko)

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