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Lesart / Archiv | Beitrag vom 05.02.2016

"Schwejk"-Übersetzer Antonin Brousek"Hasek hat den Dadaismus gerochen"

Antonin Brousek im Gespräch mit Joachim Scholl

Der tschechische Schriftsteller kurz vor seinem Tod in einem Sanatorium. Mit seinem satirischen Roman über "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" errang er Weltruhm. Jaroslav Hasek wurde am 24. April 1883 in Prag geboren und ist am 3. Januar 1923 in Sazavou gestorben. (picture alliance/dpa/ctk)
Der tschechische Autor Jaroslav Hasek (picture alliance/dpa/ctk)

Der Schelmenroman "Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" ist bekannt für seinen schlitzohrigen Humor. Sein geistiger Vater, der tschechische Autor Jaroslav Hasek, war ein früher Dadaist. Davon ist sein Übersetzer Antonin Brousek überzeugt.

Bei der Lektüre des "Schwejk" und der skurrilen, absurden, schwarzhumorigen Kurzgeschichten von Jaroslav Hasek drängt sich ein Gedanke förmlich auf: War Jaroslav Hasek (1883 bis 1923) ein Frühdadaist? Der Schöpfer des berühmten "braven" bzw. laut Neuübersetzung "guten Soldaten Schwejk" war jedenfalls subversiv und genug dem Nonsens zugetan, um ein Dadaist zu sein.

Erzählungen wie "Die Ausrottung der Praktikanten der Speditionsfirma Kobkán" sprächen eine deutliche Sprache, sagt der Hasek-Kenner und -Übersetzer Antonin Brousek. Auch wenn Hasek mit der "Urzelle" der Dadaisten, im Cabaret Voltaire, gar nichts zu tun hatte.

"Man weiß, dass es keine Bezüge gab. Das macht es besonders interessant. Dieser Titel mit den Praktikanten - das ist total kabarettistisch, das ist absurd, vielleicht auch dadaistisch. Ich glaube, es gab keine Bezüge, weil es die nicht geben musste, weil der Dadaismus in der Luft hing. Hasek hat einfach diesen Dadaismus gespürt, gerochen - und er hat ihn aufgegriffen." Ismen wie der Dadaismus entstünden nicht, weil sich das jemand zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgedacht habe. Sie seien schon vorher da und würden von Künstlern aufgegriffen.

Als ein besonders gutes Beispiel für Haseks dadaistische Züge nennt Brousek dessen Kandidatur für eine aus einer verrückten Laune heraus mit Freunden bereits 1911 gegründete "Partei des maßvollen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze". Die Partei trat tatsächlich zur Wahl an. Wie viele Stimmen sie erhalten habe, sei nicht verbürgt, sagt Brousek.

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