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Konzert / Archiv | Beitrag vom 26.02.2020

Schwedischer Rundfunkchor unter Justin DoyleStimmen zu Vertreibung und Flucht

Moderation: Ruth Jarre

Der Chor singt unter der Leitung des Dirigenten. (Schwedischer Rundfunkchor / Arne Hyckenberg)
Der Schwedische Rundfunkchor beim Konzert mit dem Dirigenten Justin Doyle. (Schwedischer Rundfunkchor / Arne Hyckenberg)

Flucht und Heimatlosigkeit hat der Schwedische Rundfunkchor in einem seiner jüngsten Konzerte zum Thema gemacht. Unter anderem mit Musik aus Zimbabwe und Schweden, aus Finnland, Ungarn und England, quer durch die Jahrhunderte.

Der Chefdirigent des RIAS-Kammerchors Berlin, Justin Doyle, war zu Gast beim Schwedischen Rundfunkchor. Der wird für seine Klangmixtur aus brillanter Helligkeit und Wärme gerühmt. Und wie Doyle es gern in Berlin macht, so hat er auch in Stockholm dem Konzert "Voices on persecution and flight" (deutsch: "Stimmen zu Vertreibung und Flucht") seinen dramaturgischen Stempel aufgedrückt. Durchdacht ausgewählt und angeordnet waren die Werke von William Byrd und Giacomo Carissimi, Zoltán Kodály und Veljo Tormis, Roderick Williams und Zad Moultaka sowie Michael Tippett. Auch Volksmelodien waren dabei.

Und eine Uraufführung: "Mon Ami le vent" von Zad Moultaka für Chor und Kanun, eine arabische Kastenzither, gespielt von Nabil Kassis.

Der Kanun-Spieler präsentiert sein Zitter-artiges Instrument vor dem Chor. (Schwedischer Rundfunkchor / Arne Hyckenberg)Nabil Kassis spielte Kanun beim Konzert mit dem Schwedischen Rundfunkchor. (Schwedischer Rundfunkchor / Arne Hyckenberg)

Zad Moultaka wurde 1967 im Libanon geboren. Er studierte zunächst Klavier in Beirut, bevor er zu weiteren Studien nach Paris ging. Seit nunmehr fast 20 Jahren konzentriert er sich auf das Komponieren, wobei es ihm vielfach darum geht, klassische westliche Kompositionstechniken mit Elementen arabischer Musik zu verknüpfen.

Der Komponist und Visual-Künstler lebt in Paris und Beirut. Für "Mon Ami le vent" hat er die mikrotonale Welt der Kanun verbunden mit Anklängen an die Musik Hildegard von Bingens und natürlich seiner eigenen Tonsprache – auf Texte der britischen Dichterin und Wahlpariserin Renée Vivien, einer der letzten Vertreterinnen des Symbolismus.

Aufzeichnung des Konzertes vom 25. Januar 2020 in der Maria Magdalena Kirche, Stockholm

Traditional aus Zimbabwe
"Shosholoza"

William Byrd
"Civitas sancti tui" aus: "Cantiones Sacrae"

Giacomo Carissimi
"Plorate Filii Israel" aus "Jephte"

Zad Moultaka
"Mon Ami le vent" für Soli, Chor und Kanun (UA)

Zoltán Kodály
"Doberdói dal"

Volkslied aus Schweden
Vem kan segla förutan vind

Veljo Tormis
Laulusild (Brautlied)

Nabil Kassis
Improvisation

Roderick Williams
In the Morning

Michael Tippett
Five Spirituals aus: "A Child of our Time"

Maria Demérus, Sopran
Thomas Köll, Tenor
Nabil Kassis, Kanun
Schwedischer Rundfunkchor
Leitung: Justin Doyle

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