Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie

    Neu verstrickt in die Debatte um trans Frauen

    07:03 Minuten
    Kopfportrait von Chimamanda Ngozi Adichie während der Frankfurter Buchmesse 2018. Sie trägt ein weißes Oberteil, goldene Ohrringe und die Haare zum Dutt.
    Die aus Nigeria stammende Autorin Chimamanda Ngozi Adichie ("Americanah") setzt sich für die Rechte von trans Menschen ein. Und doch bringt sie viele ihrer Fans gegen sich auf. © imago images / Sven Simon
    Mithu Sanyal im Gespräch mit Joachim Scholl · 01.07.2021
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    Mit einem Essay befeuert die weltberühmte Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie eine alte Kontroverse: Darf man trans Frauen als Frauen bezeichnen? Besser macht sie es damit aus Sicht der Autorin Mithu Sanyal nicht.
    Es ist ein verwickelter Fall, der vier Jahre zurückreicht: Damals gab die aus Nigeria stammende Schriftstellerin und Feministin Chimamanda Ngozi Adichie der BBC ein Interview. Auf die Frage, ob trans Frauen auch als Frauen zu bezeichnen seien, antwortete sie damals: "Trans Frauen sind trans Frauen." Das löste heftigen Protest unter ihrer großen Anhängerschar aus und veranlasste sie nun offenbar zu ihrem Essay mit dem Titel "Es ist obszön. Eine wahrhaftige Reflexion in drei Teilen". Dieser Text richtet sich an ihre Kritiker*innen.
    Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Sanyal zeigt Unverständnis für Adichies grundsätzliche Aussage, wonach trans Frauen zunächst als Männer privilegiert aufgewachsen und daher anders sozialisiert seien als jene, die von Anfang an eine Frau gewesen seien. "Dazu muss ich tatsächlich sagen: Meine Erfahrungen als Frau sind ja auch nicht dieselben wie die jeder anderen Frau", betont Sanyal.
    Es gehe darum, jenseits von Differenzen gemeinsame Rechte "für uns alle" zu fordern. Gleichwohl erkennt sie an, dass Adichie später ihre Aussagen differenziert und sich zu den Rechten von trans Personen bekannt habe.

    Aus Adichies Text spricht eine große Verletzung

    Den Essay nun beurteilt Sanyal zwiespältig. Adichie wende sich darin offenbar an eine nicht-binäre Person, die sie in sozialen Medien angegriffen habe. Dem Argument, wonach auch berühmte Menschen verletzlich seien, stimmt Sanyal zu. Aus dem Text spreche eine "große Verletzung". Allerdings sehe Adichie wiederum nicht, "dass sie durch ihre Äußerung eine bestimmte Verantwortung" habe. Sie hätte einfach sagen sollen, dass sie einen Fehler gemacht habe, ist Sanyal überzeugt. "Das ist doch überhaupt nicht schlimm." Nun würden "die Rechten" wieder Linken, trans Menschen und Feministinnen "Cancel Culture" vorwerfen.

    Erinnerungen an die Debatte um Joanne K. Rowling

    Der Fall erinnert an die Debatte um die "Harry-Potter"-Autorin Joanne K. Rowling, die sich ebenfalls zur Genderfrage geäußert hatte und daraufhin als rechtslastige Transfeindin etikettiert wurde. Dieser Fall sei aber etwas komplexer, sagt Sanyal. Adichie habe sich damals an Rowlings Seite gestellt. Aber sie sei "definitiv nicht der Feind", unterstreicht Sanyal. "Ich stimme trotzdem nicht mit ihr überein."
    (bth)
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