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Literatur | Beitrag vom 28.02.2021

Schriftsteller, die gehenIch ist ein Wanderer

Von Gaby Hartel

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Peter Handke beim Spaziergang auf der Insel Lido, Venedig 1982. (imago images / Andrea Merola)
Für viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller ein Bewusstseinstraining: Peter Handke beim Spaziergang am Strand von Lido von Venedig 1982. (imago images / Andrea Merola)

Das Gehen dient ihnen als Schmiermittel des Denkens oder auch als Schleichpfad zur Selbstfindung. Ob Tomas Espedal, Peter Handke, Virginia Woolf oder Samuel Beckett – sie alle berichten, dass die Bewegung zu Fuß entscheidend ist für ihr Schreiben.

Schon immer haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller das Gehen als Möglichkeit genutzt, ihren Horizont zu erweitern. Die maßvolle Fortbewegung in Natur und Stadt diente ihnen auch als Bewusstseinstraining, Schmiermittel des Denkens oder Schleichpfad zur Selbstfindung.

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Die Bewegung einer Schriftstellerin oder eines Schriftstellers zu Fuß, auch als Fernreisen noch unbegrenzt möglich waren, ist entscheidend für das Schreiben. Denn Denken und Gehen hängen eng zusammen. Der Grund, warum die spazierenden Schriftstellerinnen und Schriftsteller sich auf den Weg machen, ist so vielseitig wie ihre Persönlichkeiten selbst.

Grenzenlose Neugier

Oft ist bei ihnen eine physische Lust und Dringlichkeit im Spiel, die geradezu an Sucht grenzt. Wo sie doch sonst nur am Schreibtisch sitzen. Was für viele Nichtschreibende das Fitnessstudio ist, wird ihnen die Wanderung. Und das Gehen zeigt sich nicht nur motivisch, sondern auch strukturell in ihrem Schreiben. Der motorische Akt des Gehens fällt zusammen mit dem des Schreibens – aber auch mit dem der Unangepasstheit, der Freiheitsliebe und einer grenzenlosen Neugier auf die Welt. Ob Tomas Espedal, Iain Sinclair, Peter Handke, Virginia Woolf oder Samuel Beckett – sie alle berichten, dass die Bewegung zu Fuß entscheidend ist für ihr Schreiben.

Denn multisensorische Erfahrungen dringen dabei ins Ich, das in seinen Konturen beim Laufen nicht ganz festgelegt ist. Es erlebt die angenehme Verwirrung des Zeit- und Ortsgefühls – beim Schreiben genauso wie beim langen Wandern. "Dem ideal Müden wird Phantasie", schreibt Peter Handke. Und die Müdigkeit nach dem Laufen an der Luft ist allemal schöner als die nach der hundertsten Netflix-Staffel auf dem in Coronazeiten durchgelegenen Sofa.

(huk)

"Ich ist ein Wanderer"
Über Schriftsteller, die gehen
Von Gaby Hartel
 
Es sprachen: Frank Arnold, Simone Kabst, Barbara Schnitzler und Jan
Uplegger.
Regie:            Beatrix Ackers
Ton:               Andreas Narr                                
Redaktion:    Sigried Wesener

Eine Wiederholung der Sendung vom 7. September 2014.

Das Manuskript können Sie hier herunterladen.

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