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Das Blaue Sofa | Beitrag vom 14.10.2018

Schriftsteller Aka Morchiladze"Die Kugeln flogen um mich herum wie betrunkene Spatzen"

Aka Morchiladze im Gespräch mit Jörg Plath

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Aka Morchiladze sitzt auf einem Sofa und hört dem Moderator zu (Jelina Berzkalns)
Der Schriftsteller Aka Morchiladze zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2018 (Jelina Berzkalns)

Aka Morchiladze ist einer der bekanntesten georgischen Schriftsteller. Auf der Frankfurter Buchmesse 2018 haben wir mit ihm über seine Arbeit und die georgische Literatur gesprochen.

Aka Morchiladze ist einer der bekanntesten georgischen Schriftsteller. Er ist 1966 in Tiflis geboren worden. Er hat mehr als 20 Bücher, die meisten davon Romane, veröffentlicht.

Seit geraumer Zeit lebt er in London, wo er auch viele seiner Romane geschrieben hat. Nachdem sich die Lage in seinem Heimatland nach den Auseinandersetzungen insbesondere der 90er-Jahre mittlerweile wieder beruhigt hat, ist er allerdings wieder häufiger in Georgien anzutreffen, erklärte er im Deutschlandfunk Kultur.

Sein Debüt erschien noch in Kriegszeiten

Mit seinem ersten Roman "Reise nach Karabach" schrieb Morchiladze 1992 den Roman zur Stunde in seinem Land: Das rasant erzählte Buch ist mitten in den Wirren nach dem Zusammenbruch des Ostblocks angesiedelt und handelt von zwei Männern, die in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Nachbarland Aserbaidschan verwickelt werden. Das Buch erschien in Georgien noch vor dem Ende dieses Krieges - also in direkter Tuchfühlung zu diesen Ereignissen.

Wie geht das? "Ein Buch zu verlegen dauert nicht lange", sagte Morchiladze dazu. Zumindest für damals, 1992, war dies der Fall. "Das Buch wurde halb von mir selber veröffentlicht", obwohl in das Schreiben immer mehr interessiert hat als das Verlegen. "Es war aber Kriegszeit und kein Verlag wollte es verlegen, dann wurde es im Verlag einer psychiatrischen Anstalt gedruckt. Die veröffentlichten das als Teil einer Arbeitstherapie, ein Freund von mir hatte das angestoßen und so wurde das dann publiziert."

Der Luxus, schreiben zu können, was man will

Es war eine bewegte, turbulente Zeit: "Ich saß damals zwei Monate konstant an der Schreibmaschine, dann habe ich es zu dieser psychiatrischen Anstalt gebracht. Und die haben dann tatsächlich sogar Geld damit verdient."

Er selber sah allerdings wenig davon, sagte er. "Wir sind ja ein kleines Land, da kann man nicht viel verkaufen. 2000, 3000 Kopien vielleicht, die internationalen Abverkäufe waren natürlich höher. Wir sind ein kleines Land, wir haben den Luxus, dass wir schreiben können, was wir wollen: Der Markt drückt uns nicht in die eine oder andere Richtung."

Mit Galgenhumor durch den Krieg

Aber einen Roman schreiben, während rings um einen herum Krieg herrscht und die Infrastruktur zusammenbricht - Wie konnte das gelingen?  "Das war eben das Leben, das wir lebten. Trotz dieser Schießereien. Einen Satz konnte ich nicht vergessen konnte: 'Die Kugeln flogen um mich herum wie betrunkene Spatzen.'

Das Land war in diesem Jahrhundert ja immer in Kriege verwickelt. Stabilität gab es selten." Das begünstigte, dass die Leute einen gewissen Humor entwickelten. "Heute kann ich mir das gar nicht mehr anders vorstellen als als Albtraum - Freunde, Verwandte gehen in den Krieg, die meisten kommen nicht zurück. Trotz dieser Dunkelheit - wir hatten noch nicht mal Elektrizität, wir lebten mit Kerzen - hat das jetzt in der Erinnerung etwas Romantisches, auch weil das jetzt schon so lange her ist. Obwohl da wirklich schreckliche Dinge passiert sind."

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