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Lesart / Archiv | Beitrag vom 24.09.2014

SchreibschulenRomane aus dem Baukasten

Helmut Böttiger über aktuelle Akademie-Prosa

Moderation: Frank Meyer

Eine Frau schreibt ihre Gedanken und Gefühle in einen Schreibblock. (picture-alliance/ dpa -  Kai-Uwe Heinrich)
Viel geschrieben, aber nix zu sagen: Literaten von Akademien fehlt es oft an Lebenserfahrung, meint Helmut Böttiger. (picture-alliance/ dpa - Kai-Uwe Heinrich)

Der Literaturkritiker Helmut Böttiger beklagt, dass viele junge Schriftsteller aus ähnlichen Milieus stammen. Ihre Werke seien häufig auch stilistisch und thematisch austauschbar.

Die Schreibschulen hätten oft eine besondere Technik vermittelt, bei der junge Autoren in einfachen Sätzen vieles wegließen und sich nicht in riskante Nebensatzschleifen verlören, sagte der Literaturkritiker Helmut Böttiger. 

"Da kann man am wenigsten falsch machen und im besten Fall erzielt man eine gewisse Suggestion."

Als Beispiel nannte er die Schriftstellerin Judith Hermann, die damit 1998 einen großen Effekt erzielt habe.

"Weglassen und dadurch eine Sogwirkung erzielen." 

Mode der "Coming-of-Age-Geschichten"

Auf diesen Stil reagiere er als Literaturkritiker langsam allergisch, sagte Böttiger. Diese Mode habe sich etwas verselbständigt. In den Nuller Jahren sei Hermann dafür stilbildend gewesen und habe eine Inflation nach sich gezogen. Es falle außerdem auf, dass die meisten jungen Autoren sich thematisch mit dem Elternhaus, den Geschwistern und der ersten Liebe auseinandersetzten. In den letzten Jahren sei ein Modewort aufgetaucht: "Es ist eine Coming of Age Geschichte". Das habe man in Deutschland vor 20 Jahren noch nicht gekannt. Heute sei das eine eigene Gattung von Leuten, die über diese Erfahrungen schrieben.

"Das ist dann doch über weite Strecken austauschbar." 

Böttiger sagte, er habe deshalb die literarische Debatte über die ähnlichen Biographien junger Schriftsteller relativ interessant gefunden.

"Es gibt so eine nivellierte soziale Schicht, die sich mit Kultur beschäftigt, wo das irgendwie zum Selbstbild gehört."

Das seien bürgerliche Schichten, die aus relativ gesicherten Elternhäusern kämen. Deren Managerhaftigkeit sei eine bürgerliche Attitüde.  

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