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Profil / Archiv | Beitrag vom 16.12.2013

SchmuckGold, das wirklich glänzt

Der Hamburger Goldschmied Jan Spille schafft faire Schmuck-Kunst

Von Claas Christophersen und Norbert Zeeb

Ein Arbeiter schöpft in Ghana mit einer kleinen Schüssel Gold. (picture alliance / dpa /  Jens Kalaene)
Goldschöpfen ist in Afrika oftmals noch Handarbeit. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Der Hamburger Goldschmied Jan Spille verarbeitet nur Recycling-Gold oder Edelmetall, das aus ökologisch und sozial gerechten Produktionsbedingungen stammt. An dem blinden Goldrausch, der katastrophale Folgen für Minenarbeiter und die Umwelt hat, will er sich nicht beteiligen. Immer wieder macht der Schmuck-Künstler seine Berufskollegen und die Öffentlichkeit auf die Probleme des konventionellen Goldbergbaus aufmerksam - mit Vorträgen, Ausstellungen und manchmal auch mit seinen Werken.

"Das ist jetzt Gold…"

"Ich meine, ganz viel in der Gesellschaft funktioniert halt über Identitäten und dann auch ganz viel über kollektive Identitäten, ja? Und Gruppenzugehörigkeit, oder vermeintlich werden sie ja ganz häufig über persönliche Identitäten wahrgenommen, das drücke ich halt über ganz viel aus, über das, was ich esse, wie ich mobil bin, ob ich ein Auto fahre, ob ich ein Fahrrad fahre, ob ich mit dem Flugzeug fliege oder gerade nicht oder eben auch über die Kleidung, und Schmuck ist halt Teil der Kleidung."

Jan Spille steht in seiner Werkstatt und lässt so genannte Grenaillen - das sind winzige Gold-Kügelchen - in die Schale einer Waage rieseln. Er weiß genau, was er mit seiner Arbeit bewirkt - nicht nur bei seinen Kunden. Für ihn kommt es eben auch darauf an, aus welchen Quellen sein wertvoller Werkstoff stammt:

"Wir haben zwei Herkunfts-Konzepte, nämlich einmal Fair-Trade-Gold zu verarbeiten aus ökologisch-sozial gerechtem Bergbau und als Alternative dazu Recycling.-Gold. Das Eine ist halt, Menschen in anderen Ländern zu unterstützen und, ja, eine ökologisch-sozial gerechte Entwicklung im Bergbau mit zu initiieren hoffentlich, im besten Fall. Und als Alternative: zu sagen, wenn wir Recycling-Material verarbeiten, dass dadurch Goldbergbau vermieden wird. Es gibt schon sehr viel Gold, das könnte man restlos zu Schmuck verarbeiten, dann könnten wir uns Bergbau wahrscheinlich insgesamt sparen. Das ist die Idee hinter dem Recycling-Gold.

Bei uns werden Ringe in allererster Linie erst mal geschmolzen. Das heißt, wir bauen Wachsformen, von diesen Wachsformen nehmen wir Hohlformen, und in diese Hohlformen gießen wir flüssige Metalle."

Quecksilder beimengen mit bloßen Händen

Der Goldpreis ist im letzten Jahrzehnt geradezu explodiert. Deswegen steigt der Abbau des Edelmetalls, vorrangig in Schwellen- und Entwicklungsländern. Doch die Folgen sind katastrophal, sagt Jan Spille - einerseits in den Fördergebieten der großen Rohstoffkonzerne:

"Was übrig bleibt, sind Mondlandschaften und große Abraumhalden. Mittlerweile ist es wirtschaftlich, aus mehr als einer Tonne Gestein weniger als ein Gramm Gold zu extrahieren."

Andererseits gewinnen Kleinschürfer zum Beispiel im Amazonas-Gebiet Gold mit Hilfe von erhitztem Quecksilber:

"Es ist tatsächlich so, dass, wenn sie dieses Quecksilber beimengen, dass sie das tatsächlich mit bloßen Händen tun. Und ich kann mich erinnern, früher ist bei uns zu Hause mal ein Quecksilber-Thermometer in der Küche runtergefallen, Fliesen-Fußboden, und meine Mutter hat da beinahe den Kampfmittel-Räumdienst gerufen, ja? Weil das jetzt eine ganz, ganz schlimme Geschichte ist, und das machen die tagtäglich mit ganz, ganz anderen Mengen."

Auf einem solchen Goldmarkt will Jan Spille kein Rädchen im Getriebe sein. Wenn er mit neu gewonnenem Gold arbeitet, bezieht er es von zwei kleinen Kooperativen in Lateinamerika. Ohne jeden Chemikalien-Einsatz sieben dort die Arbeiter das Edelmetall aus Flüssen beziehungsweise Flussbetten. Wenn sie das Gold an Jan Spille verkaufen, bekommen sie dafür 110 Prozent des Weltmarktpreises.

Das bedeutet letztlich aber auch, dass Schmuckinteressierte bei dem Hamburger Goldschmied etwas tiefer in die Tasche greifen müssen als beim gewöhnlichen Juwelier um die Ecke.

"Nachdem wir das Ganze gegossen haben, werden die Ringe auf einem Ringriegel weitergetrieben. Durch das Weitertreiben findet eine Verdichtung des Materials statt, und wir können zusätzliche Härtegrade gewinnen."

Ringe als Brotjob

Jan Spille sieht aus wie ein typischer Bewohner des Hamburger Szene-Stadtteils Ottensen, in dem er sich niedergelassen hat: schwarzer Kapuzenpulli, lässig zur Stirnmitte hochgekämmte Haare. Seit acht Jahren ist er auf dem Schmuckmarkt - hauptsächlich mit Trau-, aber auch Siegelringen aus Recycling- und "Fair Trade"-Gold, wie er es nennt. Mittlerweile ist er sogar Chef von zwei Mitarbeiterinnen, doch auch in dieser Hinsicht will er fair sein. Wenn er von der Arbeit in seinem Atelier erzählt, sagt er fast immer "Wir". Schließlich seien hier alle gleichberechtigt an der Schmuck-Herstellung beteiligt:

"Das ist jetzt eine unserer Vitrinen. Unsere Kollektionen haben sich in den letzten Jahren sehr auf Trauringe konzentriert. In dieser Vitrine zum Beispiel haben wir hier neben den ganz normalen ovalen Querschnitten, die tatsächlich sehr häufig nachgefragt werden, ein sehr außergewöhnliches Ring-Modell. Das ist das so genannte Knetring-Modell. Die Paare kneten sich die Ringe gegenseitig selber, wir kriegen die fertigen Wachsmodelle dann hier angeliefert von den Kunden und gießen die dann in 585er- oder 750er-Gold."

Ringe sind der Brotjob des 38-Jährigen, aber doch noch nicht alles. Von seiner Werkbank holt Jan Spille einen Anhänger, der es wahrlich in sich hat:

"Dies ist eine Handgranate."

... 2008 entstanden während des Schmuck-Design-Studiums, das der Goldschmied in Pforzheim absolvierte. Unter dem goldenen Sprengkopf hat Spille ein Glasflacon montiert:

"Dieser Glasbehälter ist aufgefüllt mit Golderz. Und dieses Gold habe ich mit Cyanid und Wasser vermengt, und das ist genau diese Lösung, die auftritt, wenn im Großbergbau diese großen Mengen an Gestein zermahlen werden, um dann das Gold mit Hilfe von Cyanid und Wasser aus dem Gestein herauszuwaschen."

Die Professoren in Pforzheim ließen Spille nur unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen an seinem Kunstwerk arbeiten. Denn nur ein Gramm der im Goldbergbau routinemäßig verwendeten Chemikalie genügt, um einen Menschen zu töten.

"Und die Idee hinter dieser Arbeit war, den Menschen quasi wieder das um den Hals zu hängen, was sie immer gerne vergessen, wenn sie Schmuckstücke tragen, weil ich als Goldschmied oder auch jeder Kunde als Träger von Schmuck ist ja Teil der Geschichte um Bergbau."

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