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Fazit | Beitrag vom 16.06.2020

Schließungen durch LockdownDeutsche Museen erleiden dramatischen finanziellen Einbruch

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Die Alte Nationalgalerie in Berlin (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)
Allein die Staatlichen Museen zu Berlin verzeichnen monatlich Einnahmedefizite von rund zwei Millionen Euro, sagt Nikolaus Bernau. (dpa / picture alliance / Britta Pedersen)

Nach ersten Wiedereröffnungen zeigt sich, wie Museen die Coronakrise finanziell verkraften. Es gebe immense Verluste, berichtet Nikolas Bernau - ein neuer Museennotfallfonds sei dringend nötig, um endgültige Schließungen zu verhindern.

Die Einnahmeverluste der Museen gingen nach faktischen eineinhalb Monaten Schließung bereits jetzt in die Millionenhöhe, sagt der Kulturjournalist Nikolaus Bernau. Er hat Museen in Berlin, Hamburg, Stuttgart, Dresden, Weimar und auch an kleineren Standorten zur Situation befragt.

Viele Institutionen versuchten derzeit einen Überblick zu kriegen. Doch schon jetzt könne man eindeutig sehen, dass die Verluste immens sind "und zwar wirklich auf allen Einnahmefronten."

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So habe das Stuttgarter Linden-Museum - das große Ethnologische Museum - bereits jetzt ein Minus von 300.000 Euro zu verzeichnen. Die Klassik Stiftung Weimar rechne mit mindestens 1,5 Millionen Euro Minus, sagt Bernau: "Obwohl bereits alle Häuser relativ früh wieder geöffnet wurden. Aber es gibt dort eben auch große Zugangsbeschränkungen." Die Hamburger Kunsthalle gebe eine Million Euro Minus an, die Dresdner Museen rund 1,5 Millionen.

Nothilfefonds reicht nicht

Wie es mit der Finanzierung der Museen weitergehen soll, sei bisher unklar - noch verhandelten viele Museen auf Bundes- und Ländereben, so Bernau:

"Was ganz klar ist, dass der Nothilfefonds, der Mitte April von Kulturstaatsministerin Monika Grütters in die Gänge gebracht wurde, mit diesen 10 Millionen Euro überhaupt nicht reichen wird. Auf die Dauer braucht man viel, viel mehr Geld. Das Problem ist, dass die Museen ja ganz dringend diese Einnahmen benötigen."

Weil die großen Institutionen seit den 1990er Jahren nicht mehr vollständig staatlich finanziert würden, seien sie nun besonders abhängig von den Zusatzeinnahmen durch Eintrittsgelder und auch die Verkäufe in den Shops, verdeutlicht Bernau.

Touristen bleiben noch lange aus

Diese Abhängigkeit könne man in Berlins Staatlichen Museen sehen, wo 80 Prozent der Besucher Touristen sind. "Die haben inzwischen nach Angaben von Präsident Hermann Parzinger pro Monat 2 Millionen Euro Miese. Das ist das große Problem, dass die Museen viel zu sehr auf den Tourismus gesetzt haben und jetzt genau darunter leiden. Der Tourismus ist nicht mehr da, und er wird auch nicht so schnell wieder kommen. Das heißt, sie müssen vollkommen neue Wege finden, um sich zu finanzieren."

(mle)

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