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Tonart | Beitrag vom 09.09.2016

Schließung des Londoner Clubs Fabric"Die Musealisierung Londons schreitet voran"

Robert Rotifer im Gespräch mit Carsten Rochow

Der Londoner Technoclub Fabric (imago stock&people/ i Images)
Seine Türen wird der Londoner Technoclub Fabric nicht mehr öffnen - zumindest nicht an seinem bisherigen Standort im Londoner Osten. (imago stock&people/ i Images)

Londons legendärer Technoclub Fabric muss wegen Drogenproblemen seine Pforten schließen. Die boomende Immobilienbranche verdränge die Clubs in die Außenbezirke, kritisiert der Musiker und Journalist Robert Rotifer. Für London als Nachtleben-Metropole sei das ein existenzielles Problem.

Die zwei Drogentoten im Fabric waren wohl nur ein willkommener Anlass: Der berühmteste Londoner Technoclub muss nach vielen legendären Jahren schließen. Auch gegen den Willen des neuen Bürgermeisters Sadiq Kahn.

Dieser zeigte sich "enttäuscht", dass es dem Fabric, dem Gemeinderat und der Polizei nicht gelungen sei, eine gemeinsame Lösung zu finden. Londons Clubs seien "ein wesentlicher Teil" der städtischen Kultur. 

Das Nachtleben sei halt schädlich fürs Geschäft, kommentiert der Musiker und Journalist Robert Rotifer die Entwicklung.

Die Verdrängung ziehe immer weitere Kreise, zahlreiche auch weniger prominente Clubs und Livemusik-Spielstätten seien betroffen. 

"Da geht schon viel verloren"

Die Entwicklung hat schon mehrere Zyklen durchgemacht, sagte Rotifer im Deutschlandradio Kultur. "In den 60er-Jahren war es West-London, das ja mittlerweile wirklich nur noch ein Reservat für die Superreichen ist." 

Der Club Fabric stehe eher am Ende der Entwicklung, denn er liegt im Osten der Stadt, wo vor rund 20 Jahren gar nichts los gewesen sei. 

Rotifer: "Direkt gegenüber von Fabric soll übrigens das neue Quartier des Museum of London Einzug halten. Und das ist eine ganz schöne Metapher. Weil diese Musealisierung von London, also diese Umwandlung in einen Themenpark von dem, was es einmal war, das könnte man symbolisch gar nicht besser darstellen, als dass das Museum of London dorthin kommt, wo früher einmal Fabric war."

Das Nachtleben werde in Außenbezirke verdrängt und sei damit immer weiter verstreut. Eine Metropole zeichne sich aber dadurch aus, dass das Nachtleben zu Fuß erforschbar sei. "Da geht schon viel verloren." London als Zentrum des Nachlebens habe mittlerweile ein existenzielles Problem. 

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