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Sonntagmorgen | Beitrag vom 25.12.2017

SchenkenNicht nur zur Weihnachtszeit

von Olga Hochweis

H.l Nikolaus von Myra Ikone von 1327 (imago)
Verschenkte sein Vermögen an die Armen: Nikolaus von Myrna - der heilige Nikolaus. (imago)

Es ist eine komplexe Wechselbeziehung aus Geben und Nehmen: Das passende Geschenk – mit Herz und Einfühlungsvermögen ausgesucht – kann seinen Empfänger tief berühren und als warme Erinnerung und Dankbarkeit nachhallen. Eine lieblose Gabe dagegen lässt sich bisweilen auch als Kränkung empfinden.

Schenken bedeutet Wertschätzung. In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts hat Nikolaus von Myra, der heilige Nikolaus, seine Wertschätzung den Armen gegenüber gezeigt, als er sein gesamtes Vermögen an sie verteilte. Längst ist es gute Tradition, speziell zur Weihnachtszeit für Menschen zu spenden, denen es nicht so gut geht.

Auch wer alles hat, kann noch überrascht werden

Wer selbst in Wohlstand und Sicherheit lebt, kann sich umgekehrt vielleicht noch mehr über Geschenke freuen, die unerwartet und unbezahlbar sind – ein Überraschungsbesuch, ein gemeinsamer Spaziergang, ein langer (handgeschriebener) Brief. Solcherlei Aufmerksamkeiten erfreuen ganzjährig, jenseits von Einkaufsstress und überfüllten Kaufhäusern in der Adventszeit.

Die vielbeklagte Reduzierung des Schenkens auf den reinen Warenaustausch ist keine Erfindung unserer Zeit. Theodor W. Adorno machte sich dazu schon vor vielen Jahrzehnten Gedanken. Er schrieb im 21. Aphorismus von "Minima Moralia":

"Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: Das Gegenteil von Vergeßlichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr fähig. Günstigenfalls schenken sie, was sie sich selber wünschten, nur ein paar Nuancen schlechter. Der Verfall des Schenkens spiegelt sich in der peinlichen Erfindung der Geschenkartikel, die bereits darauf angelegt sind, daß man nicht weiß, was man schenken soll, weil man es eigentlich gar nicht will. Diese Waren sind beziehungslos wie ihre Käufer."

Freude am bewussten Schenken

Man darf auch heute anderer Meinung sein. Gerade in einer materiell übersättigten Gesellschaft gibt es auch gegenteilige Trends: Freude am bewussten Schenken und viele kleine und gute Ideen. Wer statt viel Geld lieber einige Zeit und Gedanken investiert, der wird besonders häufig belohnt mit leuchtenden Augen. Und fühlt sich damit vielleicht selbst am meisten beschenkt.

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Musikalische Histörchen

Jürgen Roland gehörte zu den wichtigsten Filmregisseuren der deutschen Nachkriegszeit im Genre "Krimi". Seine TV-Serie "Der Polizeibericht meldet…" machte den Anfang. Zum Straßenfeger wurde ab 1958 die Serie "Stahlnetz", die auf realen Begebenheiten basierte. Mit "Dem Täter auf der Spur" führte er so manchen – quiztechnisch – auf die falsche Fährte. Jürgen Roland war Zeit seines Lebens überzeugter Hamburger – in der Stadt an der Elbe wurde er 1925 geboren und hier starb er im September 2007 im Alter von 81 Jahren. Und wie es sich gehört ist sein Grab auf dem Friedhof Ohlsdorf zu finden. Die Serie "Großstadtrevier" gehört seit 1986 zum festen Bestandteil des ARD-Vorabendprogamms.

Rätsel 1 - Dichter?

Lösung: Joachim Ringelnatz

Rätsel 2 - Abschied?

Lösung: Einstellung der Küstenfunkstelle "Norddeich Radio"

Rätsel 3 - Filmmusik?

Lösung: Der kleine Lord

Rätsel 4 - Schriftstellerin?

Lösung: Marieluise Fleißer

Rätsel 5 - Wie nennt man den 2. Feiertag? 

Lösung: Boxing Day

Das "Feiertagsmorgen"-Team erreichen Sie per E-Mail: feiertagsmorgen@deutschlandfunkkultur.de.
Oder per Post: Deutschlandfunk Kultur, Hans-Rosenthal-Platz, 10825 Berlin;
Stichwort: Sonntagmorgen

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