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Tonart | Beitrag vom 23.07.2020

Schauspielerin Sandra HüllerIntime Lieder, spartanisch inszeniert

Sandra Hüller im Gespräch mit Oliver Schwesig

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Schauspielerin Sandra Hüller mit kurzen Haaren, schaut bei der Pressekonferenz der Internationalen Jury anlässlich der 69. Internationalen Filmfestspiele in die Kamera. Im Hintergrund das Berlinale Logo, ein goldener Bär. (imago / snapshot-photography /  F.Boillot)
Wagt einen Ausflug in die Musik: "Ja, ich bin eine Schauspielerin, die jetzt ein Album rausgebracht hat“, sagt Sandra Hüller. (imago / snapshot-photography / F.Boillot)

Die Schauspielerin Sandra Hüller hat eine EP mit dem Titel "Be Your Own Prince" veröffentlicht. Der Star aus "Toni Erdmann" sagt, es sei höchste Eisenbahn gewesen, diese Songs zu veröffentlichen – sonst wären sie weiter in der Schublade verrottet.

Dreimal wurde sie von der Zeitschrift "Theater heute" zur Schauspielerin des Jahres gekürt. Mit ihrer Hauptrolle in dem Oscar-nominierten "Toni Erdmann" steigerte sie ihre Bekanntheit weiter. Nun hat Sandra Hüller eine Platte aufgenommen: Eine EP mit dem Titel "Be Your Own Prince" – auf der sieben Songs zu hören sind.

Vorbehalte gegen singende Schauspieler

Konfrontiert mit den Vorbehalten bei Musikredakteuren und anderen Menschen, wenn eine Schauspielerin auch singt, sagt Hüller, sie habe darüber nachgedacht und gar überlegt, es nicht zu machen: Solche Zuschreibungen seien schnell passiert, so die 42-Jährige, und man übernehme sie ja sogar.

Sie habe sich dann aber doch entschieden, die EP zu produzieren und gehöre nun eben zu den singenden Schauspielerinnen: "De facto bin ich das. Ja, ich bin eine Schauspielerin, die jetzt ein Album rausgebracht hat." Das bedeute aber nicht, dass sie "eine astreine Musikkarriere" anstrebe, "sondern ich habe das jetzt mal ausprobiert, weil es viele Lieder gab, die über Jahre hinweg bei mir in der Schublade verrottet sind." Jetzt sei es höchste Eisenbahn gewesen, diese Songs zu veröffentlichen.

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Moderator Oliver Schwesig sagt zum Ergebnis, er könne diese singende Schauspielerin ruhigen Gewissens ans Herz legen. Er höre auf "Be Your Own Prince" traumartigen Folk, mal elektronisch, mal poppig angefärbt. Er fühle sich ein bisschen an Björk und an Kate Bush erinnert. "Die Songs haben auch etwas sehr Intimes", findet Schwesig, "weil sie eben sehr spartanisch inszeniert werden."

Damit, dass Schwesig vor allem 80er-Jahre raushört, ist Hüller aber nicht einverstanden. Natürlich sei sie in den 80er-Jahren groß geworden. "Das kriegt man wahrscheinlich nicht mehr so richtig raus", sagt sie. "Ich finde aber ehrlich, das geht auch darüber hinaus. Die Bläser, die drin sind, kommen, glaube ich, von einer ganz anderen Ecke."

Heraus aus dem Privatbereich

Sie würde Musik nicht als künstlerisches Ventil bezeichnen, sagt Sandra Hüller, diese Seite existiere aber: "Und dann dachte ich irgendwann, das ist ja auch irgendwie verlogen, so zu tun, als gäbe es das nicht. Und dann dachte ich, bin ich lieber ehrlich." Bisher habe Musik nur in ihrem Privatbereich eine Rolle gespielt, und jetzt sei dieser Bereich in die Öffentlichkeit gerückt.

Die Strukturen der Songs, Melodie und Text, seien in ganz rudimentärer Form von ihr, erklärt die Schauspielerin. "Das war alles meine Stimme oder eine Kalimba oder eine verstimmte Gitarre." Dass die Stücke den Sound, wie er auf der Platte ist, bekommen haben, sei der Verdienst von Daniel Freitag, dem Produzenten, der auch ein Freund sei, betont Sandra Hüller. "Der hat das in eine Form gebracht hat, wo es nicht mehr ganz so intim ist, wie es vorher war – wo man das auch hören kann, wenn man nicht mit mir befreundet ist."

"Wenn ich's nicht sofort aufnehme, ist es dann auch weg"

Sie habe die Songs an der Kalimba geschrieben, die aus der Not heraus zu ihrem Instrument geworden sei – die erste habe sie in Hamburg auf Sankt Georg gekauft. "Ich habe sie in die Hand genommen und dachte: So, das ist wahrscheinlich mein Instrument – also wenn man gar nichts kann, dann kriegt man das noch hin."

Und dann habe die Kalimba ihr lange gedient, auch die Stücke der EP seien auf ihr entstanden. Text und Musik gleichzeitig, in erster Linie, weil es nicht anders gehe und weil sie keine Noten notieren könne, erzählt sie: "Also, wenn ich's nicht sofort aufnehme, ist es dann auch weg."

(mfu)

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