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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 14.07.2017

Schauspielerin Natja BrunckhorstDie Frau, die als Christiane F. berühmt wurde

Moderation: Britta Bürger

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Natja Brunckhorst, die Schauspielerin zu Gast in der ZDF-Sendung M.Lanz am 11.12.2013 in Hamburg. (imago stock&people)
Wäre der Film nicht gewesen, hätte sie vermutlich Mathematik studiert: die Schauspielerin Natja Brunckhorst. (imago stock&people)

Die Schauspielerin Natja Brunckhorst ist als 13-Jährige weltberühmt geworden. Als Christiane F. im Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" spielte sie eine West-Berliner Jugendliche, die ins Drogenmilieu abrutscht. Heute entwickelt sie eigene Filme.

"Wenn es unbedingt sein muss" sagt Natja Brunckhorst, als sie 1979 auf dem Schulhof gefragt wird, ob sie sich ein Casting beim Film vorstellen könne. So wird aus dem13-jährigen Mädchen aus Berlin-Zehlendorf die heroinsüchtige Christiane F. im Film "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo."

Natja Brunckhorst in ihrer Rolle als Christiane F.  (imago/United Archives)Natja Brunckhorst in ihrer Rolle als Christiane F. (imago/United Archives)

"Mit 13 waren Drogen für mich nicht das Thema. Aber das Spielen der Christiane war alles andere als eine Überforderung, sondern ein verdammt großer Spaß, so blöd das vielleicht klingt. Es ist natürlich ein dramatischer Film und an Christianes Leben angelehnt, wo ich sage, danke Christiane, dass wir das überhaupt machen dürfen. Ich bin da ganz naiv dran gegangen. Wenn man mir sagt: Leg dich dahin und zittere und kotze an die Wand – ja, dann macht man das. Ich hatte Spaß dabei, und ich hatte eine sehr schöne Zeit."

"Modeln ist ein Scheiß-Job"

Über Nacht wird Natja Brunckhorst zum Weltstar. Wäre der Film nicht gewesen, hätte sie vermutlich Mathematik studiert. Die Rolle der Christiane F. habe ihr viele Türen geöffnet, sagt sie. Aber der plötzliche Ruhm überfordert das Mädchen, der Drogenfilm klebt an ihr. Sie verlässt die Schule, setzt sich nach London ab und wohnt dort in einem besetzten Haus. Von da aus zieht sie nach Paris und modelt. Keine gute Erfahrung, sagt die heutige Schauspielerin, Regisseurin und Drehbuchautorin.

"Modeln sieht von außen so schön, so hübsch aus, so begehrenswert, ist aber ein Scheiß-Job. Man wird total schlecht behandelt, ist vollkommen austauschbar. Es ist egal, was du für eine Persönlichkeit hast. Ich konnte damit sehr, sehr schwer umgehen. Meine durchaus durchsetzungsfähige und auch sture Persönlichkeit war schwer gekränkt von der Behandlung. Ich bin ein paar Mal über Laufstege gelaufen, hab ein paar Fotosessions gemacht und hab dann gesagt: Geld, nein danke, lieber Persönlichkeit."

"Man spürt, dass die Frauen auf dem Vormarsch sind"

Später besucht Natja Brunckhorst eine Schauspielschule. Schon lange steht die inzwischen 51-Jährige sowohl vor als auch hinter der Kamera und schreibt Drehbücher. Zuletzt für ihren Jugendfilm "Amelie rennt", der im September ins Kino kommt. Die Geschichte einer renitenten Großstadtgöre, die sich in Südtirol von ihrem Asthma erholen soll, ist ein Abenteuerfilm mit Tiefgang. Eigenes Erleben war der Ausgangspunkt. Denn ihre Tochter litt an Asthma. Der Film ist auch eine Hommage an junge Frauen von heute, die sowohl "auf Stöckelschuhen gehen als auch eine Bohrmaschine bedienen können".  

Die Schauspielerin Natja Brunckhorst zu Gast bei Deutschlandfunk Kultur (Thomas Groh / Deutschlandradio)Die Schauspielerin Natja Brunckhorst zu Gast bei Deutschlandfunk Kultur. (Thomas Groh / Deutschlandradio)

"Ich finde, dass man es in der gesamten Gesellschaft spürt, dass die Frauen jetzt auf dem Vormarsch sind. Ich durfte zum Beispiel keine Stöckelschuhe, ich durfte nur Bohrmaschine. Wenn ich jetzt die Generation meiner Tochter anschaue, die sind jetzt so in der Mitte angelangt und damit in ihrer Kraft. Die hat nichts dagegen sich gut anzuziehen und zu schminken und gleichzeitig wow – ich verstehe, dass die jungen Männer irritiert sind von der neuen Generation und sich da nicht einordnen können. Da kommt so viel Schlagkraft, soviel Power und Durchsetzungsfähigkeit, also die sind schon lange nicht mehr in der zweiten Reihe."

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