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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.11.2020

Schauspieler Ulrich Tukur"Nimm bloß das Tempo nicht raus"

(Wdh. vom 1.12.2017)

Moderation: Ulrike Timm

Schauspieler Ulrich Tukur in der Rolle des Felix Murot (picture alliance / dpa)
"Ich habe mein Heil immer in der Flucht gesucht", sagt Ulrich Tukur, hier in der Rolle des "Tatort"-Kommissars Felix Murot. (picture alliance / dpa)

Ulrich Tukur ist ein vielseitiger Schauspieler und leidenschaftlicher Musiker. Außerdem hat er zwei Romane geschrieben. Ein Gespräch mit einem Mann, der von sich selbst sagt, dass Geschwindigkeit für ihn zur Sucht geworden sei.

Er war der Reichsfeldmarschall Erwin Rommel, der SPD-Politiker Herbert Wehner und der Terrorist Andreas Baader: Vielseitigkeit und Präzision zeichnen den Schauspieler Ulrich Tukur aus.

Noch während seines Studiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart wurde er 1982 von Filmregisseur Michael Verhoeven entdeckt. Seitdem stand Tukur in zahlreichen Filmen vor der Kamera und brillierte auch in schwierigen Rollen auf Theaterbühnen. Für sein Können wird er mit allen Auszeichnungen geehrt, die es in Deutschland für Schauspieler gibt.

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Wie wählt er seine Rollen aus? "Inzwischen danach, ob das was Neues ist, was anderes, ob ich noch mal was erleben kann, was ich noch nicht habe spielen dürfen oder können. Ich habe ja über 80 Filme gedreht und will jetzt nicht immer wieder im gleichen Karussell das Nämliche machen. Es soll dann schon irgendwie 'ne Überraschung dabei sein."

Wenn die Wirklichkeit einbricht

Auf der Bühne mag er ebenfalls Überraschungen – wenn das Spiel zum Beispiel eine unerwartete Wendung nimmt, wie es ihm einmal passierte, als die Souffleuse gar nicht bemerkte, dass er seinen Text nicht mehr wusste und er sie direkt ansprechen musste:

"Ich liebe auf der Bühne den Moment, wenn die Wirklichkeit einbricht, wenn man von der Konvention des Spiels oder des So-tun-als-ob wegkommt, wenn wirklich was passiert. Das ist dann die brutale Realität – Sie wissen nicht mehr weiter."

Im konkreten Fall half dann die direkte Ansprache und öffentliche Vorstellung der Souffleuse. Tukur genießt es, nicht nur bereits verfasste Texte wiederzugeben, sondern auch eigene zu improvisieren oder auch aufzuschreiben.

Ulrich Tukur, Jahrgang 1957, hat nach "Venezianischen Geschichten" (2005) auch zwei Romane veröffentlicht: "Die Spieluhr" (2013) und "Der Ursprung der Welt" (2019). Neben der Schauspielerei ist Musik seine große Leidenschaft. 1995 gründete er die Band "Rhythmus Boys", mit der er regelmäßig durch Deutschland tourt.

Gemeinsam losfliegen

Er sei ein Ensemblespieler, sagt Tukur: "Ich bin kein Solist. Ich kann das auch – aber mir macht es einfach Spaß, mit Freunden so einen Abend zusammen zu gestalten und sich gegenseitig zu befruchten, dass man dann gemeinsam losfliegt. Swingen tut’s, wenn zwei, drei Musiker auf einmal so einen Gleichklang oder einen rhythmischen Gleichklang finden. Das ist etwas ganz Wunderbares. Man kann das allerdings auch alleine machen – das ist natürlich der Vorteil der Musik gegenüber dem Schauspiel, dass man autark ist. Man braucht eigentlich keine Zuschauer, während so ein Schauspieler, der alleine vor sich hin deklamiert, etwas fehl am Platz ist."

Er sei ein Mensch, der an beiden Enden brenne, sagt Tukur über sich:

"Ich habe mein Heil immer in der Flucht gesucht, immer im Tempo. Und habe gedacht, wenn jetzt das Schiff schnell durch das Wasser schießt, dann liegt es ja auch ruhig im Wasser, nimm bloß das Tempo nicht raus, dann fängt es an rumzudümpeln! Und so bin ich gelaufen und da hat sich mein Körper und meine Psyche vermutlich an diese ewige Geschwindigkeit gewöhnt und es wurde zur Sucht."

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