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Im Gespräch | Beitrag vom 01.10.2019

Schauspieler Mark WaschkeMit Vorliebe lustvoll und "irrlichternd irrtierend"

Moderation: Katrin Heise

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Studioporträt von Mark Waschke. Er ist in den "Tatort"-Produktionen vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) als Kommissar Robert Karow zu sehen. Im rbb-"Tatort" ermittelt er gemeinsam mit Kommissarin Nina Rubin, gespielt von Meret Becker.  (RBB / Gundula Krause)
Mark Waschke ist in den "Tatort"-Produktionen vom Rundfunk Berlin-Brandenburg als Kommissar Robert Karow zu sehen. (RBB / Gundula Krause)

Ob auf der Theaterbühne oder als Berliner „Tatort“-Kommissar: Mark Waschke ist eine Type. Einer, dessen Spiel man so schnell nicht vergisst: mal minimalistisch kühl, mal exzessiv – und immer überraschend.

"Ich finde selber beim Zuhören oder Zugucken bei anderen am Bewegendsten und am Unterhaltsamsten, wenn sich jemand an der Welt reibt und sich mit ihr auseinandersetzt und sich ihr aussetzt", sagt der Schauspieler Mark Waschke. Das könne gleichzeitig lustvoll und "irrlichternd irritierend" sein. Und so hat er es auch bei seinem eigenen Spiel am liebsten.

Den Abgrund zulassen

Auf der Berliner Schaubühne steht der 47-Jährige gerade in mehreren Produktionen auf der Bühne, in denen er diesem Interesse auch selbst spielerisch nachgeht: In dem von ihm konzipierten Ein-Mann-Stück "ICH IST EIN ANDERER DIESES WIR BIN NICHT EINE PFEIFE (Metaware)" und in Patrick Wengenroths "LOVE HURTS IN TINDER TIMES". Einen guten Teil davon ist er nackt.

"Ich finde die körperliche Nacktheit nicht ansatzweise so berührend oder beschämend wie die Intimität, die man zulässt, wenn man Dinge wirklich an sich heran lässt. Wenn man wirklich etwas von sich erzählt. Wenn man vor allem Fragen stellt, auf die man selber keine Antworten hat, ohne Angst zu haben, diesen Abgrund zuzulassen."

Mehr als die "ach so verrückte Künstlerseele"

Das Schauspiel als Ausdrucksmittel entdeckte Mark Waschke schon früh für sich. In Wattenscheid geboren, kam er als Kind mit seiner Familie ins Saarland. Des dortigen für Zugezogene mitunter schwer verständlichen Dialekts nicht mächtig, fand er Zuflucht in einem Kindertheater. Sein eigener Ruhrgebietsdialekt sei etwas gewesen, "was im Saarland als Hochdeutsch galt." Deshalb habe er mit seiner Sprache einen kleinen Vorteil gehabt.

Als Schüler fand er in der Stadtbibliothek in Saarbrücken ein Handbuch zur Schauspielausbildung, herausgegeben von der Schauspielschule Ernst Busch in Ostberlin. Schon damals wollte er am liebsten dort studieren, allerdings stand damals noch die Mauer. Ab Mitte der 1990er-Jahre begann er schließlich an der Ernst-Busch-Schule sein Studium. Die Grundphilosophie der dortigen Ausbildung sei ihm sehr entgegengekommen.

 "Es war für mich sehr wichtig und prägend, dass ich ans Spiel nicht nur herangehe mit meiner ach so verrückten Künstlerseele, alles einbringe und alle sollen mir dabei zusehen, wie ich irgendwelche Abgründe von innen nach außen stülpe, sondern dass ich das immer in einem Austausch und in einer Begegnung mit der Welt mache. Ich versuche, die Welt in mir zu sehen und zu beschreiben und mich auch in der Welt zu sehen. Und dieses Verhältnis hat mich schon sehr früh interessiert."

Mark Waschke war in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen und stand unter anderem auf der Bühne des Deutschen Theaters Berlin, am Maxim-Gorki-Theater und am Schauspielhaus Hamburg. Aktuell ist er wieder Ensemblemitglied an der Berliner Schaubühne.

Tatort-Kommissar mit großen Lebensfragen

Einem breiten Publikum wurde er als Kommissar Robert Karow im Berliner Tatort bekannt. Auch dort gehe es ihm nicht darum "den Fall aufzuklären und warum hat der den und den umgebracht? Sondern um die Frage: Wie leben wir? Oder wie wollen wir leben?"

Dort, wie auch in seinen anderen Rollen – ob auf der Bühne oder zuletzt als Noah in der Netflix-Serie "Dark" – verhandelt er das, was ihn auch selbst umtreibt.

"Ich glaube, diese archaischen, großen Lebensfragen von: Wie lebt man in einer Familie, wie geht man miteinander um? Wie geht man mit Schuld um und mit Verantwortung? Wie geht man mit dem Schmerz um, den das macht? Und wie versucht man, sich davon zu befreien? Das ist das, was so berührt."

(era)

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