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Im Gespräch | Beitrag vom 17.10.2018

Schauspieler Armin Mueller-Stahl„Lieber einen Knick in der Karriere als im Rückgrat“

Moderation: Annette Riedel

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Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl (dpa / picture alliance / Daniel Reinhard)
Der Schauspieler Armin Mueller-Stahl (dpa / picture alliance / Daniel Reinhard)

Sein künstlerischer Weg begann mit einem Rausschmiss von der Schauspielschule. Das entfachte seinen Ehrgeiz. Heute schaut Armin Mueller-Stahl auf eine großartige internationale Karriere zurück. Inzwischen widmet er sich mehr dem Schreiben und Malen.

Armin Mueller-Stahl ist ein vielseitiger Künstler. Von Kindheit an hat er gemalt, musiziert, geschrieben und geschauspielert. Wie man schnell zeichnet und Proportionen erfasst, brachte ihm unter anderem seine Großmutter und eine Tante bei.

"Also all diese Dinge, die man normalerweise wahrscheinlich an einer Kunstakademie lernt, lernte ich bei meinen Verwandten, die auch gleichzeitig Musik machten. Ein Onkel war ein grandioser Geiger und da habe ich gesagt, das will ich auch."

Sein Vater war eigentlich Bankkaufmann, spielte leidenschaftlich Theater und sang auch, von der Mutter am Klavier begleitet. Dann musste er in den Krieg ziehen – das bis dahin glückliche Familienleben endete abrupt.  

"Ich habe ihn zur Kaserne gebracht. Wir sangen gemeinsam das Lied 'Der Mond ist aufgegangen' und ich sah, mein Vater hatte Tränen in den Augen, und ich begriff nicht warum. Später habe ich begriffen, denn er kam nicht mehr wieder."

"Kultureller Frühling" nach dem Krieg

Armin Mueller-Stahl wäre am Ende des Krieges selbst fast erschossen worden. Umso mehr genoss er die Zeit unmittelbar nach dem Krieg in Berlin.  

"Diese zerstörte Stadt, sie blühte. Jetzt begann der kulturelle Frühling. Ich sah Oistrach in Ostberlin spielen, Menuhin in Westberlin, die Berliner Philharmoniker in Westberlin, die Staatskapelle in Ostberlin. Ich sah alle großen Geister, und das war die aufregendste Zeit für mich und für meine künstlerische Seele."

Für seine schauspielerische Karriere war der Film "Die Kinder das Olymps" entscheidend sowie die Erinnerung daran, dass sein Vater eigentlich gerne Schauspieler hatte werden wollen. Doch Armin Mueller-Stahl war das Talent nicht gerade in die Wiege gelegt worden, und so flog er zunächst von der Schauspielschule. Aber das entfachte seinen Ehrgeiz.

"Genau der Rausschmiss war der Grund, dass ich bleiben wollte."

Der damalige Intendant des Theaters am Schiffbauerdamm war ausschlaggebend für seinen weiteren Berufsweg. Er sagte zu dem jungen Schauspieler:

"Ab morgen spielst Du eine Charakterrolle - und mit den Charakterrollen begann meine Liebe zum Theater."

Malen, Musizieren und Schreiben

Der inzwischen 87-Jährige machte international Karriere, die auf den Bühnen der DDR begann und ihn über Berlin in die USA führte. Dabei blieb er immer seinem Vorsatz treu:

 "Lieber einen Knick in der Karriere als im Rückgrat."

Heute verbringt Armin Mueller-Stahl viel Zeit in seinem Haus in Kalifornien, nimmt sich wieder mehr Zeit zum Malen, Musizieren und Schreiben. Gerade ist ein Gedichtband von ihm erschienen, den er auch illustriert hat: "Der wien Vogel fliegen kann".

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