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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.10.2015

Scharia, Salafismus, DschihadYouTube-Stars erklären Islambegriffe

Von Kemal Hür

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Das Logo des Videoportals YouTube ist auf einem i-Phone zu sehen, aufgenommen am 23.08.2012 in Berlin. (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)
Das Logo des Videoportals YouTube (picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert)

Täglich kommen Begriffe aus dem Islam in Debatten über Zuwanderung und Integration vor. Dabei herrschen selbst unter Muslimen unterschiedliche Definitionen dieser Begriffe. Die Bundeszentrale für politische Bildung lässt nun in einem Projekt YouTuber zu Wort kommen.

"Hi, Leute. Heute möchte ich mit euch über das Thema Islam sprechen. In den Medien lese ich immer wieder viele verschiedene Dinge: Terrorismus, Salafismus, Dschihad. Was ist denn das überhaupt? Ich meine, es wirft natürlich so viele Fragen auf und macht natürlich auch Angst."

Die Frau mit den schulterlangen glatten schwarzen Haaren und grünen Augen ist Hatice Schmidt. Die 28-Jährige hat einen eigenen YouTube-Kanal und gibt dort regelmäßig Kosmetik-Tipps. Ihr folgen bis zu 100.000 Nutzer. In diesem neuen Video aber, das ab Montag zu sehen sein wird, hält sie Titelblätter großer deutscher Nachrichtenmagazine in die Kamera; denn sie will ihren Fans ab jetzt jede Woche einen islamischen Begriff erklären. Am Montag: die Umma.

"Umma ist arabisch und bedeutet Gemeinschaft. Im Koran kommt der Begriff an verschiedenen Stellen vor und hat unterschiedliche Bedeutungen. Es geht dabei nicht ausschließlich muslimische, sondern auch um damalige christliche und jüdische Gemeinschaften. Von einigen Gelehrten wurde Umma auch als Begriff für die Menschheit im Allgemeinen verwendet."

Nach der Einführung, die Hatice in die Kamera spricht, beginnt ein animierter Film. Die Hauptfigur ist Hatice nachempfunden. Sie erklärt anhand von gezeichneten Karten, die sie der Bildoberfläche hinzufügt oder wegwischt, was sie über den Begriff Umma herausfindet. Neben Hatice Schmidt gehören auch MrWissen2Go und LeFloid zum Team. Der YouTuber LeFloid hatte im Sommer die Bundeskanzlerin interviewt. Sein Video wurde über vier Millionen Mal aufgerufen. Soviel Interesse wünscht sich auch Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, die die Islamvideos produziert.

Krüger: "Junge Leute haben ständig, auf dem Schulhof, zu Hause im Elternhaus, in der Freizeit mit solchen Diskussionen zu tun. Und sie lieben Webvideos. Und deshalb wollen wir dieses Medium, was auf hohe Akzeptanz trifft mit Autorinnen und Autoren, YouTuberinnen und YouTubern bespielen, die eine hohe Glaubwürdigkeit haben."

Das Projekt soll nicht belehrend wirken

Die Bundeszentrale für politische Bildung will nicht belehrend sein, betont Thomas Krüger. Sie lässt die Fragen von Wissenschaftlern beantworten und ihre Quellen offenlegen. Die YouTuber geben zusätzlich ihre persönliche Meinung dazu. Das soll die Zuschauer zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema animieren. Das Projekt wird wissenschaftlich von einem Beirat begleitet. Diesem gehört auch die Islamwissenschaftlerin Armina Omerika von der Goethe-Universität Frankfurt an. Omerika sagt, in der aktuellen Islamdebatte in Deutschland würden sowohl von Islamisten als auch von Islamfeinden viele Begriffe klischeehaft verwendet, um eine einheitliche Identität zu stiften, die so aber nicht existiere.

Omerika: "Insofern stellen diese Videoformate ein differenziertes Informationsangebot dar, um diesen Stereotypisierungen von beiden Seiten – sei es politisch religiöser Extremismus oder sei es Islamfeindlichkeit, bzw. Rechtsextremismus – entgegenzuwirken, indem es jungen Leuten die Möglichkeit eröffnet, auch auf andere Perspektiven und auf andere Darstellungen zurückzugreifen und darüber zu informieren."

Ein Perspektivwechsel ist dieses Informationsformat auch für Hatice Schmidt. Nach Schmink- und Schönheitsthemen freut sie sich auf die neue Herausforderung – zumal das Thema Islam sie auch in ihrem Alltag begleitet, sagt die gelernte Krankenschwester, die in Berlin als Kind türkischer Einwanderer geboren wurde.

Hatice: "Ich bin in Lankwitz groß geworden. Da gab es nicht so viele Ausländer, also war ich die Minderheit. Und dann sind wir nach Neukölln gezogen. Und auf einmal waren die Deutschen die Minderheit. Also ich bin in beiden Welten groß geworden. Und diese Fragen waren immer da."

Jetzt hat sie auch eine Menge Menschen um sich, die ihr diese Fragen beantworten. Hatice Schmidt stellt ab jetzt keine Fragen mehr, sondern sie beantwortet sie. Und sollte eine offen bleiben, können die Fans sie in die Kommentarfunktion schreiben. Die Experten liefern dann die Antworten – mit Quellenangaben.

"Falls es euer Interesse geweckt hat, ich verlinke für euch noch ein paar Sachen in die Infobox. Ich bedanke mich bei euch fürs Einschalten, sage tschüss und bis zum nächsten Mal mit euch."

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