Säbelrasseln im Indopazifik

    Droht ein neues Wettrüsten?

    28:30 Minuten
    Das Atom-U-Boot USS Columbus bei einer Militärübung mit Südkorea.
    Das Atom-U-Boot USS Columbus bei einer Militärübung mit Südkorea. © picture alliance / dpa / Yonhap
    Moderation: Patrick Garber · 25.09.2021
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    Eine Rüstungsspirale im indopazifischen Raum befürchtet die Politikwissenschaftlerin Elisabeth Suh. Hintergrund ist ein neuer Pakt zwischen USA, Großbritannien und Australien - und technologische Entwicklungen, die auch Atomwaffen betreffen.
    Das Militärbündnis AUKUS, das die USA, Großbritannien und Australien gerade vereinbart haben, verändert die strategische Lage im Indopazifik, sagt die Politikwissenschaftlerin Elisabeth Suh.
    Besonders China fühle sich durch die Flotte nuklear angetriebener U-Boote, die Australien nun mit amerikanischer Hilfe bauen will, sehr bedroht. Diese Boote ermöglichten es den westlichen Partnern, chinesische Aktivitäten im Westpazifik viel genauer zu beobachten.

    Rüstungsspirale im Indopazifik

    "Hierdurch kann die Aufrüstungsspirale im Indopazifik weiter befeuert werden", meint Suh, die über die militärisch-politische Entwicklung in der Region forscht. China, Nordkorea und auch Südkorea dürften die neue Lage zum Anlass nehmen, ihre ohnehin schon erheblichen Rüstungsanstrengungen zu verstärken.
    Im Fall von Nordkorea betreffe das auch die atomare Rüstung. Das Land habe nach Erkenntnissen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO sein Nuklearprogramm wieder hochgefahren, zudem testet das Regime in Pjöngjang gerade verbesserte Trägersysteme wie Marschflugkörper, die auch Kernwaffen transportieren können.
    Hinzu komme, dass die USA mit der Bereitstellung nuklearer Antriebstechnik für die Nicht-Atommacht Australien einen "Tabubruch" begingen, so Suh. Andere Staaten könnten nun auch nach Atom-U-Booten streben.
    Ohnehin sieht die Politologin Gefahren für die internationale Stabilität und ein höheres Risiko für den Einsatz von Nuklearwaffen heraufziehen.
    Dies liege zum einen an der höheren Komplexität der strategischen Lage im Vergleich zum Kalten Krieg, als nur von den beiden Supermächten Sowjetunion und USA atomare Gefahr ausging. Nun gebe es mehr Akteure, vor allem durch den Aufstieg Chinas.

    Aufrüstung durch Modernisierung

    Zum anderen beobachtet Suh "eine Art Aufrüstung durch Modernisierung" von Kernwaffen. Neue Technologien bei Trägersystemen, die Aufklärung fremder und der Schutz der eigenen Waffensysteme drohten, die Einsatzfähigkeit von Kernwaffen zu beschleunigen. Die Bedrohung liege heute nicht mehr nur in der Anzahl von Atomsprengköpfen, sondern im Hightech drumherum.
    Das bedeute auch neue Herausforderungen für die Rüstungskontrolle. Hier brauche es eine neue Denkweise und Abkommen, bei denen es nicht nur darum gehe, "Sprengköpfe und Raketen zu zählen."
    (pag)

    Elisabeth Suh ist Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf nuklearer Rüstungskontrolle und der Nichtverbreitung von Atomwaffen. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit dem Atomprogramm Nordkoreas. Suh ist Fellow am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg sowie bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Bei der Stiftung Wissenschaft und Politik ist sie Gastwissenschaftlerin.

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