Sachbuchbestenliste Juli/August 2022

Geballtes Nachdenken über Mensch und Natur

06:21 Minuten
Die Cover der Sachbücher von Armin Falk, "Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein", von Charlotte Wiedemann "Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis", von Robin Wall Kimmerer, "Das Sammeln von Moos" auf einem orange-weißem Hintergrund.
Die Top drei der Sachbuchbestenliste im Juli und August: Armin Falk führt die Liste mit "Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein" an, Charlotte Wiedemann und Robin Wall Kimmerer folgen auf den Plätzen mit "Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis" und "Das Sammeln von Moos". © Siedler / Propyläen / Matthes & Seitz
Die Sachbuchbestenliste im Sommer ist geprägt von Autoren, die über das Verhältnis von Mensch und Natur schreiben. Wo liegen die Denkfehler? Wo beschränken wir Denken? Ganz oben steht ein Buch darüber, wie erwünschtes Handeln befördert werden kann.
  • 1
    Cover des Buches "Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein"

    Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein

    Niemand würde von sich behaupten, ein schlechter Mensch zu sein. Das liegt daran, dass wir uns an Gutes erinnern, Schlechtes aber verdrängen. Durch eigene Studien zeigt der Verhaltensökonom Armin Falk, warum es uns nicht gelingt, endlich auf Ökostrom umzustellen oder an Bedürftige zu spenden. Seine Forderung: Gesellschaft so zu verändern, dass schlechte Handlungen bestraft, gute belohnt werden. 90 Punkte

    336 Seiten

    24,00 Euro

    Siedler

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  • 2
    Das Cover des Buches von Charlotte Wiedemann, "Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis". Der Name Charlotte Wiedemann steht in Weiß, der Titel "Den Schmerz der Anderen begreifen" in türkis auf einem orangenen Hintergrund.
    Charlotte Wiedemann

    Den Schmerz der Anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis

    Lassen sich die Kolonialverbrechen mit dem Holocaust vergleichen? Über diese Frage wird im deutschen Feuilleton seit Jahren heftig gestritten. Die langjährige Auslandskorrespondentin Charlotte Wiedemann fordert nun, auch den Schmerz derer nachzufühlen, die uns weniger nah erscheinen. Ein Plädoyer für eine inklusive, eine universelle Erinnerungskultur. 72 Punkte

    288 Seiten

    22,00 Euro

    Propyläen

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  • 3
    Das Cover des Sachbuchs von Robin Kimmerer Wall, "Das Sammeln von Moos. Eine Geschichte von Natur und Kultur". Es zeigt den Namen Robin Wall Kimmerer und den Titel "Das Sammeln von Moos" in weiß auf einem Fotohintergrund, der kräftig grünes Moos zeigt.
    Robin Wall Kimmerer

    Das Sammeln von Moos. Eine Geschichte von Natur und Kultur

    Übersetzt von Dieter Fuchs

    Moose bleiben unserer Wahrnehmung oft verborgen, dabei sind sie faszinierende Pflanzen: Sie besitzen weder Blüten, Früchte noch Samen – und doch gibt es rund 22.000 Arten. Die amerikanische Pflanzenökologin Robin Wall Kimmerer verflicht wissenschaftliche Evidenz mit dem Wissen indigener Völker – und zeigt: kaum ein Organismus steht so sehr für die Verbundenheit mit der Umwelt wie das Moos. 54 Punkte

    223 Seiten

    32,00 Euro

    Matthes & Seitz

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  • 4
    Das Cover des Sachbuchs von Philipp Lepenies, "Verbot und Verzicht. Politik aus dem Geiste des Unterlassens". Der Name Philipp Lepenies und der Titel "Verbot und Verzicht. Politik aus dem Geiste des Unterlassens" stehen auf einem einheitlich blauen Hintergrund
    Philipp Lepenies

    Verbot und Verzicht. Politik aus dem Geiste des Unterlassens

    Tempolimit oder Veggie-Day: Wo Konsum eingeschränkt werden soll, wittern Liberale oft die drohende Diktatur. Dieser Reflex führe zu einer Verengung des Freiheitsbegriffs, schreibt der Nachhaltigkeitsforscher Philipp Lepenies. Die Geschichte habe gezeigt, wie hilfreich etwa das FCKW-Verbot war. Lepenies ist überzeugt: damit die ökologische Transformation gelingt, müssen wir verzichten lernen. 35 Punkte

    266 Seiten

    18,00 Euro

    Edition Suhrkamp

  • 5
    Das Cover des Sachbuchs von Katrine Marçal: "Die Mutter der Erfindung. Wie in einer Welt für Männer gute Ideen ignoriert werden". Der Name Katrine Marçal und der Tite "Die Mutter der Erfindung" stehen auf türkisfarbenen Hintergrund, umrahmt von einer Illustration, in der ein Fragezeichen und eine Glühbirne verschmelzen.
    Katrine Marcal

    Die Mutter der Erfindung. Wie in einer Welt für Männer gute Ideen ignoriert werden

    Übersetzt von Gesine Schröder

    Als E-Autos vor hundert Jahren auf den Markt drängten, bewarb man sie als Frauenfahrzeug mit eingebauten Kristallglasvasen – sie fielen durch. Der Erfolg kam mit einem Mann, Elon Musk. Innovationen sind seit jeher von patriarchalen Strukturen geprägt. Noch heute erhalten Frauen nur drei Prozent des globalen Wagniskapitals. Ein Gedankenexperiment, wie eine Welt weiblicher Erfindungen aussähe. 33 Punkte

    304 Seiten

    22,00 Euro

    Rowohlt

  • 6
    Das Cover des Sachbuchs von Pierre Charbonnier, "Überfluss und Freiheit. Eine ökologische Geschichte der politischen Ideen". Es zeigt den Namen des Autors Pierre Charbonnier und den Titel "Überfluss und Freiheit und als Hintergrund eine Illustration von Gartenhecken auf hellgrünem Grund.
    Pierre Charbonnier

    Überfluss und Freiheit – eine ökologische Geschichte der politischen Ideen

    Aus dem Französischen von Andrea Hemminger

    Von John Locke bis Karl Marx gehe die politische Ideengeschichte von einer falschen Annahme aus, schreibt der französische Philosoph Pierre Charbonnier: die Erde als unerschöpfliche Quelle von Reichtum. Unsere Konzepte von Freiheit, Gleichheit und Autonomie beruhten auf diesem Denkfehler. Er fordert: eine konsequente Abkehr vom eigentumsgestützten „Produktionismus“, der die Moderne prägt. 32 Punkte

    506 Seiten

    36,00 Euro

    S. Fischer

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  • 7
    Das motivlose Cover des Sachbuchs von Reinhard Mehring: "Ernst-Wolfgang Böckenförde/Carl Schmitt: Welch gütiges Schicksal. Briefwechsel 1953-1984"
    Reinhard Mehring

    Ernst-Wolfgang Böckenförde/Carl Schmitt: Welch gütiges Schicksal. Briefwechsel 1953-1984

    Verfassungsrichter Ernst-Wolfgang Böckenförde wurde zu Lebzeiten hochgeschätzt, Carl Schmitt, „Kronjurist des Dritten Reiches", galt als Paria. Doch waren beide befreundet. Briefwechsel geben nun einen intimen Einblick in ihr ambivalentes Verhältnis, geprägt von Böckenfördes „Schmitt-Projekt“ – dem Versuch, die „politische Theologie“ zu zügeln, um sie für den Kanon der BRD zu adaptieren. 30 Punkte

    870 Seiten

    169,00 Euro

    Nomos

  • 7
    Das Cover des Sachbuchs von Martin Sabrow, "Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution". Es zeigt neben dem Namen Martin Sabrow den Titel sowie mehrere Fotos. Ein Foto zeigt eine Straßenszene, eines Rathanau, eines die Titelseite der "Vossischen Zeitung", auf dem der Mord an Rathanau vermeldet wird.
    Martin Sabrow

    Der Rathenaumord und die deutsche Gegenrevolution

    Zwischen 1921 und 1922 erschüttert eine Anschlagsserie die noch junge Demokratie der Weimarer Republik. Die Opfer: Matthias Erzberger, Maximilian Harden, Philipp Scheidemann, schließlich Außenminister Walther Rathenau. Waren es Einzeltäter oder doch der Komplott des rechtsextremen Geheimbunds „Consul“? Mit großer Liebe zum Detail spürt der Historiker Martin Sabrow dieser Frage nach. 30 Punkte

    334 Seiten

    30,00 Euro

    Wallstein

  • 9
    Das Cover des Sachbuchs von Olivette Otele, "Afrikanische Europäer. Eine unerzählte Geschichte". Es zeigt als Hintergrund zu dem Namen Olivette Otele und dem Titel "Afrikanische Europäer. Eine unerzählte Geschichte" ein Portraitgemälde einer schwarzen Frau. Sie trägt Goldohrringe und ein weißes Oberteil.
    Olivette Otele

    Afrikanische Europäer. Eine unerzählte Geschichte

    Übersetzt von Yasemin Dince

    Olivette Otele wurde im Senegal geboren, im englischen Bristol lehrt sie Geschichte. In ihrem Buch geht es um „Afropäer:innen“ wie sie, die entgegen allgemeiner Annahme kein neues Phänomen sind: Seit der römischen Expansion herrschte reger Austausch zwischen den Kontinenten, es gab schwarze Heilige, Herrscher, Intellektuelle. Ein fulminanter Gang durch die afrikanisch-europäische Geschichte. 29 Punkte

    304 Seiten

    28,00 Euro

    Wagenbach

  • 10
    Das motivlose Cover des Sachbuchs von Ece Temelkuran, "Wille und Würde. Zehn Wege in eine bessere Gegenwart". Der Name Ece Temelkuran steht über dem Titel.
    Ece Temelkuran

    Wille und Würde. Zehn Wege in eine bessere Gegenwart

    Übersetzt von Michaela Grabinger

    Globale Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse, Klimawandel – der Zustand der Welt kann lähmen, weiß die türkische Journalistin Ece Temelkuran. Dabei vergessen wir, dass wir die Geschichte beeinflussen können. Die richtige Antwort auf die Probleme der Gegenwart: nicht Wut, sondern Würde. Eine Handlungsanleitung für ein würdevolles Leben, mitreißend erzählt und mit persönlichen Anekdoten angereichert. 25 Punkte

    192 Seiten

    22,00 Euro

    Hoffmann und Campe

  • 10
    Das Cover des Sachbuchs von Rebecca Solnit, "Orwells Rosen". Es zeigt unten den Namen der Autorin, oben den Titel und dazwischen eine ornamentartige Rosenranke, alles in der Anmutung einer Stickerei.
    Rebecca Solnit

    Orwells Rosen

    Übersetzt von Michaela Grabinger

    Bevor George Orwell 1936 in den spanischen Bürgerkrieg aufbrach, pflanzte er in seinem Garten nördlich von London Rosen. Diese scheinbar irrelevante Tatsache nimmt die amerikanische Essayistin Rebecca Solnit zum Ausgangspunkt für ein assoziatives Werk über Schönheit und Macht. Eine faszinierende Mischung aus Biografie, Botanik-Sachbuch und philosophischer Abhandlung. 25 Punkte

    352 Seiten

    24,00 Euro

    Rowohlt

Deutschlandfunk Kultur, ZDF und „Die Zeit“ präsentieren gemeinsam die stärksten Sachbücher des Monats. Gekürt werden die Titel von einer Jury aus 30 Kritikerinnen und Kritikern.

So funktioniert die Abstimmung:
Jedes Jurymitglied vergibt an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste:
René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur)
Peter Arens (ZDF)
Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur)
Ralph Bollmann (FAS)
Stefan Brauburger (ZDF)
Alexander Cammann (DIE ZEIT)
Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel)
Heike Faller (DIE ZEIT)
Daniel Fiedler (ZDF)
Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch)
Manuel J. Hartung (ZEIT-Stiftung)
Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur)
Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur)
Inge Kutter (DIE ZEIT)
Hannah Lühmann (DIE WELT)
Ijoma Mangold (DIE ZEIT)
Susanne Mayer (DIE ZEIT)
Tania Martini (taz)
Catherine Newmark (Deutschlandfunk Kultur)
Jutta Person (freie Literaturkritikerin)
Bettina von Pfeil (ZDF)
Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung)
Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur)
Anne Reidt (ZDF)
Anna Riek (ZDF)
Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte)
Hilal Sezgin (freie Autorin)
Catrin Stövesand (Deutschlandfunk)
Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)
Julia Voss (Leuphana Uni Lüneburg)