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Lesart | Beitrag vom 29.01.2020

Sachbuchbestenliste FebruarArme, Aale, Eigenbrötler

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Buchcover zu "Gute Ökonomie für harte Zeiten", "Das Echo deiner Frage" und "Das Evangelium der Aale" (Hoffmann und Campe, Penguin, Hanser Verlag)
Die drei besten Sachbücher im Januar: über das Ehepaar Benjamin, "gute Ökonomie" und Aale. (Hoffmann und Campe, Penguin, Hanser Verlag)

Unsere Sachbuchbestenliste hat viel Neues zu bieten: Es geht um Beziehungen zwischen Intellektuellen, Armen und Reichen, Vater und Sohn. Das Evangelium der Aale wird verkündet. Und zum Abschluss gibt es ein Plädoyer für den Hass in der Literatur.

Deutschlandfunk Kultur, ZDF und "Die Zeit" präsentieren gemeinsam die stärksten Sachbücher des Monats. Gekürt werden die Titel von einer Jury aus 30 Kritikerinnnen und Kritikern.

1 (-) Eva Weissweiler: "Das Echo deiner Frage: Dora und Walter Benjamin. Biographie einer Beziehung"
Hoffmann und Campe
383 Seiten, 24 Euro

Buchcover zu Eva Weissweiler: "Das Echo deiner Frage: Dora und Walter Benjamin. Biographie einer Beziehung" (Hoffmann und Campe)Eva Weissweiler: „Das Echo deiner Frage: Dora und Walter Benjamin. Biographie einer Beziehung“ (Hoffmann und Campe)

Dora Benjamin war die Frau von Walter Benjamin, aber vor allem eine Intellektuelle: Sie schrieb über Musik und Philosophie und verfasste Romane. Eva Weissweiler hat die Beziehungsgeschichte zwischen Dora und Walter Benjamin untersucht. Ihre Biografie wirkt wie Serienstoff: Zuneigung, Affären, das erste Kind, schließlich die Scheidung – und überall stets der rigorose Eigenbrötler Walter Benjamin.

Gespräch mit Eva Weissweiler


2 (-) Abhijit V. Banerjee/Esther Duflo: "Gute Ökonomie für harte Zeiten: Sechs Überlebensfragen und wie wir sie besser lösen können"
Penguin Verlag
560 Seiten, 26 Euro

Buchcover zu "Gute Ökonomie für harte Zeiten: Sechs Überlebensfragen und wie wir sie besser lösen können" (Penguin)Abhijit V. Banerjee/Esther Duflo: „Gute Ökonomie für harte Zeiten: Sechs Überlebensfragen und wie wir sie besser lösen können“ (Penguin)

Die Ökonomen Esther Duflo und Abhijit Banerjee haben 2019 für ihre Studien zur Linderung der Armut den Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Nun erscheint ihr neues Buch, das die größten Herausforderungen der Weltwirtschaft thematisiert: wachsende Ungleichheit, Globalisierung, Umweltkatastrophen, Populismus. Die beiden plädieren für eine Politik, die Reiche besteuert und Armen eine Stimme verleiht.


3 (-) Patrik Svensson: "Das Evangelium der Aale"
Hanser Verlag
256 Seiten, 22 Euro

Cover des Buchs "Das Evangelium der Aale" von Patrik Svensson vor einem orangfarbenen Aquarellhintergrund. (Hanser Verlag / Deutschlandradio)"Das Evangelium der Aale" ist das erste Buch von Patrik Svensson - und gleich ein Welterfolg, der in über 30 Sprachen übersetzt wird. (Hanser Verlag / Deutschlandradio)

Der Schwede Patrik Svensson hat mit seinem Vater wenig gesprochen, dafür oft und reichlich Aale gefangen. Die komplexe Geschichte dieser Vater-Sohn-Beziehung erzählt der Autor durch das Prisma seiner Aal-Faszination. Von Aristoteles bis Sigmund Freud lernt man viel über die komplexe Biologie dieses mysteriösen Tiers – und über menschliche Sehnsüchte, Ängste und Träume; über Leben und Tod.

Gespräch mit Patrik Svensson


4 (-) Ronan Farrow: "Durchbruch. Der Weinstein-Skandal, Trump und die Folgen"
Rowohlt Verlag
528 Seiten, 24 Euro

Buchcover zu "Durchbruch" von Ronan Farrow (Rowohlt)Der Weinstein-Skandal reicht weit über einen Schuldigen hinaus. Wie weit, erklärt Ronan Farrow in "Durchbruch". (Rowohlt)

Am 10. Oktober 2017 explodiert die Bombe: Der Journalist Ronan Farrow veröffentlicht im New Yorker einen Artikel, in dem er darstellt, wie der Filmmogul Harvey Weinstein über Jahrzehnte hinweg hunderte Frauen sexuell genötigt haben soll. Farrow rekonstruiert den Skandal und zeigt, wie ein Netzwerk Weinstein schützte, das tief in die Politik und die Medienlandschaft reicht.


5 (-) Kübra Gümüşay: "Sprache und Sein"
Hanser Berlin
208 Seiten, 18 Euro

Buchcover "Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay (Hanser Berlin)"Sprache und Sein" von Kübra Gümüşay (Hanser Berlin)

Wie kann man sprechen, ohne in Klischees zu verfallen? Welche Kategorien gibt es, um Menschen nicht in Schubladen zu stecken? Darüber schreibt die Journalistin Kübra Gümüşay. Sie macht sich auf die Suche nach einer Sprache, die gemeinschaftliches Denken zulässt, ohne Differenzen zu kaschieren. Ein Plädoyer für eine Gesellschaft, die trotz wachsender Unterschiede miteinander reden kann.

Zur Buchrezension


6 (3) Armin Zweite: "Gerhard Richter. Leben und Werk. Das Denken ist beim Malen das Malen"
Schirmer/Mosel
480 Seiten, 128 Euro

Cover des Buches von Armin Zweite "Das Denken ist beim Malen das Malen - Gerhard Richter - Leben und Werk"  (Cover: Schirmer/Mosel)Armin Zweite schreibt über den weltweit bekannten Maler, der 1932 in Dresden geboren wurde. (Cover: Schirmer/Mosel)

Das Buch des Kunsthistorikers Armin Zweite durchmisst das Werk des bedeutendsten lebenden deutschen Künstlers, Gerhard Richter. Über sein Leben erfährt man wenig, über das Werk wiederum alles. Zweite legt mit erkenntnistheoretischer Tiefe und zeitgeschichtlicher Finesse offen, was Richters europäisch geprägtes Schaffen für die globale Kunst bedeutet. Ein Buch, das im wahrsten Sinne die Augen öffnet.

Zur Buchrezension


7 (1) Jens Bisky: "Berlin. Biographie einer großen Stadt"
Rowohlt Verlag
976 Seiten, 38 Euro

Buchcover zu "Berlin: Biographie einer großen Stadt" (Rowohlt Berlin)Über Berlin war eigentlich schon alles gesagt - bis Jens Bisky (Rowohlt Berlin)

Dem Journalisten Jens Bisky gelingt das Unmögliche: der meistbesprochenen Stadt in Deutschland neue Facetten abzuringen. Sein Berlin-Buch beginnt im 17. Jahrhundert, als die Stadt zu neuer Größe aufsteigt, sich mit Rom und Paris messen will. Bisky porträtiert eine Metropole der Widersprüche: Ort der Macht, der Teilung, der Repression und zugleich des Widerstands und des ewigen Experiments.

Gespräch mit Jens Bisky


8 (7) Andreas Reckwitz: "Das Ende der Illusionen: Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne"
Edition Suhrkamp
305 Seiten, 18 Euro

Buchcover zu "Das Ende der Illusionen" von Andreas Reckwitz. (Suhrkamp Verlag)Wohin entwickelt sich die Gesellschaft? Andreas Reckwitz versucht sich an einer Erklärung. (Suhrkamp Verlag)

Nach der wegweisenden Studie "Gesellschaft der Singularitäten" legt Andreas Reckwitz nach: In seiner neuen Essaysammlung beschäftigt sich der Soziologe mit dem Strukturwandel der Gesellschaft. Er seziert die neue Klassengesellschaft, die postindustrielle Ökonomie, die Konflikte um Kultur und Identität und den Imperativ der Selbstverwirklichung, woraus Erschöpfung und Demokratiemüdigkeit entspringen.


8 (-) Karl Heinz Bohrer: "Mit Dolchen sprechen. Der literarische Hass-Effekt"
Suhrkamp Verlag
493 Seiten, 28 Euro

Buchcover zu Karl Heinz Bohrer: "Mit Dolchen sprechen. Der literarische Hass-Effekt" (Suhrkamp Verlag)Karl Heinz Bohrer: „Mit Dolchen sprechen. Der literarische Hass-Effekt“ (Suhrkamp Verlag)

Mit Leidenschaft begehrt der Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer gegen moralistische Gesinnungsästhetik auf. Sein Buch ist ein Plädoyer für den Hass in Prosa und Poesie. Er analysiert Szenen der Gewalt von Homer bis Houellebecq und erschafft eine Ästhetik des Bösen, die den Wesenskern von Literatur beschreibt. "Die Tiger des Zornes sind weiser als die Rosse der Belehrung", heißt die These des Buchs.

Zur Buchrezension


10 (2) Reinhart Koselleck, Carl Schmitt: "Der Briefwechsel: 1953-1983"
Suhrkamp Verlag
500 Seiten, 42 Euro

Buchcover zum Briefwechsel zwischen Reinhart Koselleck und Carl Schmitt. (Suhrkamp Verlag)Staatsrechtler trifft Historiker: Im Briefwechsel kommentieren Reinhart Koselleck und Carl Schmitt 30 Jahre deutsche Geschichte. (Suhrkamp Verlag)

Drei Jahrzehnte lang schrieben sich der Staatsrechtler Carl Schmitt und der Historiker Reinhart Koselleck Briefe. So verschieden die beiden Intellektuellen auch waren: Sie verband eine tiefe philosophische Verbundenheit. Der Briefwechsel offenbart Schmitts randständige Stellung im akademischen Feld, Kosellecks Werdegang im Hochschulbetrieb, die werkimmanenten Unterschiede sowie historische Fragen und politische Entwicklungen ihrer Zeit. 


Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste:
René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur)
Peter Arens (ZDF)
Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur)
Ralph Bollmann ("F.A.S.")
Stefan Brauburger (ZDF)
Alexander Cammann ("DIE ZEIT")
Gregor Dotzauer ("Der Tagesspiegel")
Heike Faller ("DIE ZEIT")
Daniel Fiedler (ZDF)
Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch)
Manuel J. Hartung ("DIE ZEIT")
Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur)
Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur)
Inge Kutter ("DIE ZEIT")
Hannah Lühmann ("DIE WELT")
Ijoma Mangold ("DIE ZEIT")
Susanne Mayer ("DIE ZEIT")
Tania Martini ("taz")
Christoph Möllers (HU Berlin)
Jutta Person (freie Literaturkritikerin)
Bettina von Pfeil (ZDF)
Jens-Christian Rabe ("Süddeutsche Zeitung")
Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur)
Anne Reidt (ZDF)
Anna Riek (ZDF)
Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte)
Hilal Sezgin (freie Autorin)
Catrin Stövesand (Deutschlandfunk)
Elisabeth von Thadden ("DIE ZEIT")
Julia Voss (Leuphana-Uni Lüneburg)

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