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Frühkritik | Beitrag vom 01.04.2021

S.A. Cosby: "Blacktop Wasteland‟Leben unter Druck

Von Kolja Mensing

Das Buchcover "Blacktop Wasteland" von S. A. Cosby ist vor einem grafischen Hintergrund zu sehen. (Deutschlandradio / Ars Vivendi Verlag)
Je größer die Hindernisse auf dem Weg des Protagonisten von "Blacktop Wasteland‟ werden, desto mehr drückt er auf das Gaspedal. (Deutschlandradio / Ars Vivendi Verlag)

"Blacktop Wasteland" ist beides: atemberaubender Thriller über einen Fluchtwagenfahrer – und Roman über Alltagsrassismus und grassierende Chancenlosigkeit im US-amerikanischen Hinterland. Der höchste Neueinstieg auf unserer Krimibestenliste im April.

Beauregard Montage – kurz "Beau" oder "Bug" – hat seine kriminelle Vergangenheit als Fluchtwagenfahrer hinter sich gelassen. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in einer Kleinstadt in Virginia und betreibt eine Autowerkstatt.

Doch die Auftragslage ist schlecht, Beau ist mit der Miete und den Raten für die Hypothek im Rückstand. Die illegalen Autorennen, die er manchmal fährt, bringen nicht genug Geld ein, und als dann auch noch seine pflegebedürftige Mutter ein Problem mit ihrer Krankenversicherung hat, entschließt er sich, ein letztes Mal einen der Jobs anzunehmen, die er früher gemacht, und sich an einem Raubüberfall zu beteiligen.

Richtig schwer fällt ihm Entscheidung nicht: "Egal, wie schnell er fuhr oder wie viele Rennen er gewann, es war nicht damit zu vergleichen, für eine Crew zu fahren. Hinter dem Lenkrad zu sitzen, die Cops im Nacken, vor sich die Straße…"

Angetrieben von einer zerstörerischen Kraft

Physikalisch gesprochen: "Blacktop Wasteland" von S. A. Cosby ist ein Kriminalroman, in dem es um Druck und Gegendruck geht, um Zeit, Geschwindigkeit und Beschleunigung. Beau wird von einer dunklen, zerstörerischen Kraft angetrieben, die ihren Ursprung in der gewalttätigen Geschichte seiner Familie hat, und je größer die Hindernisse auf seinem Weg werden, desto mehr drückt er auf das Gaspedal.

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Der Überfall auf ein Juweliergeschäft, auf den Beau sich eingelassen hat, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, und selbst ein atemberaubender Stunt mit dem Fluchtwagen – ein Sprung mit einem Buick Regal "mit Nitro-Kit‟ von einer nicht fertiggestellten Brücke – zögert die Katastrophe nur heraus. Die Beute aus dem Job war Teil eines schmutzigen Deals von organisierten Menschenhändlern. Damit ist die Polizei Beaus kleinstes Problem.

Also macht er das, was er am besten kann. Er erhöht noch einmal das Tempo, und die Verfolgungsjagden im zweiten Teil dieses Romans sind das Beste, was seit Langem in diesem Fach geschrieben wurde: knallharte Actionprosa, bei der S. A. Cosby immer mal ganz leicht die Bremse antippt, um schnell eine kurze Reflexion über "die symbiotische Beziehung zwischen Mensch und Maschine" über die Windschutzscheibe flackern zu lassen - und dann zum nächsten Sprung anzusetzen: "Time to fly, baby."

Atemberaubender Thriller, punktgenaues Tempo

S. A. Cosby – offiziell nur Initialen, kein Vorname – kann allerdings nicht nur punktgenau Tempo machen. Darum startet dieser atemberaubende Thriller völlig zu Recht von der Pole Position unserer aktuellen Krimibestenliste.

Im aufgewirbelten Staub der Straße zeichnen sich immer schärfer die Konturen der Landschaft ab, die dem Roman den Titel gegeben hat: das "blacktop wasteland", die asphaltierte Einöde im amerikanischen Hinterland, in der ein Afroamerikaner wie Beauregard Montage mit einem Alltagsrassismus zu kämpfen hat, der hier zum Leben genauso dazugehört wie Fast Food, schlechte Drogen und eine epidemisch um sich greifende Chancenlosigkeit.

Es ist eine Landschaft, die Menschen in "Erde, Asche und Rost" verwandelt. Und kein Auto ist schnell genug, um ihr entkommen.

S. A. Cosby: "Blacktop Wasteland‟
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Jürgen Bürger
Ars Vivendi Verlag, Cadolzburg 2021
320 Seiten, 22 Euro

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