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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 28.01.2015

RusslandsanktionenSächsische Firmen leiden besonders

Von Ronny Arnold

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Eine Sachsen-Fahne weht am 18.06.2014 vor dem Sächsischen Landtag in Dresden (Sachsen)  (picture alliance/dpa/Arno Burgi)
Eine Sachsen-Fahne vor dem Landtag in Dresden: Vor den Sanktionen liefen die Geschäfte sächsischer Unternehmen mit Russland sehr gut. (picture alliance/dpa/Arno Burgi)

In Sachsen sind viele Unternehmen von den Wirtschaftssanktionen gegen Russland betroffen. Seit Jahrzehnten gibt es enge Beziehungen mit russischen Unternehmen. Die Firmenchefs im Freistaat hoffen, dass der Handel bald wieder entspannter läuft.

"Die Geschichte hat bewiesen, dass Sanktionen noch nie so viel ausgerichtet haben."

Man kann die Aussage dieses Unternehmers verstehen. Und man hört sie bei diesem kleinen Branchentreffen an jeder Ecke, zu dem die Vereinigung der sächsischen Wirtschaft nach Dresden geladen hat. 20 Mitarbeiter hat seine Firma der Elektrotechnik, einen Namen will er lieber nicht nennen.

Der Chef schaut, wie alle hier bei dieser Zusammenkunft, vor allem auf die Zahlen. Und die sehen, mit Blick auf die Geschäfte mit Russland, momentan schlecht aus:

"Wir werden deshalb keine Kurzarbeit einführen müssen, aber wir haben über die Jahre zwei solide Partner in St. Petersburg und wir waren jetzt dabei, eine weitere Partnerschaft mit Nischni Nowgorod aufzubauen. Die ist ganz gestorben."

Ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau

Allein von Januar bis Oktober 2014 lagen die sächsischen Ausfuhren nach Russland rund ein Fünftel unter dem Vorjahresniveau. Und daran hat sich auch in den letzten Wochen nichts geändert. Vor allem betroffen: der Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektronik und Optik. Die Geschäftsbeziehungen leiden massiv unter den Einschränkungen, so der Unternehmer:

"Durch die Sanktionen sind wir natürlich heute als Europäer nicht mehr direkt zuverlässig für die Russen. Gerade wenn man Anfang der 90er Jahre eine neue Firma gegründet hat und in Russland sich neue Unternehmungen suchen musste, um die Absatzmärkte zu gewinnen, dann braucht es immer eine ganze Zeit, um da Fuß zu fassen."

Vor den Sanktionen liefen die sächsischen Geschäfte mit Russland sehr gut. Die Ausfuhren stiegen seit 2008 um insgesamt 50 Prozent, im Bereich Metall- und Elektroindustrie sogar um 78 Prozent. Damit ist es jetzt erst einmal vorbei.

Sachsen verliert im Wettbewerb

Die Ironie der Geschichte – andere Länder profitieren vom deutschen Einbruch. Die USA steigerten ihre Geschäfte mit Russland um 15 Prozent, trotz eigener Sanktionen. Allerdings beträgt das amerikanische Exportvolumen nach Russland auch nur ein Drittel dessen der Bundesrepublik. Brasilien und die Schweiz legten um 12 Prozent zu, auch Asien steigerte die Exporte. Russische Importeure orientieren sich um, Sachsen verliert im Wettbewerb. Und die Unternehmer befürchten dauerhafte Verluste:

"In der Vergangenheit hat sich die russische Unternehmerschaft gewehrt gegen chinesische Produkte. Aber in dem Moment, wenn die Zuverlässigkeit der Lieferungen von uns nicht mehr gewährt wird, wird man qualitativ niedrigere Produkte annehmen. Und wenn die Lieferlinien einmal abgewandert sind, wird es äußerst schwierig für uns, dort wieder neu Fuß zu fassen. Und das ist das größte Problem."

175.000 Sachsen sind derzeit in der Metall- und Elektroindustrie tätig, damit ist die größte Industriebranche des Freistaates betroffen. Viele treffe es momentan massiv, so Lars Kroemer von der Vereinigung der sächsischen Wirtschaft – direkt oder indirekt:

"Es war ein Wachstumsmarkt, auf den viele mittelständische Unternehmen gesetzt haben. Und dementsprechend sind wir enttäuscht von diesem radikalen Strukturwandel, der da im Moment stattfindet. Ausgelöst durch die Sanktionen und den Verfall des Ölpreises, der sich jetzt in immer schlechteren Exportchancen nach Russland auswirkt."

Ein weiteres Problem für die Unternehmer, übrigens auf beiden Seiten, der stetige Verfall des Rubels. Hinzu kommen Unsicherheiten, die durch die nicht immer klaren Sanktionslisten ausgelöst werden, so Kroemer:

"Das betrifft eben nicht nur die Produkte, sondern auch die Empfänger. Also wenn ich sowohl im militärischen Bereich wie auch im zivilen Bereich liefere als russisches Unternehmen, dann bin ich ebenfalls mit auf der Sanktionsliste. Und das ist natürlich so eine Art Graubereich, der mit Unsicherheiten für die betroffenen Unternehmen hier in Sachsen einhergeht. Weil sie nicht wissen, ob ihr Produkt davon betroffen ist oder nicht."

Nicht komplett von Russland abhängig

All das zu durchblicken koste viel Energie, Zeit und schließlich bares Geld, meint ein anderer Geschäftsführer bei diesem Firmentreffen. 120 Angestellte hat sein Elektromaschinenbau-Unternehmen allein in Sachsen, insgesamt sind es 3000 Mitarbeiter. Man sei breit aufgestellt, deswegen zum Glück nicht nur von Russland abhängig. Trotzdem sind die Sanktionen ein Problem.

"Wir sind insofern betroffen, dass wir halt größere Vorsicht walten lassen müssen bei der Ausfuhrkontrolle. Dass wir mehr Abstimmungsbedarf mit unseren russischen Geschäftspartnern haben, was die Zollanmeldungen angeht, was die Ausfuhrpapiere angeht. Und umgekehrt müssen wir mehr Vorsicht walten lassen, was die Bezahlvorgänge angeht. Weil die russische Wirtschaft unter den Gegebenheiten doch stark leidet. Und dadurch verzögert sich auch der Zahlungsverkehr."

Russische Kunden wollen kaufen, doch am Ende fehlt das Geld. Stabile, verlässliche Wirtschaftsbeziehungen sehen anders aus. Deshalb hoffen die Firmenchefs hier, dass sich die Beziehungen zu Russland schnell entspannen:

"Man hofft, dass sich die politische Lage stabilisiert, denn der russische Markt ist überaus attraktiv und groß. Lediglich die politische Lage ist unsicher und die erschwert die Geschäfte. Und da hoffen wir natürlich alle, dass das bald wieder in geordnete Bahnen geht, dass die Krise lieber heute als morgen beigelegt wird."

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