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Fazit / Archiv | Beitrag vom 17.08.2020

Ruhrtriennale eröffnet digitales ArchivDie Spuren von nie Stattgefundenem

Stefanie Carp im Gespräch mit Vladimir Balzer

Die Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp. (picture allliance / Marcel Kusch)
Die scheidende Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp. (picture allliance / Marcel Kusch)

Es sei die Höchststrafe, dass die Ruhrtriennale 2020 wegen der Pandemie nicht stattfinden konnte, sagt deren Intendantin Stefanie Carp. Entstanden ist stattdessen nun ein digitales "Archiv der verlorenen Ereignisse".

33 Produktionen, davon zwölf Ur- und Erstaufführungen in 17 unterschiedlichen Spielstätten in Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gladbeck und Wuppertal - das sollte die diesjährige Ruhrtriennale werden. Geplant war schon alles, stattfinden durfte sie nicht.

Schon im April entschied der Aufsichtsrat der Kultur Ruhr GmbH, dass die diesjährige Ausgabe der Ruhrtriennale wegen der Corona-Pandemie abgesagt wird. "Das ist Höchststrafe", sagt die Intendantin der Ruhrtriennale, Stefanie Carp. "Dass wir einfach gar nichts machen konnten, noch nicht mal ein gestreamtes Festival, das ist wirklich sehr traurig." Nach wie vor glaubt sie, dass eine eingeschränkte Umsetzung in den riesigen Industriehallen, in denen die Ruhrtriennale stattfindet, möglich gewesen wäre.

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Die Anfänge der Arbeiten sind nun im "Archiv der verlorenen Ereignisse" gesammelt. "Das sollte einmal eine Botschaft sein an unser Publikum, dass wir nicht einfach gar nicht senden und gar nichts publizieren", sagt Stefanie Carp. "Das 'Archiv der verlorenen Ereignisse' ist natürlich auch etwas Paradoxes. Etwas, das nicht stattfindet, kann keine Spuren hinterlassen und nicht archiviert werden."

Digitale Schätze

Im Archiv sind nun Audios, Texte, Interviews, Bilder und Videos zu gesammelt. Angelehnt an ein digitales Magazin, finden sich unterschiedlichste Perspektiven aus aller Welt. "Ich finde, Candice Breitz hat uns einen wunderschönen Text geschrieben. Serge Aimé Coulibaly hat ein ganzes langes Videostatement aufgenommen, das sehr berührend ist. Es gibt auch ganz wunderbare musikalische Schätze", schwärmt Carp. "Also es gibt sehr viel zu entdecken in diesem Archiv. Jeder Beitrag ist vollkommen unterschiedlich. Wir haben da auch absichtlich keine Vorgaben gemacht."

Mit dem 31. Oktober endet die Intendanz von Stefanie Carp, die die Ruhrtriennale von 2018 bis 2020 verantwortet hat. Die Leitung ab 2021 übernimmt die Schweizer Theater- und Opernregisseurin Barbara Frey.

Das "Archiv der verlorenen Ereignissen" ist vom 14. August – das war der ursprüngliche Eröffnungstermin der Ruhrtriennale 2020 – bis 31. Oktober 2020 abrufbar. Die Beiträge werden nach und nach online gestellt.

(nho)

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