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Lesart | Beitrag vom 02.03.2021

Romanyschyn und Lessiw: "Sehen"Es werde Licht!

Von Kim Kindermann

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Zu sehen ist das Cover des Buches "Sehen" von Romana Romanyschyn. (Deutschlandradio / Gerstenberg Verlag)
Ein Buch als großes Fest für und über Augen: In "Sehen" kann man viel lernen. (Deutschlandradio / Gerstenberg Verlag)

Dieses Bildersachbuch lehrt einen im wahrsten Sinne des Wortes das Sehen! Mit seinen fantastischen Farben, Formen und Informationen lernt man schnell, warum sehen können so wichtig für uns Menschen ist.

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw haben ein wunderbares Sachbilderbuch geschaffen: mit kurzweiligen, klugen Texten und betörend schönen Bildern. Schon gleich zu Anfang machen die beiden klar: Wer über das Sehen etwas lernen will, der muss nicht nur wissen, wie das menschliche Auge aufgebaut ist und wie es funktioniert, dass wir Farben und Formen, Lichtverhältnisse und Strukturen erkennen können. Sondern der muss auch verstehen, dass ein Blick uns viel über den Zustand unserer Mitbürger und der Welt verrät.

Man muss nur genau hinschauen.

Babys müssen das Sehen erst lernen

Und wer das tut, kann viel Interessantes entdecken! So auch in diesem 58-seitigen Bilderbuch. Etwa, dass Babys direkt nach der Geburt noch unscharf und verschwommen sehen, weil das Gehirn erst lernen muss zu sehen. Oder dass die Iris jedes Menschen einzigartig und unverwechselbar ist.

Und dass Augen in der Lage sind winzig kleine Details wahrnehmen zu können und wir Menschen so über sieben Millionen Farbtöne unterscheiden können, aber auch Gefahren erkennen und Schätze entdecken können.

Die großen und kleinen Sehhilfen

Weil das Auge aber manches nicht sehen kann – etwa unglaublich kleine Dinge oder weit entfernte Objekte –, gibt es technische Hilfen: Mikroskope oder Teleskope. Wie auch manche Menschen Hilfe brauchen, um überhaupt sehen zu können.

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Was eine Brille ausmacht, was für unterschiedliche Brillenarten es gibt, und dass Menschen, die nicht sehen können, es mit der Hand lernen, mit dem Blindenstock und dem Blindenhund. Denn es gibt unterschiedliche Arten sehen zu können, wie die Autorin und der Illustrator immer wieder betonen.

Kurze Texte, farbgewaltige Bilder

Ihre Zusammenarbeit ist dabei kongenial. Wo sie in kurzen Texten erklärt, setzen seine Bilder das Geschriebene in farbgewaltige Bilder um.

Neon-Orangerot, Gelb, Blau und Beige: Das sind die dominierenden Farben in diesem Buch. Andrij Lessiw spielt förmlich mit ihnen, genial etwa auf der Doppelseite zum Thema "Augen, die besser sehen als das menschliche Auge": ein großes  Wimmelbild, das sich aus insgesamt 23 Tieren zusammensetzt (ein Hund, ein Wal, eine Ziegenbock, eine Eule, eine Schmetterling, ein Insekt und so weiter) ist einem flächig gemalten blauen Bild mit kleinen, unterschiedlichen Augenformen gegenübergestellt.

Romana Romanyschyn ergänzt in kleinen begleitenden Texten die wichtigsten Informationen dazu. Dass Haie sehr gut in trübem Wasser sehen, Schmetterlinge noch mehr Farben erkennen als wir Mensch oder dass die Augen von Chamäleons und Ratten unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen blicken können.

Ein Fest für und über die Augen

Und so ist dieses Buch ein großes Fest für und über die Augen. Und ein Lesegenuss, bei dem man unglaublich viel lernt.

Vor allem aber eins: Um zu erkennen, wer man wirklich ist, reicht nicht allein der Blick in den Spiegel. Da muss man das Auge weiten, den Blick schweifen lassen und offen für das Unsichtbare sein. Ein unglaublich tolles Sachbilderbuch!

Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw: "Sehen"
Aus dem Ukrainischen von Claudia Dathe
Gerstenberg,Hildesheim 2021
56 Seiten, 20 Euro

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