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Tonart | Beitrag vom 24.09.2015

Rockmusiker Wolf MaahnSingen, was einen bewegt

Von Uwe Wohlmacher

Der Musiker und Sänger Wolf Maahn. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)
Der Musiker und Sänger Wolf Maahn. (dpa / picture alliance / Oliver Berg)

Fünf Jahre hat der Kölner Rockmusiker Wolf Maahn seine Fans auf neue Songs warten lassen. Nun hat er sein Album "Sensible Daten" veröffentlicht. Darauf zeigt sich Maahn gesellschaftskritisch. Doch das Album hat auch eine romantische Seite.

Krachend rockig beginnt das neue Album von Wolf Maahn, auf dem der Kölner Musiker mit anspruchsvollen Texten und einer fast zeitlosen bodenständigen Rockvariante auf hohem Niveau überzeugen kann. Lange mussten seine Fans auf neue Songs warten, zuletzt war Maahn meist akustisch mit Songs aus den letzten 30 Jahren seiner Karriere unterwegs. Immerhin erschien das letzte neue Album vor fünf Jahren.

"Es gab ja zwischendurch ein Album, es gab ja das Solo-Livealbum und dazu gab's eine Tour und die wurde zweimal verlängert, also ganz so schlimm ist es dann nicht mehr, wenn man fünf Jahre hört. Aber natürlich ist es mit neuen Songs jetzt fünf Jahre her und ich glaub halt, wenn man so ein bisschen länger schon dabei ist, will man eigentlich immer ein Stück noch weiter zulegen und besser werden, und das braucht halt manchmal seine Zeit."

Bereits in der Vergangenheit war Wolf Maahn als kritischer Textschreiber bekannt und auch diesmal setzt er sich in den meisten der zwölf neuen Songs mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen kritisch auseinander. Darauf deutet bereits der Titel des Albums "Sensible Daten" hin.

"Ja gut, es gibt in dem Fall und das war bei einigen anderen Alben auch schon so, dass der Albumtitel 'Sensible Daten' dann irgendwann für mich feststand. Das hat mir für die Texte noch mal so einen Rahmen gegeben, der vielleicht vorher gefehlt hat. 'Sensible Daten' find ich halt deswegen einen tollen Titel, weil es einmal - meine Musik empfinde ich als sensibel, was die einzelnen Instrumente machen, was meine Stimme macht und Daten sind es ja letztlich auch. Früher hat man auf Bändern seine Musik gespeichert, heute auf Dateien. Es hat natürlich auch textlich noch mal einen großen Ruck gegeben, weil mir klar wurde, wie sehr sensibel unsere Gesellschaft ist, wie sehr sensibel die ganze Überwachungssituation ist - woran natürlich auch viele denken, bei dem Titel. Aber wie sensibel ist die Natur und wie sensibel ist die Erde und wie gehen wir mit ihr um. Insofern wurden die Texte dadurch vielleicht sogar ein bisschen radikalisiert."

Kommentator gesellschaftlicher Ereignisse

Dass ein Künstler mit seiner Musik viel verändern kann, daran glaubt Wolf Maahn nicht mehr. Vielmehr sieht er sich mittlerweile als Kommentator gesellschaftlicher Ereignisse, der in seinen Songs höchstens auf Fehlentwicklungen hinweisen kann.

"Ich kann ja nur eigentlich das, was mich bewegt, singen. Und ich glaube, dass alles, was Musik dann verändern kann ist völlig der Fügung überlassen. Es passiert einfach oder es passiert nicht. Ich glaube nicht daran, dass man sagen kann, ich mache jetzt ein Lied, was die Welt ein Stück verändert. Entweder es passiert von alleine oder eben nicht. Natürlich hab ich auch schon mal sowas wie Agitprop gemacht, als ich 'Tschernobyl' vor vielen Jahren tagespolitisch geschrieben habe, als Song für Demonstrationen eigentlich gedacht, ein Stück wirklich weg von meinem normalen künstlerischen Schaffen. Aber mein normales künstlerisches Schaffen ist, dass ich eher mache, was mir im Kopf rumgeht und dann sehe, welchen Weg es nimmt. Und im Extremfall kann das bedeuten, wie ich ja auch in einem Lied behaupte, dass Mauern fallen."

Die Liebe als Rückzugsort in bewegten Zeiten, darauf könnte man kommen, wenn man den Text des Liedes "Gelobtes Land" hört. Wolf Maahn über die Entstehung des Songs, der lange vor der aktuellen Flüchtlingsproblematik entstand.

"Wir sind wahnsinnig viel unterwegs. Wir sind ein bisschen wie Nomaden und ich habe einen Text geschrieben über Menschen, die einfach von Stadt zu Stadt ziehen, den Wohnort wechseln, ich dachte auch an sowas wie Wanderarbeiter oder sowas. Also Leute, die einfach an ihrer Liebe festhalten und nicht so sehr an dem Wohnort. Und irgendwann ist die Liebe dann die Heimat. Und man hat vielleicht sogar die wahre Heimat gefunden."

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