Robert Habeck: "Arctic Meltdown. Die Neuvermessung der Welt"
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Habeck, Robert
Arctic Meltdown. Die Neuvermessung der WeltKiepenhauer & Witsch, 2026416 Seiten
26,00 Euro
In seinem neuen Buch widmet sich der ehemalige Wirtschaftsminister Robert Habeck der Arktis. Dabei wagt er sich an einen generalistischen Ansatz zwischen Klimakrise und Geopolitik: ein mehr als lesenswertes Sachbuch.
Bei der Arktis denken die meisten wohl zuerst an Eis und Schnee. Robert Habeck würde einen Begriff ergänzen: „Brennglas“. Denn die Region nördlich des Polarkreises heizt sich gerade gewaltig auf. Gleichzeitig zeigen sich dort wie unter einer Lupe die Probleme der Gegenwart: „Die klimatische Erwärmung, ja Erhitzung der Arktis spiegelt sich in einer politischen“, schreibt Habeck in "Arctic Meltdown".
Es lohnt sich also, hinzuschauen. Dass beweisen nicht zuletzt die Debatten vom Jahresbeginn, als US-Präsident Donald Trump Grönland zum US-Territorium erklärte. Für Robert Habeck kommen persönliche Erfahrungen hinzu. In Kopenhagen, wo der hohe Norden „überall präsent ist“, hat er bis vor Kurzem für einen sicherheitspolitischen Thinktank gearbeitet.
Crashkurs über den hohen Norden
Der Situation in der Arktis kann man sich auf verschiedene Weisen annähern: klimapolitisch, historisch oder kulturgeschichtlich, in Form eines Reiseberichts oder mit Blick auf die Geopolitik. Robert Habeck wählt einen generalistischen Weg. Denn am Ende – das ist eine der wichtigen Botschaften des Buches – hängt alles zusammen: gesellschaftliche und politische Umwälzungen, zum Beispiel die gegenwärtige Krise liberaler Demokratien, mit der menschengemachten Erderhitzung, mit den Krisen und Kriegen unter anderem in der Ukraine und im Iran bis zu Machtansprüchen in der Arktis.
Im schlechten Fall wird ein solcher Ansatz zu einem oberflächlichen Buch – von allem etwas, aber nichts richtig. Im guten Fall wird ein solches Buch ein echter Überblick, eine Einführung, die Experten vielleicht nicht überrascht, aber einen Zugang schafft für ein bisher zu kurz gekommenes Thema. „Arctic Meltdown“ gehört zur letzteren Kategorie.
So lernt man in einer Art Crashkurs etwas über die Geschichte des hohen Nordens, über die indigene Bevölkerung und die koloniale Vergangenheit. Spannend ist auch der Exkurs, an dem sich zeigt, wie stark sich russische Nationalisten auf die mythologische Erzählung über die Hyperboreer beziehen.
Russland, die USA und China bringen sich im Norden in Stellung
Im Fokus stehen trotzdem zwei Kernthemen: die Klimakrise und der Machtkampf um die Arktis. Knapp und klar erklärt Habeck die Dramatik abschmelzender Polkappen. Vor allem aber interessiert er sich für die geopolitischen Folgen und dabei kommen ihm seine politischen Erfahrungen zugute, die er immer wieder auch anekdotisch einflicht.
Deutlich wird so vor allem, wie stark sich Russland, die USA und China im Norden in Stellung bringen, um Handelswege nutzen zu können oder zugänglich werdende Bodenschätze zu heben. Die sind nicht zuletzt deshalb gefragt, weil die Energiewende gerade unaufhaltsam voranschreitet – unter anderem, weil Öl und Gas zum politischen Druckmittel geworden sind.
All das sorgt dafür, dass „Arctic Meltdown“ kein Memoire, keine reine Selbstinszenierung, getarnt als „politische Standortbestimmung“ ist. Es geht um die Sache. Und dennoch entsteht am Ende des Buches auch ein Bild von Robert Habeck selbst: Das Bild eines nachdenklichen Realpolitikers, der Krieg schrecklich findet und dennoch glaubt, dass man um Aufrüstung nicht herumkommt – und trotzdem überzeugt davon ist, dass die Welt gestaltbar ist.


















