Riku Onda: "Die Aosawa-Morde"

Vergiftete Fragen

02:46 Minuten
Das Cover des Krimis von Riku Onda, "Die Aosawa-Morde", zeigt eine Frau im gemusterten Klied von hinte, die mit beiden Händen hinter ihrem Rücken eine Blume hält. Im Hintergrund ist das Muster auch zu sehen. Die gut schulterlangen Haare der Frau bilden eine fast schwarte Fläche auf der Titel und Autorin geschrieben stehen. Das Buch steht auf der Krimibestenliste von Deutschlandfunk Kultur. (Bildrechte Cover: Atrium)
© Atrium

Riku Onda

Aus dem Japanischen von Nora Bartels

Die Aosawa-MordeAtrium, Zürich 2022

368 Seiten

22 Euro

Von Sonja Hartl · 01.04.2022
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Vom tödlichen Ende einer Familienfeier: Die japanische Autorin Riku Onda entwirft in ihrem Kriminalroman „Die Aosa-Morde“ ein raffiniertes Spiel um ein grausames Verbrechen.
Es beginnt rätselhaft: Vor rund 30 Jahren sind bei einem Geburtstagsfest der hochangesehenen Familie Aosawa 17 Gäste mit Zyanid vergiftet worden und gestorben. Nur die blinde Tochter der Familie, die zwölfjährige Hisako, hat überlebt. Die Polizei hat umfassende Ermittlungen angestellt – bis ein junger Mann Selbstmord begangen und sich in seinem Abschiedsbrief zu der Tat bekannt hat.

Was geschah wirklich?

Doch welches Motiv hatte der vermeintliche Täter? Hat er allein gehandelt? Woher wusste er so viel über die Familie? Es sind Zweifel an seiner Schuld geblieben. Nun versucht jemand, durch Gespräche mit Menschen im Umfeld der damaligen Ermittlungen herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist.
Jedes Gespräch bildet ein Kapitel in dem Kriminalroman „Die Aosawa-Morde“ der japanischen Autorin Riku Onda. Gleich zu Beginn liefert eine mittlerweile erwachsene Nachbarstochter, die ein Buch über diesen Fall geschrieben hat, eine brisante und schockierende Hypothese: Wenn 18 Menschen im Haus sind und 17 davon sterben, muss die Überlebende die Täterin sein. Auch wenn es sich dabei um ein zwölfjähriges blindes Mädchen handelt.

Die Gespräche sind ein Rätsel

Doch schon mit dem zweiten Gespräch entstehen Zweifel an der Zuverlässigkeit der ersten Gesprächspartnerin – und damit beginnt Onda, sehr geschickt eine rätselhafte Ebene über die andere zu schichten.

Mit "Die Aosawa-Morde" gelang Riku Onda aus dem Stand der Sprung auf die Spitzenposition unserer aktuellen Krimibestenliste. Die ganze Liste mit weiteren Krimi-Tipps finden Sie hier.

Auch die Gespräche selbst sind ein Rätsel: Es sind nur die Antworten nachzulesen. Man weiß nicht, wer fragt und wer antwortet. Letzteres lässt sich im Verlauf des Gesprächs entschlüsseln. Das fällt zunehmend leichter, weil man mehr Personen kennt und schneller ahnt, wer es sein könnte. Wer aber die Fragen stellt, wird ein umso größeres Rätsel, dessen Auflösung einen dann nicht einer Aufklärung näherbringt.
Diese narrative Struktur ist mutig, innovativ und überzeugend. Onda liefert bis zum Ende ihres Romans keine Eindeutigkeiten, stattdessen bleibt bei Details offen, ob sie ein Zufall oder ein Indiz sind. Die Wahrheit über die Giftmorde sucht man vergebens.
Aber die Rätsel sind so klug und geschickt konstruiert und der gesamte Roman steckt voller so interessanter und zu entdeckender Kleinigkeiten, dass sich diese Offenheit gut ins Gesamtbild fügt.
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