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Interview | Beitrag vom 14.10.2019

Richard David Precht über "Sei du selbst""Die Leute wollen wieder einfache Antworten"

Moderation: Liane von Billerbeck

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Während eines Panels auf der Republica 2018 schaut Richard David Precht seine Gesprächspartner an. (Picture Alliance / dpa-Zentralbild / Britta Pedersen)
Richard David Precht hat mit "Sei du selbst" den dritten Band seiner Philosophiegeschichte veröffentlicht. (Picture Alliance / dpa-Zentralbild / Britta Pedersen)

Wer bin ich - und wie will ich leben? Solche Fragen verhandelt Richard David Precht im neuen, dritten Band seiner Philosophiegeschichte. Für den Philosophen liegt die Ursache vieler negativer Entwicklungen in der Überforderung unserer Gesellschaft.

Wir haben das Jahr 2019 – und wissen noch immer nicht so recht, wer wir sind (und wenn ja: wie viele). Die Fragen, die der Philosoph und Autor Richard David Precht 2007 in seinem Bestseller "Wer bin ich – und wenn ja wie viele" aufwarf, tauchen auch in dem dritten Band seiner vierteiligen Philosophiegeschichte "Sei du selbst" wieder auf.  "Und das Schöne daran ist, dass es darauf keine einfachen Antworten gibt", sagt Precht über sein Buch, das am 14. Oktober erscheint.

Mit Bedacht habe er als Umschlagbild den "Wanderer über dem Nebelmeer" von Caspar David Friedrich gewählt. Was vordergründig als Idylle und melancholisches Schwelgen in der Natur erscheine, habe noch einen Subtext: Das Gemälde zeige einen Mann, der dem Krieg in seiner Heimat entflohen sei – das Dokument einer Überforderung. Dieses Motiv taucht immer wieder auf in dem Buch, das zeitlich mit dem Ersten Weltkrieg endet. Dieser war für Precht ebenfalls das Resultat einer extremen Überforderung – sogar viele renommierte Denker hätten sich von dem Kriegsausbruch eine Art politischen und gesellschaftlichen Befreiungsschlag versprochen.

Sehnsucht nach dem Einfachen

Für Precht ist das ein hochaktueller Aspekt, denn auch unsere heutige Gesellschaft zeige ähnliche Symptome: "Heute beginnt das zweite Maschinenzeitalter, das Zeitalter des maschinellen Lernens, der Künstlichen Intelligenz. Und das erste, was wir wieder erleben ist: Restauration. Die Leute wollen wieder einfache Antworten, sie wollen wieder zurück in etwas Einfacheres. Alles zerfällt, alles zersplittert. Und ich glaube, dass wir durch das Vertiefen in das 19. Jahrhundert viel darüber lernen können, welche gewaltigen Probleme auf uns zukommen. Und ich verbinde das immer mit der Hoffnung, dass wir nicht all das durchleiden müssen, was die Menschen damals durchlitten haben."

(mkn)

Richard David Precht: "Sei du selbst: Geschichte der Philosophie 3"
Goldmann Verlag, 2019
608 Seiten, 24 Euro

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